Rekordhoch beim Dieselpreis Mittelstand warnt vor drastischen Folgen

Noch nie war Diesel in Deutschland teurer. Der Mittelstand beklagt die »Preisexplosion«: Sie stelle eine massive Belastung der Wirtschaft dar – und gefährde Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand.
Autofahrer an einer Tankstelle in Berlin

Autofahrer an einer Tankstelle in Berlin

Foto: Carsten Koall / dpa

Der Dieselpreis an deutschen Tankstellen ist am Sonntag auf ein Allzeithoch gestiegen: Autofahrerinnen und Autofahrer mussten nach Angaben des ADAC im bundesweiten Durchschnitt 1,555 Euro pro Liter zahlen – und damit mehr als je zuvor. Auch Benzin nähert sich dem Höchststand.

Nun fordert der Mittelstand umgehende Entlastung für Wirtschaft und Verbraucher. »Aus Sicht des Mittelstands sollte die Mineralölsteuer temporär gesenkt und die Pendlerpauschale spürbar erhöht werden«, sagte der Chefvolkswirt des Bundesverbands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Hans-Jürgen Völz, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.

»Die Preisexplosion bei Treibstoffen stellt eine massive Belastung der Wirtschaft dar, die Arbeitsplätze, Wachstum und Wohlstand gefährdet«, sagte Völz. »So droht die Coronakrise zum Jahresende nahtlos von einer veritablen Wirtschaftskrise abgelöst zu werden, während sich um uns herum andere Staaten Europas wirtschaftlich erholen.«

Völz sorgt sich auch, dass Gewerkschaften höhere Tarifabschlüsse durchsetzen könnten. »Schon jetzt ist erkennbar, dass zeitverzögert an die Verbraucher weitergegebene Mehrkosten für Transport, Heizen und Material zu höheren Lohnforderungen führen werden«, sagte er. »Die Lohn-Preis-Spirale jedenfalls ist schon in Gang gesetzt.« Währungshüter sprechen in diesem Zusammenhang von einem »Zweitrundeneffekt«: Wenn steigende Inflation zu höheren Tarifabschlüssen und damit Lohnkosten führt, kann dies wiederum die Teuerung anheizen.

Für die Entwicklung der Kraftstoffpreise sind der Rohölpreis und der Wechselkurs von Dollar und Euro ausschlaggebend. Der Rohölpreis ist derzeit zwar niedriger als 2012, der Dollar ist jedoch deutlich stärker als vor neun Jahren. Das verteuert Ölimporte nach Europa.

Eine Rolle spielt außerdem die zu Jahresbeginn eingeführte CO₂-Abgabe, die sich nach ADAC-Angaben in diesem Jahr beim Tanken mit rund sieben bis acht Cent pro Liter auswirkt. Beim Diesel sorgt zusätzlich die im Herbst steigende Nachfrage nach Heizöl für eine Verteuerung an den Zapfsäulen. Mehr dazu, wer tatsächlich an den Höchstpreisen für Diesel und Benzin verdient, erfahren Sie hier .

aar/dpa/AFP
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