Dollar-Talfahrt Rekord-Ölpreis lässt Wall Street absacken
New York/Frankfurt am Main - Es sind nicht zuletzt die enormen Preissprünge, die den Experten Sorgen machen. So verteuerte sich das Fass US-Leichtöl der Sorte WTI zeitweise um mehr als zehn Dollar auf 138,36 Dollar. Damit wurde der vorige Höchststand von 135,09 Dollar, der vor rund zwei Wochen erreicht worden war, deutlich übertroffen. Das in Europa führende Nordseeöl der Sorte Brent kostete zum Wochenschluss 136,50 Dollar und damit sieben Prozent mehr als noch am Vortag.
Ölplattform in der Nordsee: Schwacher Dollar treibt die Ölpreise
Foto: DPADer kletternde Ölpreis ließ am Freitag die New Yorker Aktienmärkte deutlich im Minus schließen: Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte zum Handelsschluss mit einem Minus von 3,2 Prozent bei 12.201 Punkten - der niedrigste Stand seit dem 19. März.
Der breiter gefasste S&P-500-Index verlor 3,11 Prozent und schloss mit 1360 Punkten. Der Index der Technologiebörse Nasdaq gab 2,96 Prozent auf 2474 Punkte nach.
Schwacher Dollar, schwache Daten
Börsianer begründeten die Rallye am Ölmarkt unter anderem mit dem schwachen Dollar, was durch die Ankündigung einer Zinserhöhung seitens der Europäischen Zentralbank (EZB) ausgelöst worden sei. EZB-Präsident Jean-Claude Trichet hatte am Donnerstag eine Leitzinserhöhung im Euroraum durchblicken lassen, möglicherweise bereits im Juli. Der Dollar schwächte sich daraufhin merklich ab, nachdem sich die US-Währung in den Tagen zuvor noch etwas von ihrem Kursverfall erholt hatte.
Die US-Währung war am Nachmittag nach schwachen Daten vom US-Arbeitsmarkt weiter abgerutscht. Durch die Umschichtung spekulativer Anlagegelder entwickelt sich der Ölpreis häufig entgegengesetzt zum Dollarkurs, obwohl eine schwache Konjunktur die Ölnachfrage bremst.
Marktbeobachter prophezeien schon die nächsten Rekorde auf dem Ölmarkt: "Mit einem Preissprung um 5,50 Dollar je Barrel war gestern die größte absolute Tagesveränderung seit Aufnahme des Handels zu verbuchen", schreibt Commerzbank-Experte Eugen Weinberg. Die heftige Reaktion am Ölmarkt auf die Äußerungen Trichets und die einsetzende Dollar-Schwäche zeige aber auch, dass es den Markt nach oben zieht.
Mithin habe es sich bei der Abwärtskorrektur an den Tagen zuvor lediglich um eine "Konsolidierungsphase" gehandelt. Neue Rekordstände seien wahrscheinlich.
Auch der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) ist gestiegen. Nach Berechnungen des Opec-Sekretariats vom Freitag kostete ein Barrel am Donnerstag 118,77 US-Dollar. Das sind 21 Cent mehr als am Mittwoch. Die Opec berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells.
Auswirkungen auf Deutschland
Die gestiegenen Ölpreise haben natürlich auch Auswirkungen auf die Teuerungsrate in Deutschland. Der Bundesbank zufolge müssen die Deutschen noch längere Zeit mit kräftigen Preissteigerungen in vielen Bereichen rechnen. Wegen der rasanten Teuerung bei Energie und Nahrungsmitteln hob sie am Freitag ihre Inflationsprognosen für dieses und nächstes Jahr kräftig an. Das Wirtschaftswachstum bleibe 2008 robust, während sich 2009 leichte Bremsspuren abzeichneten. Auf dem Arbeitsmarkt werde sich die Lage dennoch weiter entspannen.
In ihrer halbjährlichen Vorhersage, die im Dezember zum ersten Mal veröffentlicht worden war, schraubten die Bundesbank-Ökonomen ihre Prognose für die Inflationsrate in diesem Jahr von 2,3 auf 3,0 Prozent nach oben. "Das Preisklima in Deutschland ist derzeit erheblich eingetrübt und dürfte sich nur allmählich aufhellen", hieß es. Gegen Ende des Jahres sei dann aber eine leichte Entspannung möglich. Dennoch werde die Teuerungsrate auch 2009 nicht unter die Marke von zwei Prozent fallen - dem Stabilitätsziel der Europäischen Zentralbank (EZB).
Erwartet werden nun 2,2 nach zuvor 1,5 Prozent. "Sollte der Ölpreis auf dem aktuell hohen Niveau bleiben oder sogar noch weiter steigen, so ist mit empfindlich höheren Teuerungsraten zu rechnen", warnte die Bundesbank.
"Sehr große Sorgen" über gestiegene Preise
Die auf breiter Front steigenden Preise beunruhigen inzwischen die meisten Bürger. Im ARD-Deutschlandtrend gaben 86 Prozent der Befragten an, dass ihnen die steigenden Preise "sehr große Sorgen" bereiten. Dennoch warnte die Bundesbank davor, den Kaufkraftverlust durch kräftige Lohnerhöhungen abzufangen. Das könne "neue Preiserhöhungsrunden auslösen".
Wegen der geringeren Kaufkraft dürften die Deutschen in diesem Jahr ihren Konsum nur leicht um 0,9 Prozent erhöhen. Erst 2009 werde er mit 1,5 Prozent kräftiger zulegen, falls die Teuerung wie erwartet nachlässt. 2007 hatten die Verbraucher wegen der Erhöhung der Mehrwertsteuer weniger ausgegeben.
Das Wirtschaftswachstum bleibt nach Ansicht der Bundesbank trotz zunehmenden Gegenwinds robust. Nach einer Delle im Sommer werde die Konjunktur zur Jahreswende wieder an Schwung gewinnen. Für dieses Jahr erhöhte sie nach dem überraschend starken ersten Quartal ihre Wachstumsprognose von 1,9 auf rund 2,25 Prozent. Für 2009 wurde sie von 1,9 auf rund 1,5 Prozent gesenkt.
Positiv sieht die Bundesbank den Arbeitsmarkt. Die Zahl der Erwerbstätigen werde weiter zunehmen. Die Arbeitslosenquote sinke bis 2009 auf 7,6 Prozent. 2007 betrug sie noch neun Prozent. Ende dieses Jahres werden, so die Schätzung der Bundesbank, etwa 40,3 Millionen Menschen einen Job haben. Das wären fast 1,5 Prozent mehr als noch vor einem Jahr.
mik/kaz/dpa-AFX/AP/Reuters/AFP