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Dieselskandal Einsitzen, bitte

In den USA droht Topmanagern von VW das Gefängnis. Seit der Anklage gegen Ex-Konzernchef Martin Winterkorn müssen die einst so mächtigen Manager auch die deutsche Justiz fürchten.
aus DER SPIEGEL 17/2019
Martin Winterkorn (2017)

Martin Winterkorn (2017)

Foto: AFP or licensors

Von Frank Dohmen, Simon Hage, Dietmar Hawranek, Martin Hesse, Gerald Traufetter

Vor ein paar Monaten wurde Oliver Schmidt befördert. Er durfte vom 120-Betten-Schlafsaal in eine Zweimannzelle umziehen. So etwas bedeutet heute Komfort für den Mann, der vor ein paar Jahren noch ein angesehener VW-Manager war. Auch Luxus definiert sich neu. Wenn Schmidt sich etwas Gutes tun will, kauft er im Gefängnisladen Burritos und Nacho-Soßen und bereitet sie gemeinsam mit Mithäftlingen zu. Mit Bananenpudding oder Cheesecake als Nachtisch. Das ist eine selten schöne Abwechslung zum zerkochten Gemüse aus der Kantine.

Früher verdiente Schmidt mehr als 10.000 Euro Grundgehalt im Monat und besaß ein Haus in Florida. Es ging ihm gut. Er war bei VW ein wichtiger Manager, verantwortete den Kontakt zu den Behörden in einem der größten Auslandsmärkte, den USA. Ein Job, der ihm zum Verhängnis wurde. Die US-Justiz verurteilte ihn dafür, die Umweltbehörden im Dieselskandal wider besseres Wissen belogen zu haben.

Schmidt sitzt in der US-Haftanstalt Milan in Michigan ein, zusammen mit Drogendealern und Kinderschändern. Er arbeitet in der gefängniseigenen Möbelfabrik, richtet Maschinen ein, schult Mithäftlinge an Werkzeug. Sein aktueller Lohn: 69 US-Cent pro Stunde. Mit einer Freilassung kann er 2023 rechnen.

Der Ingenieur hat alles verloren: seinen Job, sein Haus, seine Freiheit, seine Reputation. Seine Frau, immerhin ein Trost, besucht ihn regelmäßig.

Schmidt ist – mit seinem US-Kollegen James Liang – einer der ersten Manager, die im Dieselskandal zu einer Freiheitsstrafe verurteilt wurden. Er fiel tief. Und sein Fall könnte nur der Beginn einer ganzen Reihe von Abstürzen sein. Vorstände, Vorstandsvorsitzende, Topmanager mit Millionengehältern, denen die Welt und ihre Belegschaften bis vor Kurzem noch zu Füßen lagen – ihnen drohen Anklagen, lange Haftstrafen, Schadensersatzforderungen in Milliardenhöhe.

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