David Böcking

Rede in Davos Trumps perverser Optimismus

David Böcking
Ein Kommentar von David Böcking
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Der Klimawandel ist ein Thema für "Untergangspropheten", die Lösung eine wachsende Wirtschaft nach US-Vorbild: Donald Trump hat den Fortschrittsglauben seiner Landsleute ad absurdum geführt.
US-Flagge vor der Smoghauptstadt Los Angeles

US-Flagge vor der Smoghauptstadt Los Angeles

Foto:

Ringo Chiu/ZUMA Wire/ DPA

Wenn US-Amerikaner und Europäer diskutieren, sind die Rollen meist klar verteilt: Europäer betonen vor allem die Risiken eines Problems, Amerikaner dagegen die Chancen, es zu lösen – am besten mit einem neuen Geschäftsmodell. Man kann über diese Art von Fortschrittsoptimismus spotten. Doch er bringt in den USA bis heute regelmäßig Firmen und Gründer hervor, auf die man in Europa neidisch ist.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos bringt beide Herangehensweisen zusammen, das ist einer seiner Reize: Das Problembewusstsein von Politikern und Vertretern der Zivilgesellschaft mit der Can-Do-Attitüde von Unternehmern. Im besten Fall entstehen aus der Begegnung tatsächlich Lösungen zum Nutzen der Allgemeinheit – etwa, wenn Drohnen zur medizinischen Versorgung ländlicher Gebiete in Afrika genutzt werden.

Der Hauptredner des diesjährigen Davos-Auftaktes jedoch machte wenig Hoffnung auf kooperative Problemlösungen. Donald Trump hat zur Eröffnung des Weltwirtschaftsforums eine pervertierte Version des amerikanischen Fortschrittsglaubens präsentiert. Nach ermüdendem Eigenlob für die angeblich eigenen Verdienste sagte er in Richtung von Klimaaktivisten wie Greta Thunberg: "Um die Chancen von Morgen zu ergreifen, müssen wir die ewigen Unkenrufer und ihre Untergangsprognosen zurückweisen. Sie sind die Erben der albernen Wahrsager von Gestern."

Trump hält also Warnungen vor dem Klimawandel für Hysterie. Dabei kommen diese längst auch von Unternehmern, viele davon aus den USA. Eigentlich gehört es zum viel beschworenen „Geist von Davos“, anderen zuzuhören und gemeinsam Lösungen zu finden. Doch davon wollte Trump auch bei seinem zweiten Besuch des Weltwirtschaftsforums nichts wissen.

Mit Wachstum "absolut jede Herausforderung" meistern?

Stattdessen empfahl er einmal mehr sein eigenes Land als Vorbild für alle. „In Amerika verstehen wir, was die Pessimisten nicht sehen wollen“, prahlte er. Eine wachsende Wirtschaft werde genug Kreativität wecken, um „absolut jede Herausforderung“ zu meistern.

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Natürlich kann und muss man sogar hoffen, dass sich Warnungen vor einer „Klima-Apokalypse“ am Ende als übertrieben erweisen. Der US-Präsident verwies in seiner Rede auf frühere Prognosen zur Entwicklung der Weltbevölkerung oder zum Ende der Ölvorräte, die sich als falsch erwiesen - auch wegen technischer Fortschritte. Doch der Klimawandel ist real. Er lässt der Menschheit wenig Zeit zum Umsteuern, darüber gibt es einen breiten wissenschaftlichen Konsens.

Zur Begrenzung der Erderwärmung wird es nicht reichen, eine Billion Bäume zu pflanzen, wie es die USA jetzt zusammen mit anderen angekündigt haben. Es wird auch nicht reichen, auf Lösungen aus der Wirtschaft zu vertrauen, wenn deren Wachstum unmittelbar mit dem CO2-Ausstoß zusammenhängt. Und ganz sicher wird es nicht reichen, wenn sich der Rest der Welt einfach die USA zum Vorbild nimmt. Schließlich sind die unter Trump aus dem Pariser Klimaabkommen ausgetreten und nach China immer noch der größte CO2-Emittent weltweit.

Mit all diesen Widersprüchen müsste Trump auf der Davoser Bühne eigentlich konfrontiert werden. Doch das traute sich Forumsgründer Klaus Schwab wie schon vor zwei Jahren nicht. Stattdessen dankte er dem US-Präsidenten dafür, dass dieser an die Bedeutung von Optimismus erinnert habe. Auf Trumps Vorstellung von Optimismus jedoch kann die Welt gut verzichten.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von einer Milliarde Bäume die Rede, die die USA jetzt zusammen mit anderen pflanzen wollen. Tatsächlich sind es aber eine Billion Bäume (Englisch: trillion).