Dollar Schwarze Zeiten für den Greenback
Hamburg - Bei 1,40 wird es ernst. So oder so ähnlich klingt die Meinung der meisten Volkswirte und Analysten, befragt man sie nach der Entwicklung des Dollars im Vergleich zum Euro. Von ungefähr kommt das nicht. Immerhin ist der Dollar aktuell so schwach wie schon seit drei Jahren nicht mehr, ein Euro kostet kostet inzwischen 1,32 Dollar. Unwahrscheinlich ist es daher nicht, dass der Kurs Richtung 1,40 geht.
Die Amerikaner selbst haben kein Interesse daran, den Kurs ihrer Hauswährung zu stützen. Sie können sich so über gute Exportchancen freuen. Zum Ärger der Europäer - der starke Euro macht Exporte in die USA schwieriger. Denn die Amerikaner müssen proportional mehr Geld für Produkte aus der alten Welt ausgeben als für jene made in America. Chancen auf ein deutliches Eingreifen der US-Administration gibt es also nicht. Mit einer Ausnahme.
"Wenn das Tempo des Dollarverfalls aber zu abrupt wird und mit negativen Effekten auf die Realwirtschaft zu rechnen ist, etwa aufgrund steigender Langfristzinsen, weil internationale Investoren eine höhere Risikoprämie verlangen, könnte dies der Fall sein", erklärt Carsten Fritsch, Währungsexperte der Commerzbank. Bis dahin werden Europäer aber weiter über den schwierigen US-Markt schimpfen.
Das gleiche gilt übrigens auch für die Geldanlage. So manch US-Aktienfonds fährt seinen Anlegern hohe Gewinne ein - doch eben nur in Dollar gerechnet. Rechnet man die Währungsschwankungen heraus, bleibt in Euro aktuell nicht viel übrig. Kein Wunder also, wenn deutsche Unternehmen wie Porsche aktives Währungsmanagement betreiben.
Zu 100 Prozent sichert das schwäbische Unternehmen seine Währungsrisiken ab, keine Selbstverständlichkeit. Konkurrenten machen das nicht immer so, ist man bei Porsche ein wenig stolz. Immerhin auf drei Jahre hinaus hat sich das Unternehmen zum Beispiel gegen Dollarschwächen abgesichert. Eine Menge Zeit, die der Dollar aber vielleicht auch braucht.
Doch nicht alle Unternehmen widmen sich dem Währungsmanagement so intensiv, sagt Andreas König, der bei Pioneer Investements das Währungsmanagement verantwortet und einen Währungsfonds verwaltet: "Da machen einige noch zu wenig. Allerdings ist das auch verständlich. Das Euro-Dollar-Verhältnis hielt sich lange in einer engen Spanne - und die, die gehedgt hatten, zahlten bisher drauf. Denn der Hedge ist ja nicht kostenlos. Entsprechend hatten jene Unternehmen lange Recht, die wenig abgesichert haben. Doch hat sich das geändert. Wenn die Euro-US-Dollar-Bewegung weitergeht, wird manch einer noch auf den fahrenden Zug aufspringen müssen."
Asiatische Nonchalance
Immerhin, die Einstellung scheint sich tatsächlich zu wandeln. Während 2004 das Thema Währungen die Menschen nur abstrakt zu interessieren schien, ist es nun bei den Fondsgesellschaften angekommen, beobachtet Eugen Keller, Währungsexperte von Metzler. "Die Fondsgesellschaften beginnen nach entsprechenden Fachleuten zu suchen und spezialisierte Produkte aufzulegen."
Die Gründe für das Siechtum des Dollars sind schnell ausgemacht: Vor allem die Zinsen sorgen für die Schieflage. "Es gibt Anzeichen einer Wachstumsverlangsamung in den USA, was zu Fed-Zinssenkungserwartungen geführt hat, wohingegen die Europäische Zentralbank aufgrund der robusten Konjunktur die Zinsen noch einmal anheben dürfte", sagt Fritsch.
Dazu kommt, dass auch der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank, Alan Greenspan, dem Dollar eine Schwächeperiode vorhersagte, wenn nicht das US-Leistungsbilanzdefizit reduziert werde.
Kein Wunder also, wenn der Greenback gegenüber dem Euro an Boden verliert. So ganz typisch ist das allerdings nicht für die Entwicklung von Währungen zueinander. Unter Aktienprofis gilt es als ausgemacht, dass sich langfristig Währungsgewinne und -verluste gegenseitig aufheben. Nur ab und zu kommt es zu starken Ausschlägen wie auch 2001 und 2002, als der Dollar sehr stark wurde und kaum mehr als 90 US-Cent nötig waren, um einen Euro zu kaufen.
Den aufstrebenden asiatischen Wirtschaftsnationen ist der schwache Dollar egal. Sie verfolgen "in erster Linie nationale Interessen und dies heißt die relative Wettbewerbsfähigkeit ihrer Exportwirtschaften untereinander. Sie könnten daher einen schwächeren Dollar akzeptieren, solange alle asiatischen Währungen gleichmäßig aufwerten und nicht nur einige", so Fritsch. Auch viele ölproduzierende Länder wenden sich inzwischen - wenn auch nur behutsam - vom US-Dollar ab.
Was nun also? "Für 2007 sehen wir keinen Dollar-Crash, denn durch rückläufige US-Importe und eine möglicherweise geringere Ölrechnung wird die USA ihre Leistungsbilanz verbessern können", rechnet Keller von Metzler vor. "Allerdings wird sich das Verhältnis wohl nicht beim vom uns errechneten fairen Durchschnittswert von 1,20 einpendeln." Die gleiche Diagnose stellt Fondsmanager König. "Der Dollar wird weiter zur Schwäche neigen, aber nicht kollabieren." Es kann aber alles auch ganz anders kommen. Denn "Garantien für die Richtigkeit der Prognosen gibt es nicht", so noch einmal Fritsch.
Der Tenor der Geldexperten lautet aber dennoch: Finger weg von den USA. "Man fährt am besten mit Anlagen am europäischen Kapitalmarkt. Der feste Euro dürfte die europäischen Zinsen niedrig halten, was gut ist für europäische Renten und Aktien", sagt Fritsch. "Die unterbewerteten Währungen wie der Yen und der Schweizer Franken, das sind aktuell durchaus attraktive Währungen", ergänzt Keller. Raus aus Amerika - dem Dollar zumindest dürfte die Abneigungen nicht auf die Beine helfen.