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Döding gegen Steinkühler

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aus DER SPIEGEL 11/1984

Verbissen kämpfen nach wie vor die Gewerkschaften gegeneinander, wenn es um die Verkürzung der Arbeitszeit geht. Da erklärte vorigen Montag der stellvertretende IG-Metall-Vorsitzende Franz Steinkühler in einem SPIEGEL-Interview, die Gewerkschaft könne auch über flexible Arbeitszeiten verhandeln: »Überstunden, Kurzarbeit, gleitende Arbeitszeiten, auch Samstagarbeit - das alles waren und sind keine Tabus.« Tags darauf meldete sich Günter Döding, Chef der Gewerkschaft Nahrung-Genuß-Gaststätten, zu Wort und wetterte gegen jedwede »Verlängerung der Betriebszeiten«, auch gegen den Samstag als Arbeitstag. Gesundheit und Familie würden auf dem »Altar des betriebswirtschaftlichen Kosten-Nutzen-Denkens geopfert«. Hintergrund: Im Gegensatz zur IG Metall, die eine Verkürzung der Wochenarbeitszeit fordert, verlangt die Nahrungs-Gewerkschaft eine frühere Rente. Döding, der sich gern als Erfinder dieser sogenannten Vorruhestandsregelung feiern läßt, möchte offenbar mit allen Mitteln einen Kompromiß in der Metall-Tarifrunde hintertreiben. Anders jedenfalls ist nicht zu erklären, warum er die Basis der IG Metall just gegen Arbeitszeitmodelle aufzubringen versucht, die am Ende Teil einer Vereinbarung zwischen den Tarifpartnern sein könnten.

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