Designierter US-Finanzminister Mnuchin Trumps Anti-Populist

Donald Trump will Steven Mnuchin zum US-Finanzminister machen. Der 53-Jährige hat zwar keine Erfahrung in der Politik - dafür aber mit Kungeleien an der Wall Street während der Finanzkrise.
Steven Mnuchin

Steven Mnuchin

Foto: EDUARDO MUNOZ ALVAREZ/ AFP

Im Wahlkampf tobte Donald Trump täglich gegen die Wall Street. Er beschimpfte Banker und Trader. Er verspottete Hedgefonds-Manager als talentlose Nichtsnutze. Er warf Goldman Sachs vor, "die Arbeiterklasse zu berauben". Er versprach, "den Sumpf trockenzulegen" - einer dieser Slogans, die seine Anhänger in Sprechchören nachjubelten.

Und jetzt das: Trumps designierter Finanzminister Steven Mnuchin ist die Personifizierung genau dieses Wall-Street-Sumpfs.

Mnuchin, 53, ist ein Goldman-Sachs-Veteran. Später managte er einen Hedgefonds, der arglose Investoren abzockte. Er scheffelte außerdem Millionen, indem er Hausbesitzer auf die Straße setzte. Häufig traf es Arme, Alte und Minderheiten.

Reich, entrückt und rücksichtslos

Das also ist der Mann, der künftig für die Finanzen der USA verantwortlich sein soll. Sie nennen ihn "The Worst of Wall Street" oder den "Anti-Populisten aus der Hölle" - genau das Gegenteil von Trumps Image. Besser lässt sich die Scheinheiligkeit der Trump-Ära kaum zeigen.

Die mittellosen, vom System vergessenen Amerikaner, die in Scharen für Trump gestimmt haben, damit er sie aus ihrem Elend befreien möge, werden sich noch wundern. Als jüngster Goldman-Sachs-Mann, der in ein Ministeramt aufrückt, ist Mnuchin ein Repräsentant genau dieses Systems, gegen das sie bei der Präsidentschaftswahl aufbegehrten: reich, entrückt - und rücksichtslos.

Wie bei Trump begann auch für Mnuchin alles mit dem Vater: Robert Mnuchin war ein erfolgreicher Partner bei Goldman Sachs. Er stieg bis ganz nach oben auf, ins Management der Wall-Street-Bank - und in die New Yorker Society. Sein Vermögen steckte er in eine Galerie auf der feinen Upper East Side und in ein Palasthotel in Connecticut.

Der Sohn trat in seine Fußstapfen. Nach dem Studium an der Elite-Uni Yale begann auch Steven Mnuchin 1985 bei Goldman Sachs. Insgesamt soll Mnuchin rund 40 Millionen Dollar bei der Investmentbank verdient haben. Davon kaufte er sich unter anderem ein Luxusapartment an der schicken Park Avenue - in einem Haus, das in New York als "Milliardärs-Gebäude" bekannt ist.

"Er ist sehr talentiert", sagte sein damaliger Boss, der später ebenfalls zum US-Finanzminister beförderte Hank Paulson, der "New York Times". "Er besitzt ein tiefes Verständnis für Finanzen und Märkte." Auch der jetzige Goldman-Vorstandsvorsitzende Lloyd Blankfein ist voller Lob: "Er ist ein schlauer, schlauer Kerl", sagte er jüngst.

Mit Unterstützung des legendären Investors George Soros - den Trump später als korrupten Strippenzieher der Demokraten denunzierte - machte sich Mnuchin schließlich selbstständig: Er gründete den Hedgefonds Dune Capital Management, benannt nach den Dünen bei seiner Strandvilla in den Hamptons.

Dune ist vor allem durch Hollywood-Deals bekannt, der Fonds finanzierte etliche Kinohits, darunter "Avatar" und die "X-Men"-Serie. Mnuchin war vorübergehend auch Co-Chef der Produktionsfirma Relativity Media, bevor diese pleiteging.

Weniger glamourös, dafür umso skrupelloser waren die anderen Geschäfte Mnuchins. 2009 übernahm seine Investorengruppe die insolvente IndyMac Bank. Die kalifornische Bank war tief in den Ramschhypotheken-Skandal verstrickt und in der Kreditkrise kollabiert. Mnuchin zahlte weit unter Wert, wälzte einen Großteil der Entschädigung für abgezockte Hauseigentümer an den Staat ab - und genehmigte sich selbst siebenstellige Dividenden.

Unter dem neuen Chairman Mnuchin ging die umgetaufte OneWest Bank nicht gerade nachsichtig mit ihren Kunden um. Im Gegenteil zog sie zahlreiche Zwangsvollstreckungen durch, die manche säumige Zahler um ihre Existenz brachten.

Die Wut darüber war so groß, dass im Oktober 2011 rund 200 Occupy-Aktivisten den Vorgarten von Mnuchins Villa in Bel Air besetzten, einem Nobelviertel von Los Angeles. Sie kämpften für eine Angestellte, die - obwohl sie daheim ihre behinderte Mutter betreute - von der Zwangsräumung bedroht war, weil sie eine Kreditzahlung verpasst hatte. "Steve Mnuchin und OneWest nehmen mir meinen Traum weg", klagte sie damals. Immerhin: Die Bank modifizierte die Hypothek daraufhin.

In der New Yorker Gesellschaft gilt Mnuchin dennoch als Wohltäter. Er ist Stammgast bei den großen Spendengalas, sitzt in den Aufsichtsräten von Charity-Organisationen und war eine zeitlang Direktor des berühmten Whitney Museums. Im April dieses Jahres holte Trump ihn als Finanzchef in sein Wahlkampfteam.

Seine Version von Wohltätigkeit kann Mnuchin nun an allerhöchster Stelle ausüben. Über seine politische Neigung ist wenig bekannt. Er wolle - was sonst - die Konjunktur ankurbeln, sagte er dem Wirtschaftssender CNBC, als Trump die Nominierung verkündete. Dazu strebe er ein Wirtschaftswachstum von drei bis vier Prozent an. Dessen Motor werde vor allem die von Trump angekündigte Steuerreform sein.

Und wem die zugutekommen wird, daran lässt diese Personalie wenig Zweifel.

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