Dosen-Streit Trittin wirft Wirtschaft Abzocke vor

Im Streit um die staatlichen Zwangsgelder für Einwegverpackungen ist Bundesumweltminister Jürgen Trittin wieder in die Offensive gegangen. Bei der Einführung einer Abgabe anstelle des Pfandes würde Mehrweg aussterben, befürchtet er.


Streiter für Mehrweg: Umweltminister Trittin
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Streiter für Mehrweg: Umweltminister Trittin

Berlin - Trittin hält überhaupt nichts von dem Vorschlag der Wirtschaft, eine Abgabe für Einwegverpackungen einzuführen, die deutlich unter dem bisherigen Pfand von 25 Cent liegen soll. "Hinter dem Vorschlag steckt der Versuch von Teilen der Wirtschaft, sich aus der Verantwortung für die Entsorgung der Einwegverpackungen zu stehlen und die Kosten auf die Verbraucher abzuwälzen", sagte der Trittin der "Berliner Zeitung". Das Pfand werde den Kunden zurückgezahlt, "aber mit einer Abgabe wird der Verbraucher nur abgezockt", so der Minister.

Für eine Abgabe anstelle des Pfandes haben sich bisher die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) stark gemacht. Trittin befürchtet, dass der Handel bei Einführung einer Dosenabgabe massiv das gerade eingelistete Mehrweg wieder auslisten und flächendeckend nur noch Einweg anbieten würde. Der Verbraucher wäre dann gezwungen, nur noch Einweg zu kaufen, sagte er der "Welt". "Es gäbe keine Wahlfreiheit mehr, Mehrweg würde verdrängt".

Zuvor hatte die Tengelmann-Gruppe angekündigt, dass sie Dosen und Einwegflaschen aus den Regalen verbannen werde. "Wir beginnen ab sofort mit der Auslistung", sagte eine Konzernsprecherin dem Berliner "Tagesspiegel". Zu dem Konzern gehören Plus, Kaiser's, Tengelmann und die KD-Märkte. "Nur wenn wir keine Einwegverpackungen anbieten, haben wir kein Problem mit der Rücknahme", zitierte das Blatt die Sprecherin.

Am Mittwoch war eine Einigung zwischen Bundesumweltminister Jürgen Trittin und der Wirtschaft über den Ausbau eines bundeseinheitlichen Rücknahmesystems für Dosen und Einwegverpackungen gescheitert. Am Freitag läuft eine letzte Frist ab. Kommt es auch dann nicht zu einer Einigung, drohen Händlern, die Dosen und Einwegflaschen der Konkurrenz nicht zurücknehmen, von der kommenden Woche an hohe Bußgelder.



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