Die reichsten Deutschen Lizenz zum Gelddrucken

Die "Westdeutsche Allgemeine", Deutschlands meist verkaufte Regionalzeitung, hat ihren Gründern Erich Brost und Jakob Funke einen wahren Geldsegen beschert. Die Erben liegen beständig im Clinch.

Hamburg - In der obersten Etage der WAZ-Gruppe ist es wie in einer großen Familie - man zankt sich, es fallen harte Worte, und am Ende haben sich zwar nicht alle lieb, halten aber doch irgendwie zusammen.Schon das Gründer-Duo Erich Brost und Jakob Funke war für seine Querelen bekannt, und auch ihre Nachkommen liegen beständig im Clinch. Zusammenraufen müssen sie sich letztlich, denn jede Familie ist zu 50 Prozent an dem Konzern beteiligt, und Entscheidungen dürfen nur einstimmig getroffen werden, das schreibt der Gesellschaftervertrag vor.Für die Familie Funke sollte das kein Schaden sein; der Konzern hat sie über zwei Generationen zu Milliardären gemacht, ihr Vermögen beläuft sich auf 5,5 Milliarden Mark und katapultiert die Sippe auf Platz 34 im Ranking der 100 reichsten Deutschen. Eine stattliche Summe, die allerdings nicht ohne das Zutun von Günther Grotkamp zusammen gekommen wäre. Grotkamp, seines Zeichens Jurist, stieß 1960 zur "WAZ" und 1986 zur Familie Funke, indem er Petra, die jüngste Tochter von Jakob Funke, heiratete. Über Jahre galt Grotkamp als Schlichter zwischen den in politischen und journalistischen Fragen Welten auseinander liegenden Gründern. Funke, 1901 in Essen geboren, schrieb während des Zweiten Weltkriegs als Hauptschriftleiter für den "Essener Anzeiger". Er war erzkonservativ und wäre wohl nie mit dem sozialdemokratischen Ostpreußen Erich Brost zusammengekommen, hätte Letzterer im Jahr 1948 nicht für den Aufbau einer neuen Tageszeitung jemanden gebraucht, der das Revier wie seine Westentasche kennt. Das Projekt reizte Funke, so wurden sie ein ungleiches Team. Grotkamp besaß die sprichwörtliche Advokatenschläue, schnell dirigierte er die Geschäfte, obwohl Senior Funke bis zu seinem Tode (1975) und Altverleger Brost bis 1978 offiziell die "WAZ"-Geschäftsführerposten bekleideten. Seine erste kühne Amtshandlung war Anfang der sechziger Jahre die 25-Prozent-Beteiligung des Hauses am Hamburger Otto-Versand. Der befand sich damals im Aufbau und war auf eine Finanzspritze angewiesen. Die Konditionen waren günstig. Heute liegt der Umsatz des Otto-Versands bei 30 Milliarden Mark, das Geschäft hat sich gelohnt. Nach dem Tod seines Mentors Funke besetzte Grotkamp auch offiziell dessen Chefposten im Unternehmen. Funke hatte ihm die Verwaltung des Familien-Vermögens - Funke hat vier Töchter: Ute, Gisela, Renate und Petra - übertragen, und mit seiner Heirat rückte der Jurist zudem in den Gesellschafterkreis vor. Hartnäckig baute Grotkamp die WAZ-Gruppe zum drittgrößten deutschen Medienunternehmen auf - nach Bertelsmann und Springer. Außer in Westdeutschland ist die Gruppe mit Titeln in Thüringen vertreten; Beteiligungen hält sie an Zeitungen und Zeitschriften in Österreich, Ungarn, Tschechien und Bulgarien. Der Konzern ist Gesellschafter bei mehr als einem Dutzend Lokalradios und last but not least beteiligt an Europas größtem TV-Unternehmen, der RTL Group. Im vergangenen Jahr zog sich der Vollblut-"WAZ"-Mann Grotkamp, nachdem er es bereits 1999 offiziell getan hatte, gänzlich aus dem Geschäft zurück und überließ Lutz Glandt sein Feld. Es fiel dem Workaholic schwer, aber Ehefrau Petra drängte. Nach 14 Ehejahren wollte sie nun endlich auch etwas von ihrem Mann haben. Und dieses Mal zeigte er sich nachgiebig. Katy Hillmann, manager-magazin.de

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