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Die Zinsen bleiben niedrig

aus DER SPIEGEL 20/1988

In den Vereinigten Staaten steigen die Zinsen, auch in der Bundesrepublik wurde das Geld wieder teurer. Dennoch sehen deutsche Banker kaum Gefahren für den Kapitalmarkt. In der Finanzmetropole Frankfurt ist ein befürchteter weiterer Anstieg der Zinsen in Deutschland kein Thema, der Bundesverband der deutschen Banken in Köln sieht »keinen Anlaß, die Zügel anzuziehen«. Die Zinsen seien heute wieder auf dem Vorjahresstand. Und das sei volkswirtschaftlich durchaus angebracht. Nach dem Börsencrash vom vorigen Oktober hatten niedrige Zinsen eine Überversorgung mit Geld verursacht, höhere Zinsen sorgten jetzt für einen Ausgleich, meinen die Experten. Kaum zu erwarten sei, daß die US-Notenbank in Washington vor den Präsidentschaftswahlen im November die Zinsen nach oben treibe und die Geldmenge knapp halte. Die amerikanischen Notenbanker hätten zuviel Angst, mit einer solchen Politik für neue Unruhe am Aktienmarkt zu sorgen. Aus all diesen Gründen sieht auch die Bundesbank in Frankfurt keinen Grund für steigende Zinsen am deutschen Kapitalmarkt. Die Bundesbank werde, glauben Insider, nicht einmal wagen, den wachsenden Unterschied zwischen den deutschen und den amerikanischen Zinsen zu verringern. Mit einer solchen Aktion würde der Dollar geschwächt - und womöglich erneut ein schwerer Zusammenbruch der Aktienmärkte provoziert.

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