Dow-Jones-Übernahme Medienzar Murdoch verspricht Pressefreiheit

Murdoch bleibt hartnäckig: Noch zögern die Dow-Jones-Eigentümer, ihm ihren Medienkonzern zu verkaufen. Um sie zu überzeugen, hat der Medienmilliardär jetzt eine Kontrollinstanz vorgeschlagen, die die journalistische Unabhängigkeit garantieren soll.


New York - "Alles ist erledigt, wir warten nun nur noch auf die letztendliche Absegnung durch die Bancroft-Familie", sagte der Chef der Medienfirma News Corp heute in Warschau. News Corp. Chart zeigen habe eine mündliche Vereinbarung mit dem Medienkonzern erzielt, dass bei einem Kauf die journalistische Unabhängigkeit des Flagschiffs "Wall Street Journal" gewahrt bleibt. Demnach schlug Murdoch ein Komitee vor, wie es auch nach der Übernahme der ehrwürdigen britischen "Times" 1981 gebildet wurde. Es kann unter anderem die Ernennung eines neuen Chefredakteurs rückgängig machen.

Medienmogul Rupert Murdoch: Will die Unabhängigkeit der Nachrichten garantieren
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Medienmogul Rupert Murdoch: Will die Unabhängigkeit der Nachrichten garantieren

Murdoch verständigte sich mit der Führung von Dow Jones nach Informationen aus gut informierten Kreisen im Grundsatz auf eine Struktur, die die Unabhängigkeit des Nachrichtengeschäfts garantiere. Die Frage der redaktionellen Freiheit ist Knackpunkt der seit Wochen andauernden Übernahmegespräche. Journalisten der Dow-Jones-Zeitungen und auch die Eigentümerfamilie Bancroft fürchten eine Einmischung Murdochs in die redaktionelle Arbeit. Kritiker werfen dem Medienunternehmer vor, gekaufte Publikationen wie die britische "Times" als politisches Sprachrohr zu missbrauchen.

Murdochs News Corp hatte Anfang Mai 60 Dollar je Dow-Jones-Aktie geboten, was 65 Prozent über dem Kurs kurz vor Bekanntwerden der Offerte liegt. Insgesamt würde er fünf Milliarden Dollar (knapp 3,7 Milliarden Euro) bezahlen. Eine Erhöhung seines Angebots schloss Murdoch jedoch aus. Nach anfänglicher Ablehnung erklärten sich die Bancrofts zu Verhandlungen bereit. Die weit verzweigte Familie hält 24 Prozent des Kapitals an Dow Jones Chart zeigen, aber rund 64 Prozent der Stimmrechte. Medienberichten zufolge setzten Aktionäre von Dow Jones Familienmitglieder wegen des attraktiven Preises unter Druck, dem Verkauf zuzustimmen.

Einige Fragen seien aber noch offen, hieß es weiter. Die Bancrofts sollten noch in dieser Woche über die Fortschritte informiert werden. Die "New York Times" hatte zuletzt berichtet, die Bancrofts könnten das Übernahmeangebot immer noch ablehnen - auch wenn sich Murdoch und Dow Jones auf eine Klausel zum Schutz der Inneren Pressefreiheit verständigen sollten.

In der vergangenen Woche nahmen die Gespräche zwischen Murdoch und Dow Jones wieder Fahrt auf, nachdem die Führung des Medienkonzerns das Verhandlungsmandat von den Bancrofts übernommen hatte. Das Management befürchtet, dass sich Murdoch zurückziehen könnte, wenn die Verhandlungen zu lange dauern. Einige Analysten erwarten dann einen Kurseinbruch auf 30 Dollar.

sam/Reuters/AFP



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