Disneyland in China Micky und der böse Wolf

Im Juni eröffnet das erste Disneyland auf dem chinesischen Festland. Dort wartet schon ein einheimischer, milliardenschwerer Rivale - der Micky Maus den Kampf ansagt.

DPA

Von , Peking


Vor fast 40 Jahren begann Chinas wirtschaftliche Öffnung, 40 Jahre lang haben die Chinesen geschuftet und sich fast jeden Wunsch versagt, um den "bescheidenen Wohlstand" anzusparen, den ihnen die Kommunistische Partei versprach.

Allmählich aber reicht es dem Milliardenvolk mit der Maloche. Den Chinesen steht der Sinn danach, sich was zu gönnen, Urlaub zu machen, sich zu amüsieren, etwas mit ihrer Freizeit anzufangen.

Amerikas große Dienstleister haben früh geahnt, dass mit Chinas wachsender Mittelschicht viel Geld zu verdienen ist. McDonald's und Starbucks betreiben Tausende Filialen im Reich der Mitte und eröffnen jede Woche zwei, drei weitere, für Apple ist der chinesische Markt inzwischen der größte auf der Welt.

Nun folgt ihnen ein weiterer US-Konzern: Am 16. Juni eröffnet der Unterhaltungsriese Disney seinen ersten Freizeitpark auf dem chinesischen Festland. Das Disneyland in Shanghai ist ein Projekt der Superlative. Mehr als fünf Milliarden Dollar hat das Unternehmen aus Kalifornien investiert, gut zehn Millionen Besucher sollen bis 2020 jedes Jahr kommen. Der chinesische Staat, der sein Geschäftsmodell von Export und Schwerindustrie auf Konsum und Dienstleistung umstellen will, findet das gut. Die Stadt Shanghai hat der U-Bahn-Linie 11 eine eigene Disney-Station spendiert, die staatliche Airline China Eastern hat einen Flieger mit Micky und Minnie Maus dekoriert. Was kann schon schiefgehen?

"Wir wollen sicherstellen, dass Disney in den nächsten zehn, zwanzig Jahren in China keine Profite macht", sagt der Milliardär Wang Jianlin. Der frühere Offizier der Volksbefreiungsarmee betreibt die größte chinesische Immobilienfirma Wanda Dalian und drängt selbst in die Unterhaltungsbranche. 2012 kaufte er den US-Kinobetreiber AMC, 2015 den europäischen Sportrechtehändler Infront, Anfang 2016 das Hollywoodstudio Legendary Entertainment, alles Milliardenübernahmen. Außerdem besitzt er Anteile an mehreren Sportklubs, darunter am spanischen Bayern-Bezwinger Atletico Madrid. Wang Jianlin, schreibt der "Economist", ist ein Mann von "napoleonischem Ehrgeiz".

"Disneyland ist völlig auf amerikanischer Kultur aufgebaut"

Und er ist ein glühender Patriot, fest entschlossen, den Amerikanern ihre Chinaträume zu verhageln. Am Samstag, genau drei Wochen vor der großen Disney-Sause, ließ er in der Millionenstadt Nanchang selbst einen riesigen Freizeitpark eröffnen, die erste von "15 bis 20 solcher Anlagen", wie Wangs Sprecher in Peking angekündigt hatte: "Das haben wir gut hingekriegt, was?"

Wang selbst belässt es nicht bei solchen Frotzeleien, er geht Disney frontal an. "Disneyland ist völlig auf amerikanischer Kultur aufgebaut", sagte er Anfang der Woche im chinesischen Staatsfernsehen. "Wir legen Wert auf unsere eigene Kultur." In China liefen die Leute nicht "blind hinter Micky Maus und Donald Duck her". China habe seine eigenen Comic-Helden, den "Hui Tai Lang" zum Beispiel, den großen, großen Wolf. "Ein Tiger", sagte Wang Jianlin und meinte Disney damit, "ist gar keine Herausforderung für ein Rudel Wölfe." Er sei sicher, dass Wanda die Amerikaner besiegen werde. "Sie wären besser erst gar nicht nach China gekommen."

Disney, von einem US-Wirtschaftsdienst um eine Reaktion gebeten, gab sich gelassen: Wangs Bemerkungen seien "keine Antwort wert".

Muss Disney fürchten, in China unterzugehen?

