Dokumentation Wie Breuer Kirch in Schwierigkeiten brachte

Für Leo Kirch war schnell klar: Mit einem Interview hatte Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer den Niedergang seines Medienimperiums beschleunigt. Denn darin zweifelte Breuer an der Kreditwürdigkeit Kirchs.

Karlsruhe - Breuer gab das etwa fünfminütige Interview am 3. Februar 2002 während des Weltwirtschaftsforums in New York. Es wurde aufgezeichnet und am 4. Februar 2002 in Deutschland ausgestrahlt und als Textnachricht verbreitet. Hier das Interview im Wortlaut:

Bloomberg TV: Ein großes Thema derzeit in Deutschland ist der Kirch-Konzern und die Probleme mit der Verschuldung. Es gibt einen Zeitungsbericht in der Financial Times, dass Sie mit dem Bundeskanzler gesprochen hätten über Kirch. Stimmt das?

Breuer: Das kann ich nicht kommentieren, der Bundeskanzler muss sagen, ob er mit mir gesprochen hat oder nicht.

Bloomberg TV: Fragen wir mal anders: Kirch hat sehr, sehr viele Schulden, sehr hohe Schulden. Wie exponiert ist die Deutsche Bank?

Breuer: Relativ komfortabel würde ich mal sagen, denn - das ist bekannt und da begehe ich keine Indiskretion wenn ich das erzähle - der Kredit, den wir haben, ist erstens zahlenmäßig nicht einer der größten, sondern relativ im mittleren Bereich, und zweitens voll abgesichert durch ein Pfandrecht auf Kirchs Aktien am Springer Verlag. Uns kann also eigentlich nichts passieren, wir fühlen uns gut abgesichert. Es ist nie schön, wenn ein Schuldner in Schwierigkeiten kommt und ich hoffe, das ist nicht der Fall. Aber wenn das so käme, bräuchten wir keine Sorgen zu haben.

Bloomberg TV: Die Frage ist ja, ob man ihm mehr hilft, weiter zu machen.

Breuer: Das halte ich für relativ fraglich. Was man darüber lesen und hören kann, ist ja, dass der Finanzsektor nicht bereit ist, auf unveränderter Basis noch weitere Fremd- oder gar Eigenmittel zur Verfügung zu stellen. Es können also nur Dritte sein, die sich gegebenenfalls für eine - wie Sie gesagt haben - Stützung interessieren.

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