Vier Lehren aus Davos Warum sich viele Konzernbosse über Trump freuen

Donald Trump und Greta Thunberg - vollmundige Drohungen und wütende Enttäuschung. In Davos hat sich angedeutet, was die Welt in diesem Jahr bewegen wird. Die vier wichtigsten Erkenntnisse.
Aus Davos berichtet Stefan Kaiser
US-Präsident Trump

US-Präsident Trump

Foto: Evan Vucci/ AP

1. Donald Trump gehört jetzt dazu

Zumindest für den europäischen Geschmack war der Auftritt von Donald Trump an Peinlichkeit kaum zu überbieten. "Amerika gewinnt wie noch nie zuvor", rief der US-Präsident seinem verdutzten Publikum zu - und pries sich und seine eigene Politik mit einer ganzen Kaskade an Superlativen.

Die meisten Unternehmenschefs mögen angesichts des Trumpschen Selbstlobs vielleicht die Nase rümpfen, doch sie schauen bewundernd auf das immer noch kräftige Wachstum der US-Wirtschaft, das der US-Präsident mit seinen Steuersenkungen und seiner Politik der Deregulierung kräftig angeheizt hat. Kam Trump vor zwei Jahren noch als Outlaw zum eher liberal gesinnten Weltwirtschaftsforum nach Davos, gehört er mittlerweile irgendwie dazu.

Foto: Jonathan Ernst/ REUTERS

Die amerikanischen Vorstandschefs haben sich ohnehin längst mit Trump arrangiert. Die meisten teilen zwar seine außen- und gesellschaftspolitischen Ansichten nicht, aber sie genießen die Segnungen seiner Wirtschaftspolitik. "Solange die Aktienkurse steigen, wird niemand etwas gegen Trump sagen", meint ein Topmanager.

Für die Europäer ist die Sache dabei ein bisschen delikater als für die amerikanischen Bosse. Auch sie freuen sich über die boomende US-Wirtschaft, die ihnen gute Geschäfte verspricht. Sie fürchten allerdings zugleich die Strafzölle, mit denen Trump ihnen immer wieder droht.

Aus beiden Faktoren zusammen ergibt sich dann häufig jene ängstliche und devote Haltung, mit der einige Unternehmenschefs dem US-Präsidenten auch dieses Mal wieder bei einem Abendessen entgegentraten. Schließlich gehen viele von ihnen davon aus, dass sie nach der Präsidentschaftswahl noch weitere vier Jahre Trumps Launen ausgesetzt sein werden.

2. Europa muss neue Autozölle fürchten

Die amerikanische Delegation ist offenbar auch deshalb nach Davos gereist, um eine Warnung an die Europäer loszuwerden: Wenn Ihr Digitalsteuern für unsere Tech-Riesen wie Google, Facebook oder Amazon einführt, dann wird die Rache fürchterlich sein.

Die vor allem in Deutschland gefürchteten Strafzölle von 25 Prozent auf EU-Autoexporte in die USA sind jedenfalls noch lange nicht vom Tisch. Das hat sowohl Präsident Trump persönlich klargemacht, als auch seine Minister Wilbur Ross (Handel) und Steven Mnuchin (Finanzen). "Sollte Europa unsere Digitalunternehmen willkürlich besteuern, werden wir darüber nachdenken, willkürlich die Autoindustrie zu besteuern", sagte Mnuchin bei einem eher breitbeinig geratenen Auftritt in Davos.

Die Botschaft ist klar: Nachdem Trump im Handelskrieg mit China eine Teileinigung erzielt hat, nutzt er diese Feuerpause, um die Geschütze mal eben in eine andere Richtung zu drehen: nach Europa.

