Dienstleistungen Fachkräftemangel könnte Aufschwung gefährden

Dienstleister können sich derzeit vor Aufträgen kaum retten. Und sie fragen bereits, wie sie das Pensum schaffen sollen. Nach Schätzungen des DIHK könnten in diesem Jahr rund 450.000 zusätzliche Arbeitsplätze entstehen, wenn sich nur die geeigneten Leute finden würden.


Berlin - Wenn es darum geht, Ausschreibungswettbewerbe zu gewinnen, macht Thom Brenner so leicht keiner etwas vor. Der Geschäftsführer des Berliner Mobilfunksoftware-Anbieters bit-side nimmt es regelmäßig und gerne mit internationaler Konkurrenz auf. "Was die Kosten angeht, liegen Wettbewerber aus Bangalore natürlich vor uns, doch dafür bringen wir andere Qualitäten mit", sagt Brenner. "Genauigkeit und Zuverlässigkeit spielen in unserem Geschäft eine große Rolle, die oft den Ausschlag gibt".

Der Internet-Dienstleister Pixelpark: Stimmung so gut wie seit 2000 nicht mehr
DPA

Der Internet-Dienstleister Pixelpark: Stimmung so gut wie seit 2000 nicht mehr

Was das Wachstum seiner Firma in der Zukunft angeht, ist Brenner denn auch nicht bange. Es wäre sogar noch viel mehr drin, wenn er nur genügend Leute hätte. 25 Mitarbeiter beschäftigt bit-side derzeit - Arbeit haben Brenner und sein Geschäftspartner Henrik Battke für 35. "Es ist schon ein bisschen schizophren - an die hochkarätigsten Aufträge kommen wir leichter ran als an die geeigneten Leute", sagt Brenner.

Dass ein Unternehmen seine Personalstärke gleich um 40 Prozent aufstocken will, ist selbst in der IT-Branche nicht alltäglich, die Personalnot dagegen schon. Und vieles spricht dafür, dass sich die Situation in den nächsten Monaten noch weiter verschärft. Denn die Konjunktur sorgt inzwischen für volle Auftragsbücher. Speziell im Bereich IT ist die Stimmung einer Umfrage des DIHT zufolge so gut die seit dem Boomjahr 2000 nicht mehr. Mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen wollen Mitarbeiter einstellen, sieben Prozent mehr als im Jahr zuvor. Nach Auswertung der rund 10.000 Fragebögen rechnet der DIHK allein in diesem Jahr mit 450.000 zusätzlichen Arbeitsplätzen in der Dienstleistungsbranche.

Gesamte Dienstleistungsbranche unter Dampf

Aber nicht allein im IT-Sektor ist der Aufschwung spürbar. die gesamte Dienstleistungsbranche steht unter Dampf. "Die Geschäftslage ist so gut wie seit 15 Jahren nicht mehr", bestätigte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben gegenüber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Ursache hierfür sei auf der einen Seite das Export-Wachstum, von dem insbesondere die unternehmensbezogenen Dienstleister profitierten.

Zunehmend jedoch sei auch eine Belebung der Inlandsnachfrage festzustellen, die beispielsweise bei Leasinggesellschaften, privaten Bildungsanbieter, Kinos oder Sportstudios ankomme. Auf Basis der guten Nachfrage habe sich der der Dienstleistungssektor zur regelrechten Jobmaschine entwickelt, ergänzte Wansleben.

Die mit Abstand ambitioniertesten Beschäftigungspläne weist die Zeitarbeitsbranche auf. sie können sich auf gute Nachfrage von den Unternehmen verlassen, die der Nachhaltigkeit des Booms noch nicht so recht trauen und deshalb Neueinstellungen noch aufschieben. Außerdem haben viele Zeitarbeitskunden inzwischen die Tatsache schätzen gelernt, Arbeitskräfte zunächst als Leiharbeiter auszuprobieren, bevor sie ihnen einen festen Arbeitsplatz anbieten. Im Vergleich zur Umfrage im Vorjahr geben deshalb 58 Prozent der befragten Leiharbeitsfirmen an, neue Leute einstellen zu wollen.

