Umstrittenes Bergbauprojekt Trump Junior und die Goldmine im Anglerparadies

Umweltauflagen hält Donald Trump normalerweise für überflüssig. Doch nun hat die US-Regierung überraschend ein Bergbauprojekt in den Fischgründen Alaskas gestoppt - nach einem Tweet des Hobbyanglers Donald Trump Jr.
Von Ines Zöttl, Washington
Angler am Newhalen River: Die Pebble-Mine könnte die Flusslandschaft im Süden Alaskas gefährden

Angler am Newhalen River: Die Pebble-Mine könnte die Flusslandschaft im Süden Alaskas gefährden

Foto: Luis Sinco / Los Angeles Times via Getty Images

Die Mauer zu Mexiko steht noch immer nicht, doch bei einem anderen Wahlversprechen hat Donald Trump große Fortschritte vorzuweisen: dem Abbau von staatlicher Regulierung, die Verbraucher, Minderheiten, Klima und Umwelt schützen sollte. 100 Umweltgesetze und-verordnungen hat die Regierung nach Zählung der "New York Times" schon gekippt - oder es zumindest versucht. Ihr vorerst letzter Coup: Trump will Ölbohrungen im nördlichsten Naturschutzgebiet der USA, dem Arctic National Wildlife Refuge in Alaska, erlauben. Neben Polarbären und Karibu-Rentieren sollen künftig auch Ölarbeiter die bisher fast unberührte Wildnis bevölkern.

Der Aufschrei von Naturschützern lässt die Regierung kalt. Die Versteigerung der Bohrrechte könnte noch dieses Jahr beginnen, erklärte Innenminister David Bernhardt hochzufrieden: "Präsident Trump hat mit seiner Führung mehr als drei Jahrzehnte Untätigkeit beendet."

Ein anderes, ziemlich ähnliches Projekt hat die Regierung dagegen überraschend blockiert: die Erschließung eines der weltweit größten Vorkommen an Gold, Kupfer und anderen Metallen an der Bristol Bay im Südwesten Alaskas. Dahinter steckt eine plötzliche Kehrtwende. Und ein Tweet des Präsidentensohns Donald Trump Jr., 42.

Ein "Sportsmann, der viel Zeit in der Region verbracht hat"

Zunächst lief alles nach dem üblichen Schema. Nach Trumps Wahlsieg hob die Umweltbehörde EPA 2019 eine von Barack Obama verhängte Blockade für die sogenannte Pebble-Mine auf. Die Befürchtung, dass die Exploration eines der wichtigsten Wildlachsfanggebiete der Welt schädigen würde, sei übertrieben, argumentierte die Behörde unter ihrem neuen Chef. Das Army Corps of Engineers wurde mit einer neuen Prüfung beauftragt - und kam erwartungsgemäß zum Ergebnis, dass das Bergbauprojekt der Fischerei in Bristol Bay langfristig nicht schaden werde. Aus Sicht der Umweltverbände genauso wie des kanadischen Konzerns Northern Dynasty Minerals, der das Projekt betreibt, war das Signal aus Washington unmissverständlich: grünes Licht für Pebble.

Dann aber ging ein Tweet hinaus in die Welt: "Als Sportsmann, der viel Zeit in der Region verbracht hat", verkündete ausgerechnet Donald Trump Jr. seinen Widerstand gegen die #PebbleMine. Zu "100 Prozent" teile er die Hoffnung und Erwartung, dass - der Präsident und Papa - @realDonaldTrump die Umweltbehörde anweisen werde, das Projekt zu blockieren, ließ er seine 5,4 Millionen Follower (und das Weiße Haus) wissen. Die Zuflüsse zur Bristol Bay und die dortige Fischerei seien "zu einzigartig und fragil, um ein Risiko für sie einzugehen", erklärte Trumps Ältester, der das soziale Netzwerk sonst vor allem für Attacken gegen die Demokraten nutzt.

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Folgenreicher Junggesellenabschied

Dieses eine Mal jedoch scheint ein Trump sich mit Joe Biden einig, der Pebble ebenfalls stoppen will. Doch während der demokratische Präsidentschaftskandidat den Schutz von Umwelt und Klima zu einem seiner Kernthemen erkoren hat, ist Trump Jr. bislang nicht als Verteidiger der Biosphäre in Alaska oder anderswo aufgefallen.

Dafür allerdings genießt der Junior einen Ruf als passionierter Jäger und Angler. Mit seinem Sohn Donald III im Schlepptau, brach er im Juli 2014 zum Junggesellenabschied des Bruders Eric auf - an den Naknek River bei Alaskas Bristol Bay. Sie blieben zehn Tage und genossen in dieser Zeit die unberührte und wilde Natur sehr, berichtete einer der Lodge-Eigentümer der "New York Times". Während ihres Aufenthalts hätten die Trumps "verstanden, wie aberwitzig diese Mine war".

Den Reiz solcher Naturerlebnisse können offenbar auch andere Konservative nachvollziehen: Der Fox-News-Moderator Tucker Carlson sowie ein wohlhabender Trump-Wahlkampfspender haben sich ebenfalls öffentlich gegen das Pebble-Projekt ausgesprochen.

Papa Trump selbst erklärte Anfang August zum Tweet seines Sohnes lediglich, er werde "beide Seiten prüfen".

Donald Trump Jr.: Angeln aus Leidenschaft

Donald Trump Jr.: Angeln aus Leidenschaft

Foto: JIM WATSON / AFP

Drei Wochen später gab das Army Corps of Engineers bekannt, dass das Pebble-Projekt in seiner derzeitigen Konzeption "nicht erlaubt werden kann". Formal können die Betreiber nun nachbessern und wollen das auch tun. Doch Insider des Weißen Hauses erzählten der US-Presse, dass die Hürden so hoch seien, dass sich der geplante Rohstoffabbau damit bis auf Weiteres erledigt habe. Als Konsequenz stürzte der Aktienkurs von Northern Dynasty in dieser Woche um fast 60 Prozent ab.

Der Abbau von Regulierung sei womöglich wichtiger gewesen als seine große Steuerreform, hat Trump vor ein paar Tagen triumphierend gesagt. Die Pebble-Mine kam in seiner Rede nicht vor.

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