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Digitale Medizin Ärzte zögern bei »Apps auf Rezept«

Seit Dezember 2019 dürfen bestimmte Medizin-Apps auf Kassenkosten verschrieben werden. Doch davon wird wenig Gebrauch gemacht.
aus DER SPIEGEL 30/2021

Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeuten sind bei der Verordnung von Digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) noch zurückhaltend. Seit Dezember 2019 dürfen sie »Apps auf Rezept« für gesetzlich Versicherte verschreiben, beispielsweise zur Therapie von Schlafstörungen oder Übergewicht.

Ausgestellt wurden seither nur 17 000 Rezepte. Weitere 3000 Apps wurden von Patienten selbst erworben und von den Kassen genehmigt. Bei den Zahlen handelt es sich um eine Hochrechnung des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenkassen.

Am häufigsten verordnet wurde die App Vivira, die Trainingsanleitungen etwa bei Hüftschmerzen bietet. Es folgen die Apps Kalmeda (Tinnitus-Behandlung), Zanadio (Behandlung von Übergewicht) und Somnio (Therapie von Schlafstörungen).

Der GKV-Spitzenverband kritisiert, dass die Erstattungspreise mit 200 bis 500 Euro je App hoch seien. Bevor die Angebote erstattungsfähig geworden seien, hätten diese in den App-Stores im Schnitt gerade mal um die fünf Euro gekostet. Manche Ärzte sind zudem skeptisch, ob alle auf dem Markt befindlichen Apps den Patienten großen Nutzen bringen.

Um eine App als rezeptfähig ausweisen zu können, müssen die Hersteller einen Antrag beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte  stellen. Die Behörde prüft dann innerhalb von drei Monaten die vorliegenden wissenschaftlichen Nachweise für den medizinischen Nutzen.

Die erste Welle der Gesundheits-Apps bestand aus Tracking-Armbändern und ähnlichen Accessoires, die zu Recht als bessere Schrittzähler belächelt wurden. Doch die zweite Welle entwickelt sich seit Jahren zu einer ernst zu nehmenden Sparte der Medizintechnik; Investoren sprechen darum gern von »Serious Health«.

mum
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