Einreisehürden verringern

Auch was Investitionen betrifft, sind die Pläne der Dienstleister so offensiv wie seit 15 Jahren nicht mehr. Im Frühjahr 2007 plant den Angaben zufolge ein Viertel der befragten Firmen höhere Investitionen. Gründe dafür seien höhere Gewinnerwartungen, eine verbesserte Absatzperspektive und eine erwartete Entlastung von Lohnnebenkosten. Zu den kräftigen Exportimpulsen geselle sich zudem eine deutlich gestiegene binnenwirtschaftliche Nachfrage.

Sorgen bereitet dem DIHK der Fachkräftemangel. Um das Problem in den Griff zu bekommen, müssten ausländische Fachkräfte einfacheren Zugang zum deutschen Arbeitsmarkt erhalten. Vor allem Erleichterungen für ausländische Absolventen einer deutschen Hochschule seien längst überfällig, heißt es in einer Stellungnahme. "Ausländer, die hier zu Lande im Anschluss an ihr Studium einen Job mit einem jährlichen Mindestgehalt von 40.000 Euro finden, sollten daher in Deutschland bleiben können". Nach dem Gesetz bekommen Hochqualifizierte derzeit ein Daueraufenthaltsrecht, wenn sie einen Gehaltsnachweis von 85.500 Euro Jahreseinkommen vorlegen.

Ohnehin betont der DIHK, dass die Personalprobleme in allererster Linie die Hochqualifizierten betreffen. "Trotz der guten Konjunktur ist es für Geringqualifizierte nach wie vor schwer, einen Arbeitsplatz zu finden", erklärt Verbandssprecherin Ute Brüssel. Angesichts der immer kleiner werdenden Schülerzahlen gelte es umso mehr, die Zahl der Schulabbrecher zu minimieren. "Der Zuwachs an Ausbildungsverträgen für dieses Jahr zeigt, dass die Industrie sich des Problems bewusst ist."

