Die reichsten Deutschen Schöngeist mit Geschäftssinn

Im Austausch mit den Intellektuellen dieser Welt entwickelt Hubert Burda immer neue Modelle für den Medienkonzern der Zukunft. Und meistens klappt es auch mit der Umsetzung.


Hamburg - Wenn, ja, wenn Hubert Burda als Sohn einer durchschnitts-deutschen Familie zur Welt gekommen wäre, dann hätte er vielleicht die akademische Laufbahn eingeschlagen, wäre Philosoph oder Kunsthistoriker geworden. Das Zeug dazu hat er, gar keine Frage. Mit seiner Promotion über die Ruinenmalerei im 18. Jahrhundert von Hubert Robert unternahm er bereits den ersten großen Schritt in diese Richtung.

Hubert Burda
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Hubert Burda

Aber das Schicksal wollte es anders. Hubert Burda wuchs in eine legendäre Verlegerfamilie hinein als Sohn von Franz und Aenne Burda, und so war sein Weg als Verleger vorgezeichnet. 1940 wurde er in Heidelberg als jüngster von drei Söhnen geboren. Er machte Abitur, arbeitete neben dem Studium im elterlichen Unternehmen und volontierte anschließend unter anderem bei Time Inc. und der Webeagentur Young & Rubicam in New York.

Er kehrte zurück nach Offenburg und übernahm mit der Leitung von "Bild und Funk" erste Verantwortung im elterlichen Betrieb ("Bunte", "Freundin", "Freizeit Revue"). Innerhalb eines Jahres stieg die verkaufte Auflage des Blattes um fast 20 Prozent. Sein strenger Vater, "Senator" Franz Burda, war zufrieden.

Die schöngeistigen Neigungen seines Sohnes allerdings konnte er nicht gutheißen: "Der Hubert ist ja ein ganz gescheites Bürschle. Wenn er bloß nicht so akademisch daherschwätze tät ..." Der alte Burda pflegte seine Söhne in aller Öffentlichkeit zu maßregeln, auch als sie längst erwachsen und bereit waren, seine Nachfolge anzutreten.

1986 starb der Übervater, Hubert Burda übernimmt im Jahr darauf die Alleinherrschaft im Verlag, nach einer Realteilung des Erbes unter den drei Brüdern. Nun war er frei und konnte das Unternehmen nach seinen Vorstellungen formen. Dabei kamen ihm sein Gestaltungsdrang, sein Auge für Trends und sein intellektueller Hintergrund entgegen. Zwei Männer holte er sich an die Seite, die ihm von da an das Alltagsgeschäft fern halten. Jürgen Todenhöfer und Helmut Markwort.

Todenhöfer, heute stellvertretender Vorsitzender der Hubert Burda Media, ist ein Schulfreund des Unternehmersohns und ehemaliger CDU-Politiker. Er leitet für Burda den Konzern. Markwort ("Fakten, Fakten, Fakten"), der Chef von "Focus", trägt den Vorstandstitel "erster Journalist" und ist Ansprechpartner aller Burda-Chefredakteure. Burda tauscht sich indes mit Künstlern und Intellektuellen aus und bastelt an seinen Vorstellungen über den Medienkonzern der Zukunft.

Zu dritt schafften sie, woran zahlreiche vor ihnen gescheitert sind: Sie etablierten neben dem "Spiegel" ein weiteres Nachrichtenmagazin, den "Focus". Das Trio reüssierte, weil es den Coup nicht gegen, sondern neben der Hamburger Zeitschrift landete. Burda hatte die veränderte Mentalität vieler Leser erkannt, die vor allem optisch umworben werden wollen und eine "Info-Grafik" Texten mit Tiefgang vorziehen.

Gelernt hatte Burda wohl von seiner Pleite mit "Super!", einer Neugründung, die allein im Osten erschien. Überschriften wie "Angeber-Wessi mit der Bierflasche erschlagen - ganz Bernau freut sich" sollten das Publikum der von "Bild" abziehen. Doch dieses Projekt scheiterte.

Früher als die Konkurrenz setzte Burda auf das Internet. "Die neue Ökonomie generiert eine neue Art von Journalismus", erkannte er. Der Nutzer werde zum aktiven Mitarbeiter, indem per Mausklick vorgebe, welche Themen ihn interessieren. 1994 gründete Burda zusammen mit anderen Partnern "Europe Online", vergangenes Jahr brachte er Focus Digital an die Börse. Zu der Zeit hatte die Internet-Euphorie bereits einen Dämpfer erhalten. Doch das störte den ambitionierten Wanderer mit dem 3,5-Milliarden-Mark-Vermögen wenig: "Ich habe Berge am liebsten immer dann bestiegen, wenn das Wetter schlecht war."

Katy Hillmann, Redakteurin manager-magazin.de



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