Die Kampfansage des schillernden Herrn Wang ist aber mehr als eine Randnotiz. Sie appelliert an das wachsende Selbstbewusstsein der Chinesen und passt politisch in die zunehmend nationalistische, ja chauvinistische Stimmung im Land. Wirtschaftlich beansprucht Wang, dessen Firma sich an Vermögen und Umsatz durchaus mit Disney messen kann, die Marktführerschaft in Chinas Tourismussektor, der im vergangenen Jahr bereits mehr als 600 Milliarden Dollar umsetzte. Die Regierung geht davon aus, dass sich diese Summe in den nächsten vier Jahren verdoppeln könnte.

Muss Disney fürchten, in China unterzugehen? Als der Park in Shanghai vor ein paar Wochen einen ersten Probelauf startete, drückten die Menschen fast die Türen ein. Und schon jetzt ist Disneyland Shanghai auf Wochen ausverkauft - obwohl die Eintrittsgebühren, am Durchschnittgehalt der Bevölkerung gemessen, deutlich höher sind als anderswo.

Die Chinesen mögen nun einmal amerikanisches Entertainment. Da geht es ihnen wie Herrn Wang. Als der vor drei Jahren in der Küstenstadt Qingdao den Grundstein zu Chinas größtem Filmstudio legte, ließ er als Stargäste Nicole Kidman und Leonardo di Caprio einfliegen. Es könnte noch ein Weilchen dauern, bis es der große, große Wolf mit Micky Maus aufnehmen kann.

insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
fettfleck 30.05.2016
1. Joint Venture
Bei Disneyland Shanghai und Disneyland Hong Kong handelt es sich um amerikanisch-chinesische Joint Ventures, das heißt, mindestens 50% liegen in chinesischer Hand. Der nächste Schritt besteht darin, das Erfolgsrezept der amerikanischen Unterhaltungsindustrie zu verstehen, um es später zu übernehmen und an die chinesische Kultur anzupassen. Endziel ist natürlich eine eigene Unterhaltungsindustrie von Weltrang mit chinesischem Antlitz. Der Weg hierzu ist eingeschlagen, siehe auch die Übernahme von AMC, Legendary Entertainment oder auch die Gründung des Joint Ventures Oriental Dreamworks in Shanghai. Der Chinese schläft nicht...
ulfD 30.05.2016
2.
Ich bin immer wieder schwer beeindruckt wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird! Ein Herr Wang z.B. wäre er deutscher und würde sowas äußern dann würden die Medien lange Haftstrafen oder mindestens die totale gesellschaftliche Demontage für solche rechte entgleisungen fordern aber da es ein chinese ist wird das ziemlich ungefiltert raus gelassen. Leute wenn ihr schon das Volk auf Gleichschritt und ideologische Linientreue trimmen wollt dann bitte richtig oder legt der schreiber solcher Artikel seine Arbeit nicht dem politischen Kommisar vor?
willibaldus 30.05.2016
3. Sie haben aber ein merkwürdiges Bild
Zitat von ulfDIch bin immer wieder schwer beeindruckt wie hier mit zweierlei Maß gemessen wird! Ein Herr Wang z.B. wäre er deutscher und würde sowas äußern dann würden die Medien lange Haftstrafen oder mindestens die totale gesellschaftliche Demontage für solche rechte entgleisungen fordern aber da es ein chinese ist wird das ziemlich ungefiltert raus gelassen. Leute wenn ihr schon das Volk auf Gleichschritt und ideologische Linientreue trimmen wollt dann bitte richtig oder legt der schreiber solcher Artikel seine Arbeit nicht dem politischen Kommisar vor?
von meinem Land. In Deutschland kann das gerne jemand versuchen, dann muss er aber sein eigenes Geld mitbringen, weil er von den Banken wenig bekommen wird. Ein so nationales, chauvinistisches Projekt hat wenig Erfolgsaussichten bei uns. Mit reinen bayrischen, Karnevalsthemen, Schützenfestecken oder Gebrüder Grimm, bekommen Sie einfach nicht genug Kundschaft. Da muss schon ein exotischer Mix her, zB aus Kino, China, Russland oder USA zusammen mit den obengenannten Themen. Schauen Sie sich mal in den deutschen Freizeitparks um. Ein Disneyland hat es sogar in einer Metropole wie Paris schwer.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2016
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.