Doppelfunktion Opposition kritisiert Opel-Koordinator Roland Berger

Er berät an allen Ecken und Enden: Die Opposition hat die Bestellung von Roland Berger als Opel-Unterhändler scharf kritisiert - weil dessen Firma gleichzeitig den Mutterkonzern GM berät. Man frage sich, so die Kritik, auf wessen Seite der bekannte Unternehmensberater eigentlich stehe.


München/Berlin - Es sollte ein Coup sein, doch jetzt sorgt die Benennung von Roland Berger nur für Kritik: Die Opposition im Bundestag hat die Entscheidung des Wirtschaftsministeriums kritisiert, den Unternehmensberater zum Opel-Koordinator zu machen. "Man fragt sich, für welches Team der Testfahrer Roland Berger denn jetzt fahren soll - für den Opel-Mutterkonzern General Motors oder für die Bundesregierung", sagte der stellvertretende FDP-Vorsitzende Rainer Brüderle der "Süddeutschen Zeitung" ("SZ"). Hier könne es schnell einen Interessenkonflikt geben, der zur Orientierungslosigkeit führe.

Unternehmensberater Berger: Diener vieler Herren
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Unternehmensberater Berger: Diener vieler Herren

Auch die parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Thea Dückert, lehnte Bergers Engagement ab: "Die Bundesregierung schiebt die Verantwortung für eine weitere wichtige politische Entscheidung auf einen Unternehmensberater", sagte sie.

Die Kritik entzündet sich daran, dass General Motors Europe (GM) Chart zeigen die von Berger gegründete Münchner Unternehmensberatung Roland Berger Strategy Consultants damit beauftragt hat, ein Sanierungskonzept zu erarbeiten. Dieses Konzept soll die Lücken schließen, die die Bundesregierung in dem von Opel vorgelegten Rettungsplan bemängelt hatte. Berger selbst hält laut "SZ" noch etwa zehn Prozent der Anteile an der Unternehmensberatung.

Außerdem sitzt Berger beim Opel-Konkurrenten Fiat Chart zeigen im "Board of Directors", einem 15-köpfigen Führungsgremium des Konzerns, wie die "Financial Times Deutschland" ("FTD") berichtet. Der italienische Autohersteller wiederum verhandele gerade mit dem US-Autokonzern Chrysler, einem Rivalen von GM.

Berger wurde laut "FTD" im Mai 2006 in das "Board of Directors" des italienischen Autokonzerns gewählt und hat schon seit Jahrzehnten enge Kontakte in die italienische Wirtschaft. Vor Gründung seiner eigenen Firma hatte er in den sechziger Jahren seine Karriere als Unternehmensberater in Italien begonnen. Sprecher von Berger und des Wirtschaftsministeriums wollten sich zu dieser Sache auf Anfrage nicht äußern.

Der haushaltspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Carsten Schneider, forderte Berger auf, seine Mitgliedschaft im "Board of Directors" bei Fiat unverzüglich zu beenden. "Andernfalls besteht ein Interessenkonflikt, der eine Beratungsfunktion für die Bundesregierung ausschließt", sagte Schneider der Zeitung.

Im Wirtschaftsministerium versteht man die Kritik an der Personalentscheidung allerdings nicht. "Berger hat keinen Vertrag bei der Bundesregierung, für den er Geld bekommt", sagte ein Sprecher der "SZ". Außerdem sitze er bei seiner Beratungsfirma nur im Aufsichtsrat.

sam/dpa-AFX



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