US-Wirtschaftsführer Warum der Apple-Chef besser mit Trump kann als andere

Amerikas Unternehmenschefs leben mit dem steten Risiko, im Weißen Haus in Ungnade zu fallen. Apple-Chef Tim Cook hat bislang einzigartiges Geschick darin bewiesen, Trump im Zaum zu halten. Doch wie lange noch?

Apple-Chef Tim Cook (l.) neben US-Präsident Donald Trump
SAUL LOEB / AFP

Apple-Chef Tim Cook (l.) neben US-Präsident Donald Trump

Von , Washington


Es passiert nicht oft, dass die Wirtschaft eines Landes gegen die eigene Regierung vor Gericht zieht. Dieses eine Mal aber wollten sich Amerikas Unternehmen nicht wegducken: 143 Verbände und Firmen haben sich im Verfahren um die geplante Ausweisung junger Migranten gegen Donald Trump gestellt. Formal ist das 62-seitige Dokument, das sie Ende vergangener Woche beim Obersten Gericht der USA einreichten, nur eine Stellungnahme zugunsten der Kläger. Faktisch aber ist es eine Kriegserklärung an den US-Präsidenten, der rund 800.000 Kindern illegaler Einwanderer, den sogenannten Dreamern, das Bleiberecht in dem Land nehmen will, in dem sie aufgewachsen sind.

Wenn die Regierung ihr Vorhaben umsetze, "wird das den US-Unternehmen, allen Arbeitnehmern und der ganzen Wirtschaft ernstlich schaden", warnen die Unterzeichner. Dazu gehören Tech-Größen wie Amazon, Facebook und Google, aber auch Hilton, Ben & Jerry's, HP, Levi's, Starbucks und die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young. Auch die US-Handelskammer, die traditionell die Partei der Republikaner unterstützt, hat sich dem Brandbrief angeschlossen. "Unternehmen werde geschätzte Mitarbeiter verlieren, Mitarbeiter werden Arbeitgeber und Kollegen verlieren. Unser Bruttoinlandsprodukt wird bis zu 460,3 Milliarden Dollar schrumpfen und die Steuereinnahmen werden im nächsten Jahrzehnt um rund 90 Milliarden Dollar niedriger ausfallen", heißt es im Text.

Ein Name fehlt auf der Liste: Apple. Der Chef des iPhone-Herstellers ist noch einen Schritt weiter gegangen. Tim Cook hat einen eigenen Antrag bei Gericht eingereicht, in dem er offen seine Unterstützung für das Reformgesetz von Barack Obama erklärt. Die Dreamer (Träumer), die einst als Kinder mit ihren Eltern nach Amerika einwanderten, "hätten alles richtig gemacht", schreibt Cook. "Sie sind so amerikanisch wie jeder von uns."

"Tim Cook ruft Donald Trump direkt an"

Trump, der seinen Wiederwahlkampf mit einwanderungsfeindlichen Parolen und rassistischen Ausfällen bestreitet, mag so etwas nicht. Ausgerechnet Cook - sein Lieblings-CEO, den der Präsident höchstpersönlich zu einem "großartigen Manager" erklärt hat - weil der mit ihm rede. "Tim Cook ruft Donald Trump direkt an", lobte Trump geradezu bewundernd.

Tatsächlich zeigt der Apple-Chef, der 2006 Hillary Clinton unterstützte, keinerlei Berührungsängste, was den Amtsinhaber im Weißen Haus angeht.

Ihm ist gelungen, wovon andere Vorstände träumen: einen direkten Draht zu Trump herzustellen, ohne dabei aber die eigene liberale Belegschaft oder die Kunden zu vergraulen. Mal kritisiert, mal lobt Cook die Politik der Regierung.

Aber immer arbeitet er im Hintergrund geschickt daran, das Beste für seinen Konzern herauszuholen. Er war es, der Trump davon überzeugte, zumindest das Weihnachtsgeschäft der Branche von den Strafzöllen gegen China zu verschonen.

