Die reichsten Deutschen Unternehmerisches Urgestein

Er gilt als einer der "großen alten Männer des deutschen Einzelhandels" - und als einer der reichsten. Mit SB-Warenhäusern, Möbelmärkten und Gewerbeimmobilien brachte es Hugo Mann bis heute auf ein Vermögen von rund fünf Milliarden Mark.

Hamburg - Ob an Bord seiner 30-Meter-Segeljacht oder an der Spitze der Wertkauf-Gruppe, über Jahrzehnte bestimmte hier wie dort nur einer den Kurs: Hugo Mann. Der Schwabe aus Laupheim bei Ulm, Jahrgang 1913, gilt als "unternehmerisches Urgestein". Als einer, dem das Delegieren stets eher Last als Lust gewesen ist und der über die Schrifttype für den Werbeprospekt ebenso entschied wie über die nächste Millioneninvestition.Die Entscheidung, sein Glück als Unternehmer machen zu wollen, fällte Mann 1938. Nach Lehrjahren in der Schreinerei des Großvaters gründete er in Karlsruhe sein erstes Möbelgeschäft. Den Durchbruch aber schaffte Hugo Mann erst nach dem Krieg. Wohlbehalten aus der Gefangenschaft zurückgekehrt und inzwischen mit der Tochter des Foto-Versenders Hannsheinz Porst verheiratet, entwarf und realisierte er nach US-amerikanischem Vorbild seinen ersten Selbstbedienungsmarkt. Pionier der Großflächen 1958 eröffnete er in Karlsruhe auf der Durlacher Allee den ersten Wertkauf-Verbrauchermarkt. Auf damals stattlichen 3500 Quadratmetern Verkaufsfläche bot er ausschließlich Non-Food an. Das nächste Wertkauf-Center - 1966 in Freiburg errichtet - wies schon 7500 Quadratmeter auf, aber nur weitere zwei Jahre später schockte Mann die Branche mit bis dahin nicht gekannten Dimensionen. Auf dem Euro-Gelände in München präsentierte er dem Publikum den mit 20.000 Quadratmetern seinerzeit größten Verbrauchermarkt Europas.Über dem stetigen Wachstum seiner SB-Warenhauskette verlor Konzernchef Mann nie die Ursprünge seines Unternehmertums aus den Augen - das Geschäft mit Möbeln. Unter dem Namen Mann-Mobilia reüssierte er als Möbel-Einzelhändler ebenso wie mit seiner Wertkauf-Gruppe. Durchsetzungsvermögen und Initiative, Zähigkeit und Ehrgeiz sind die Eigenschaften, auf die der überdurchschnittliche Erfolg dieses "Eigentümer-Unternehmers alter Schule" immer wieder zurückgeführt worden ist. Die Fäden nicht aus der Hand geben 1989 schien der Patriarch, der sich nach eigenem Bekunden "ein Leben ohne das Unternehmen nicht vorstellen kann", das Feld Jüngeren räumen zu wollen. Mann übergab die Leitung des Familienkonzerns seinem ältesten Sohn, Johannes Mann. Er selbst wechselte in den Beirat. Wie der Senior seine Rolle als dessen Vorsitzender interpretierte, verdeutlicht eine Presseerklärung, die 1993 anlässlich von Manns 80. Geburtstag verbreitet wurde: "Als Einzelgänger hat er in 55 Jahren seiner Unternehmertätigkeit die Unternehmensgruppe Mann/Wertkauf aufgebaut und als Kapitalgesellschaft geführt." Vom Junior - zu diesem Zeitpunkt schon vier Jahre an der Spitze der Gruppe - keine Rede. Das letzte Wort in der Firma hat nie ein anderer gesprochen als Hugo Mann. So auch Ende 1997. Vor gut drei Jahren veräußerte er sein Lebenswerk: 21 Wertkauf-Warenhäuser, deren 6000 Mitarbeiter zuletzt zwischen zwei und drei Milliarden Mark Umsatz erlösten. Den Zuschlag erhielt der US-Gigant Wal-Mart, dem Vernehmen nach für stolze 1,5 Milliarden Mark. Doch selbst damit ließ sich der greise Gründer nicht alle Fäden aus der Hand nehmen: Die Immobilien selbst hat er sich nicht abkaufen lassen. Christian Keun, manager-magazin.de

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