Linksruck in den USA »Deutschland ist Teil des Problems«

In den USA gewinnen linke Wirtschaftsforscher Einfluss auf das Weiße Haus. Präsident Biden soll schaffen, was Donald Trump nur versprochen hat: Jobs aus Übersee zurückholen. Ökonom Robert E. Scott sagt, wie das gehen soll.
Ein Interview von Benjamin Bidder
Linkes Hassobjekt in den USA: Die Wall Street

Linkes Hassobjekt in den USA: Die Wall Street

Foto: John Angelillo / UPI Photo / imago images

Zehn Fußminuten vom Weißen Haus in Washington entfernt arbeiten die Ökonomen des Economic Policy Institute (EPI). Sie entwickeln dort Konzepte und Strategien, wie die Arbeiterschaft in den USA gestärkt, der Wohlstand im Land gerechter verteilt werden kann.

Sie tun das schon lange, 1986 wurde das »Wirtschaftspolitische Institut« gegründet, unter anderem von Robert Reich. Der wurde zwar später für einige Jahre Bill Clintons Arbeitsminister. Doch so richtig nah dran war das Institut nie, seine Ideen für eine linke Umgestaltung der größten Volkswirtschaft der Welt auch umzusetzen.

Das hat sich mit der Amtseinführung von Joe Biden geändert. Gleich zwei der drei Mitglieder des Council of Economic Advisors haben früher bei dem auch von US-Gewerkschaften mitfinanzierten EPI gearbeitet. Jared Bernstein gehört dazu, Bidens treuer Wirtschaftsberater, der sich für linke Projekte wie eine Vermögenssteuer so nachhaltig begeistern kann, dass Reporter ihn mitunter fragen, ob er denn wirklich noch »Kapitalist« sei. Chefin des Rates ist eine Arbeitsmarktexpertin aus Princeton, komplettiert wird das Gremium durch Heather Boushey. Sie hat wie Bernstein einen Teil ihrer Karriere beim EPI verbracht. Institutspräsidentin Thea Lee hat gerade ihren Wechsel in Bidens Team verkündet. Die EPI-Pressesprecherin hat schon einen Regierungsposten angetreten.

Foto: Robert E. Scott

Robert E. Scott ist Direktor für Handels- und Industriepolitik beim Washingtoner Economic Policy Institute. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören die internationalen Handelsverflechtungen und die Entwicklung der alten US-Industrien, etwa von Kohle und Stahl. Seine Arbeiten finden Sie auf der Website des EPI  – darunter auch Vorschläge für eine Wiedergeburt der Industrie in den USA. Der Titel des Berichts lautet: » We can reshore manufacturing jobs, but Trump hasn't done it « .

Robert E. Scott ist einer der führenden Köpfe der Denkfabrik. Im Interview sagt er, warum sich die Welt auch unter einem Präsident Biden auf eine Art linkes »America First« gefasst machen muss – und warum US-Waren weltweit nach einer gezielten Dollarabwertung wettbewerbsfähig werden könnten.

SPIEGEL: Herr Scott, Donald Trumps »America First«-Agenda ist Geschichte. Doch auch Sie fordern US-Präsident Joe Biden auf, Millionen von Industriejobs zurück in die USA zu bringen. Warum?

Scott: Donald Trump hat die Stimmung vieler Wähler richtig eingeschätzt, vor allen Dingen in der Arbeiterschaft, die besonders hart von der Globalisierung getroffen worden ist. Das sind Leute, die China für verlorene Jobs und gesellschaftliche Verheerung verantwortlich gemacht haben – und sie liegen damit nicht falsch. Die USA haben fünf Millionen Industriearbeitsplätze verloren, anders als etwa Deutschland, das in den vergangenen 20 Jahren einen ziemlich stabilen Anteil der Industrie an der Gesamtbeschäftigung hatte. Das war einer der wenigen guten Aspekte an Trump: Er hat dem überparteilichen Streben nach immer mehr globalen Handelsabkommen ein Ende gesetzt. Denn diese Abkommen waren ein Reinfall für die amerikanischen Arbeiter.

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