Es ist nichts Ungewöhnliches daran, dass der US-Präsident Wirtschaftsführer im Weißen Haus empfängt, im Gegenteil: Trump führt ein offenes Haus. Der Amtsinhaber genießt es, sich mit Spitzenmanagern zu umgeben. "Ich bin hier, um euch Leuten zu helfen", erklärte er beim Tech-Gipfel mit den zuvor gescholtenen Silicon-Valley-Größen kurz nach seiner Wahl. Aber natürlich ist das ein Quid-pro-quo-Geschäft, das bei ihm selbst einzahlen soll. So durfte Foxconn-Chef Terry Gou seinen Plan für eine Zehn-Milliarden-Dollar-Fabrik im wahltaktisch so wichtigen Swingstate Wisconsin 2017 im Weißen Haus vorstellen - dass sich das Investitionsvorhaben seitdem weitgehend verflüchtigt hat, ist nicht mehr Sache Trumps.

Die Nähe zum Präsidenten kann für Cook & Co nützlich sein, aber sie ist ein Balanceakt. Als Trump nach dem Aufmarsch der Neonazis im Unistädtchen Charlottesville im August 2017 seine Sympathie für die Rechtsextremen erkennen ließ, wandten sich die Manager scharenweise von ihm ab. Under-Armour-Chef Kevin Plank verabschiedete sich aus den Beratergremien des Präsidenten genauso wie der Boss des Pharmariesen Merck, Kenneth Frazier, der sich offen gegen "Hass, Bigotterie und Rassismus" wandte.

Trump vergalt das dem Pharma-Vertreter binnen Minuten mit der wütenden Twitter-Aufforderung, die "ABZOCK-PREISE FÜR ARZNEIEN" zu senken.

Bloß nicht zwischen die Fronten geraten

Der Mann im Weißen Haus nimmt Persönliches politisch und Politisches persönlich. Gegen Amazon-Gründer Jeff Bezos, dem die verhasste "Washington Post" gehört, führt er geradezu eine Fehde. Googles Führung hat er auf dem Kieker, weil die Suchmaschine angeblich die "betrügerische Hillary" (Clinton) favorisierte. "@sundarpichai von Google war im Oval Office und hat sich sehr bemüht zu erklären, wie sehr er mich mag und was für einen tollen Job die Regierung macht", ätzte Trump im August nach einer Visite von Google-Chef Sundar Pichai.

Google-Chef Sundar Pichai: "Hat sich sehr bemüht"
Ron Jenkins / Getty Images

Google-Chef Sundar Pichai: "Hat sich sehr bemüht"

Je heißer der Wahlkampf in den USA wird, desto schwieriger wird es für die Konzernlenker, nicht zwischen die Fronten zu geraten. Die amerikanischen Manager seien innerlich "gespalten, was die Trumponomics angeht", berichtete der Investment-Guru Mohamed El-Erian aus dem Kollegenkreis. Kein Wunder: Die Wirtschaft verdankt der Trump-Regierung Milliarden-Steuererleichterungen und den Abbau lästiger Regulierung.

Zugleich aber macht ihnen seine erratische Politik Angst.

Aus Sicht vieler Manager und Unternehmer ist der US-Präsident zum Faktor geworden, an dem sich ihre Zukunft entscheidet. In einer Umfrage im Auftrag von des Senders CNBC unter Kleinunternehmern nannten diese als wichtigstes Thema für die Wahl 2020 nicht etwa Kosten oder Konjunktur. 24 Prozent der Firmeneigner erklärten es zur Priorität, "Präsident Trump aus dem Amt zu wählen". 29 Prozent erklärten, am wichtigsten sei, "Präsident Trump im Amt zu behalten".