3. Greta Thunberg ist nicht mehr allein

Greta Thunberg, Klimaaktivistin Peltier

Greta Thunberg, Klimaaktivistin Peltier

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Wenn in Davos irgendjemand ähnlich viel Aufmerksamkeit bekommen hat wie US-Präsident Trump, dann war es die 17-jährige Klimaaktivistin Greta Thunberg, Initiatorin der weltweiten "Fridays-for-Future"-Bewegung. Im vergangenen Jahr war Thunberg erstmals nach Davos gereist - und konnte sich weitgehend unbehelligt durch das Kongresszentrum bewegen. Viele Teilnehmer wussten damals nicht mal, wer sie war.

Seitdem hat sich sehr viel geändert. Der Klimawandel ist mittlerweile das dominierende Thema in Davos - und Thunberg weltberühmt. Wo sie auch geht und steht, wird sie von einer Armee von Journalisten umringt.

Doch noch etwas ist dieses Jahr anders: Greta Thunberg ist nicht mehr allein. Zum einen wird sie von einer Gruppe junger Mädchen und Frauen aus der "Fridays-for-Future"-Bewegung begleitet - darunter auch die deutsche Aktivistin Luisa Neubauer. Zum anderen hat das Weltwirtschaftsforum in diesem Jahr aber auch vielen anderen jungen Menschen eine Bühne für deren Anliegen gegeben - und diese Jugendlichen haben die Bühne beeindruckend gut genutzt.

Allen voran die 18-jährige Natasha Mwansa aus Sambia, die eloquent und kraftvoll für die Rechte von Kindern und Jugendlichen kämpft. Oder die 15-jährige Autumn Peltier, die sich in Kanada dafür einsetzt, dass die indigenen Völker dort sauberes Trinkwasser haben.

Die junge Generation hat laut vernehmbare Stimmen - und sie sind fast alle weiblich.

4. Alle reden vom Klima - aber wer handelt?

Foto: FABRICE COFFRINI/ AFP

Wen man in Davos auch traf - fast jeder redete übers Klima (okay, außer Donald Trump). Der Kampf gegen die Erderwärmung steht so weit oben auf der Agenda der Politiker und Topmanager wie kaum ein anderes Thema in den vergangenen Jahren. EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen rückte den Klimawandel ebenso ins Zentrum ihrer Rede wie Angela Merkel. "Wir müssen handeln", sagte die Kanzlerin. Und erklärte die Frage, ob die Staatengemeinschaft die selbstgesteckten Ziele des Pariser Klimaabkommens erreicht, zu einer "Frage des Überlebens".

Doch noch sind es nur Worte und Ankündigungen, viel getan haben bisher weder Politik noch Unternehmen. Und natürlich war der Helikopterlandeplatz in Davos auch in diesem Jahr wieder stark frequentiert - und natürlich stauten sich die Oberklasselimousinen immer noch jeden Morgen und Abend in langen Staus auf den Straßen des Ortes.

Und trotzdem hat sich etwas verändert: Selbst in der Finanzindustrie dominiert das Klimathema mittlerweile die Debatte - und der Druck zur Veränderung ist groß. "Wenn wir nicht genügend grüne Investitionen tätigen und finanzieren, droht der Branche eine weitere Runde an Regulierungen", sagt etwa Axel Weber, Verwaltungsratschef der Schweizer Großbank UBS. Und Philipp Hildebrand, Vizepräsident des weltgrößten Vermögensverwalters Blackrock, sieht sich gar an die Finanzkrise der Jahre 2007 und 2008 erinnert. Damals hätten die Banken plötzlich gewaltige Risiken in ihren Bilanzen entdeckt. "Und heute lauern Klimarisiken in den Bilanzen der Unternehmen, die das gesamte Geschäftsmodell zerstören können." Entsprechend groß ist die Unsicherheit der Konzernchefs.

Den Klimaaktivisten geht der Wandel ohnehin viel zu langsam. "Ihr sagt, Kinder sollten sich keine Sorgen machen", kritisierte Greta Thunberg bei einem ihrer Auftritte in Davos. "Ihr sagt, 'überlasst das einfach uns, wir werden das regeln'. Und dann? 'Nichts'."

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