mik



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Seite 1
Perleberger, 10.04.2007
1.
Zitat von sysopDie Dienstleister suchen Hände ringend neue Leute. Und allein 450.000 Ingenieure könnten in diesem Jahr einen Job finden. Würgt der Arbeitskräfteengpass den Aufschwung ab?
Das ist in gut 15 Jahren die 200te Meldung über das Jobwunder Dienstleistungssektor, diesmal nur noch verfeinert um die Schmonzette "Fachkräftemangel". Im übrigen war von 450.000 Arbeitsstellen (NICHT Ingeniören) die Rede. Sehr viel heiße Luft um einen nicht vorhandenen Aufschwung. Bei 6,5 Millionen Arbeitslosen von "Arbeitskräfteengpass" und "Aufschwung abwürgen" zu schreiben, ist grandios, weil das "Scheitern" der Dienstleistungsbranche und das dadurch bedingte "Abwürgen" des gar nicht real vorhandenen Aufschwungs -- den Arbeitslosen implizit in die Schuhe geschoben wird, vorbeugend. Da gibt es nämlich nicht genügend Fachkräfte drunter, unter den Millionen Arbeitslosen, und Fortbilden, Qualifizieren oder mobil umziehen zu den Arbeitsplätzen das machen sie auch nicht. Nächster thread: Hartz IV kürzen ist vorprogrammiert. Glaubt SPON eigentlich wirklich, was da geschrieben wird?
bielang, 10.04.2007
2. Ingenieurnotstand und Ärztemangel
Zitat von sysopDie Dienstleister suchen Hände ringend neue Leute. Und allein 450.000 Ingenieure könnten in diesem Jahr einen Job finden. Würgt der Arbeitskräfteengpass den Aufschwung ab?
Die sollen mal suchen bis sie schwarz werden. Noch vor ein paar Jahren haben sie tausende von Ingenieuren im Alter von 55 - 60 Jahren auf die Strassse gesetzt. Übrigens, der "Aufschwung" ist durch ganz andere Dinge gefährdet. Angeblich gibt es auch einen Ärztemangel in Deutschland. Das ist genauso erstunken und erlogen.
inci 10.04.2007
3.
Zitat von sysopDie Dienstleister suchen Hände ringend neue Leute. Und allein 450.000 Ingenieure könnten in diesem Jahr einen Job finden. Würgt der Arbeitskräfteengpass den Aufschwung ab?
es titelten auch schon mehrere boulevard- und andere blätter nach dem motto: brauchen wir wieder mehr gastarbeiter? wohlgemerkt mit dem dezenten hinweis für gut bezahltes fachpersonal. wieviel verarsche geht noch in deutschland? zu tausenden sitzen fachkräfte zu hause rum, zielgerichtet vom arbeiten abgehalten durch eine unheilige allianz aus forderungen der wirtschaft und nacheilender umgesetzter gesetze durch die politik. und jetzt sollen gut bezahlte qualifizierte fachkräfte aus dem ausland deutschland beim "dauerhaften erhalt der konkunktur" helfen?
reinkro, 10.04.2007
4.
Zitat von sysopDie Dienstleister suchen Hände ringend neue Leute. Und allein 450.000 Ingenieure könnten in diesem Jahr einen Job finden. Würgt der Arbeitskräfteengpass den Aufschwung ab?
Ja, ja Fachkräftemangel. überall nur Fachkräftemangel. Selbst die Bauern klagen ja schon darüber. Sollen sie mal jammern, aber bei den Löhnen auch nur auf Geiz ist Geil zu setzen klappt nun mal nicht. So doof sind die ausländischen Fachkräfte nun doch nicht. Hat man ja jüngst bei den polnischen Erntehelfern gesehen, die wollen auch nicht mehr in D arbeiten. Aber deutsche arbeitslose Fachkräfte die will man zum Verrecken nicht haben. Das würde ja das würde ja nicht ins Konzept der weiteren Lohndrückerei passen. Jetzt soll die Politik wieder herhalten, damit die hohen Hürden zwecks Einreise von ausländischen Fachkräften abgesenkt werden. Nur bleibt die Frage, ob diese Fachkräfte wirklich bereit sind für wenig Geld dann hier zu arbeiten. Denn eins ist ja wohl klar, sie sollen hoch qualifiziert, arbeitssam, jedoch möglichst billig sein. Das Motto lautet ja "Geiz ist Geil" und das auch bitte bei den Löhnen.
reinkro, 10.04.2007
5.
Zitat von reinkroJa, ja Fachkräftemangel. überall nur Fachkräftemangel. Selbst die Bauern klagen ja schon darüber. Sollen sie mal jammern, aber bei den Löhnen auch nur auf Geiz ist Geil zu setzen klappt nun mal nicht. So doof sind die ausländischen Fachkräfte nun doch nicht. Hat man ja jüngst bei den polnischen Erntehelfern gesehen, die wollen auch nicht mehr in D arbeiten. Aber deutsche arbeitslose Fachkräfte die will man zum Verrecken nicht haben. Das würde ja das würde ja nicht ins Konzept der weiteren Lohndrückerei passen. Jetzt soll die Politik wieder herhalten, damit die hohen Hürden zwecks Einreise von ausländischen Fachkräften abgesenkt werden. Nur bleibt die Frage, ob diese Fachkräfte wirklich bereit sind für wenig Geld dann hier zu arbeiten. Denn eins ist ja wohl klar, sie sollen hoch qualifiziert, arbeitssam, jedoch möglichst billig sein. Das Motto lautet ja "Geiz ist Geil" und das auch bitte bei den Löhnen.
Das zeigt nun ganz offen, wie krank dieses System mitlerweile ist.
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