Milliardäre unter sich Stephen Ross (l.) und Donald Trump im Jahr 2010
Andrew H. Walker/Getty Images North America

Milliardäre unter sich Stephen Ross (l.) und Donald Trump im Jahr 2010

Mancher Unternehmenschef hat seine Wette schon abgegeben - wie der Milliardär Stephen Ross. Der Chef von Related Companies, zu denen die Edel-Fitnesskette Equinox gehört, organisierte für Trump eine Spendengala in seinem Haus auf dem Hamptons, dem Rückzugsort des New Yorker Geldadels. Für einen Obolus zwischen 100.000 und 250.000 Dollar konnten Interessierte dem Präsidenten begegnen. Als viele Gym-Kunden daraufhin mit Kündigung drohten, distanzierte sich Equinox-Verwaltungsratschef Harvey Spevak eilig von seinem Co-Investor.

Apple-Chef-Cook dagegen schafft es, Opposition und Gefolgschaft in einer Person zu vereinen. Nachdem Trump ihn versehentlich "Tim Apple" genannt hatte, änderte Cook seinen Twitter-Namen entsprechend. Unterstützer des Präsidenten hätten das "als einen Insider-Witz zwischen den beiden Chefs" aufgefasst, "während Gegner es als eine Breitseite gegen den Präsidenten interpretierten." schrieb das "Wall Street Journal".

Zum Wohlgefallen Trumps hat Apple inzwischen zugesagt, seinen Mac-Pro-Computer auch künftig in Texas zu bauen - nachdem die Regierung eine Reihe von importierten Komponenten vom Zoll befreit hat. "Wir danken der Regierung für ihre Unterstützung, die dies möglich gemacht hat", erklärte Cook. Eine Woche später allerdings versagte das Handelsministerium für weitere Bauteile aus China die Ausnahmegenehmigung.



insgesamt 16 Beiträge
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Seite 1
iasi 13.10.2019
1. Was ist denn hier nun so Besonderes
Man muss sich doch nur die deutsche Automobilindustrie oder die Herren und Damen Aussichtsräte in Deutschland ansehen. Die Achleitners sitzen z.B. in den Aufsichtsräten mehrerer DAX-Unternehmen und weiterer Europäischer. Dabei hatten sie direkten Draht zur Bundesregierung und sogar Beraterposten. Amazon-Gründer Jeff Bezos will direkt Politik machen - gewählt wurde er nicht. Tim Cook macht Lobbyarbeit, was zu seinem Job gehört. Weder Cook noch Bezos kandidieren für das Amt des US-Präsidenten - sie werden schon wissen, weshalb.
panameño 13.10.2019
2. Ein Grund mehr gegen Mac
Wer mit so einem offen antidemokratisch und rassistisch beseelten Möchtegern-Diktator herum laviert, statt Stellung zu beziehen, sollte an der Ladentheke abgestraft werden.
112211 13.10.2019
3. Kein Mac
Ein Freund von Apple und sonstigem mit dem i war ich noch nie. Notgedrungen musste ich gelegentlich doch ran. Durch den Artikel ist mir klar: die Annäherung an Apple und i wird bei nichts mehr werden.
alice-b 13.10.2019
4. Ja
"Wir danken der Regierung für ihre Unterstützung, die dies möglich gemacht hat", erklärte Cook. Eine Woche später allerdings versagte das Handelsministerium für weitere Bauteile aus China die Ausnahmegenehmigung." Würde sagen, wohl verzockt.
hansfrans79 13.10.2019
5.
Zitat von 112211Ein Freund von Apple und sonstigem mit dem i war ich noch nie. Notgedrungen musste ich gelegentlich doch ran. Durch den Artikel ist mir klar: die Annäherung an Apple und i wird bei nichts mehr werden.
Bei mir genau das Gegenteil: ich finde das super, dass sich Cook so deutlich für die Dreamer eingesetzt hat und da gefallen mir die Apfel Produkte, die ich ohne Not und richtig gerne verwende, gleich noch besser.
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