Herausgeber der Wochenzeitung »Die Zeit« Theo Sommer ist tot

Der Publizist Theo Sommer ist im Alter von 92 Jahren gestorben. Von 1973 bis 1992 war er Chefredakteur der Wochenzeitung »Die Zeit« und danach für viele Jahre einer der Herausgeber. Er schrieb bis zuletzt für das Blatt.
Theo Sommer (hier bei einem Gerichtstermin im Jahr 2014)

Theo Sommer (hier bei einem Gerichtstermin im Jahr 2014)

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Angelika Warmuth/ dpa

Der deutsche Publizist Theo Sommer ist tot. Der langjährige Chefredakteur und Herausgeber der Wochenzeitung »Die Zeit« starb am 22. August im Alter von 92 Jahren im Kreise seiner Familie in Hamburg. Das teilte die Hamburger Wochenzeitung auf ihrer Website mit .

Dort heißt es: »Die Kolleginnen und Kollegen der Verlagsgruppe sind in tiefer Trauer und verneigen sich vor einem großen Journalisten.« Er habe das Blatt mit »seinem Temperament, seiner Tatkraft, seinem klugen Urteil und seiner Fröhlichkeit als weltoffenes, liberales, debattenfreudiges Blatt maßgeblich geprägt«. Der internationale Korrespondent der »Zeit«, Matthias Naß, hat Theo Sommer einen Nachruf gewidmet: »Schreiben, was wichtig ist «.

Geboren 1930 in Konstanz, war Theo Sommer 1958 von der »Rems-Zeitung« in Schwäbisch Gmünd zur »Zeit« gewechselt, in der Folge als Politikredakteur, zuständig für Außen- und Sicherheitspolitik. Von 1973 bis 1992 war er Chefredakteur und anschließend bis 2000 gemeinsam mit Marion Gräfin Dönhoff und Helmut Schmidt Herausgeber der »Zeit«. Er galt als einer der renommiertesten Journalisten des Landes. In 64 Jahren schrieb er mehr als 1.200 Artikel für die »Zeit« und prägte das Blatt und die gesamte bundesdeutsche Publizistik.

»Es muss fundiert sein in den Fakten«

Die Funktion als Herausgeber gab Sommer im Jahr 2000 ab, war aber weiter als Publizist auch für die Wochenzeitung tätig. Außenpolitik, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik sowie Europafragen waren die Themen des einstigen Mitglieds der Weizsäcker-Kommission zur Bundeswehrreform (1969/70).

Aber auch sein Umfeld durchleuchtete der Publizist mit journalistischer Sorgfalt: Ein Werk über seine Heimat, die »Weltstadt Hamburg«, wurde 2007 veröffentlicht, drei Jahre später eines über seinen Weggefährten Schmidt. »Es muss fundiert sein in den Fakten«, machte Sommer sich zur Messlatte. Dem »Augenblicksjournalismus« wollte er auch im Alter ein Pfund entgegensetzen. Außerdem war Sommer als Moderator für politische Gesprächsrunden gefragt.

Im Jahr 2014 wurde Theo Sommer von einem Hamburger Gericht wegen Steuerhinterziehung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Er hatte zwischen 2007 und 2011 Steuern in Höhe von 649.000 Euro nicht bezahlt, die aus Einkommen aus freiberuflicher Nebentätigkeit fällig geworden wären. Der Publizist bezeichnete die Strafe damals als »schmerzlich, aber angemessen«.

Noch bis Juli 2022 schrieb Sommer für die »Zeit«. Nach Angaben der Zeitung war er vor einigen Wochen in seinem Haus im Hamburg-Volksdorf gestürzt, seitdem durchlitt er starke Schmerzen. Am 22. August starb er dann im Alter von 92 Jahren an den Folgen des Sturzes.

mgo/dpa
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