Dieselskandal Sechs weitere Volkswagen-Mitarbeiter angeklagt

Die Staatsanwaltschaft Braunschweig weitet ihre Klage im Dieselskandal aus. Nun geht sie gegen drei Volkswagen-Manager vor - sowie gegen drei Mitarbeiter, die die Betrugssoftware verbessert haben sollen.
Ordner mit Dieselgate-Akten: Die aktuelle Anklageschrift umfasst 876 Seiten

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Foto: RONNY HARTMANN/ AFP

Wer war für den Dieselskandal bei Volkswagen verantwortlich? Dieser Frage gehen Strafverfolger seit Jahren nach, der Betrug wurde 2015 öffentlich, gegen einige Manager des Konzerns laufen bereits Klagen.

Nun hat die Staatsanwaltschaft Braunschweig gegen sechs weitere Mitarbeiter von Volkswagen Anklage erhoben. Den Beschuldigten werden Betrug in einem besonders schweren Fall, mittelbare Falschbeurkundung und Steuerhinterziehung zur Last gelegt. Diese Vergehen sollen sie zwischen November 2006 und September 2015 begangen haben.

Erweisen sich die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft als richtig, dann wären die sechs Personen maßgeblich dafür verantwortlich, dass Dieselmodelle von Volkswagen dank einer Motorsoftware den Behörden und Kunden schadstoffärmer erschienen, als sie tatsächlich waren. Insgesamt seien so "über die Jahre gut neun Millionen manipulierter und nicht zulassungsfähiger Kraftfahrzeuge veräußert, auf den Markt gebracht und verbotswidrig zum Straßenverkehr zugelassen worden", so die Ermittler.

Drei der nun neu Beschuldigten, deren Identität in der Mitteilung der Staatsanwaltschaft nicht preisgegeben wird, sind Führungskräfte. Ihnen wird Täterschaft vorgeworfen, den anderen dreien Beihilfe: Sie seien "insbesondere wissentlich und willentlich an der Entwicklung, Verfeinerung und Verbesserung der Manipulations-Software beteiligt gewesen."

Der nächste Schritt der Justiz ist die gerichtliche Prüfung, ob die Anklage zur Hauptverhandlung zugelassen wird. Insgesamt sind damit in dem Fall nun elf Personen angeklagt, darunter auch der frühere Konzernchef Martin Winterkorn, der im April wegen schweren Betrugs angeklagt wurde.

Gegen 32 weitere wird in Braunschweig noch ermittelt. Daneben treibt auch die Staatsanwaltschaft München Klagen gegen Manager bei der Volkswagen-Tochter Audi voran.

Der Konzern äußerte sich nicht zu den Anklagen gegen die einzelnen Beschäftigten. Ein Sprecher betonte, die strafrechtlichen Untersuchungen gegen das Unternehmen seien nach dem beglichenen Bußgeld 2018 eingestellt worden. Damit sollten Aufsichtspflichtverletzungen und die Abschöpfung wirtschaftlicher Vorteile im Zusammenhang mit fehlerhaften Emissionsangaben geahndet werden. VW musste rund eine Milliarde Euro zahlen.

mamk/dpa
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