Dramatischer Kursrutsch Wall Street fürchtet Immobilien-Pleite

Die Aktie des US-Hypothekenanbieters New Century verliert dramatisch. Analysten zufolge steht das Unternehmen kurz vor der Insolvenz. Die prekäre Lage schürt die Angst vor dem Platzen der US-Immobilienblase.


Irvine/New York - Die Aktien von New Century sind nach Gerüchten um eine bevorstehende Insolvenz erneut dramatisch eingebrochen. Am Freitag notierte das Papier des Hypothekenanbieters gegen 17.30 Uhr deutscher Zeit bei 3,16 Dollar, ein Minus von 18,35 Prozent - und ein dramatischer Wertverfall gegenüber dem 52-Wochen-Hoch, das bei 51,97 Dollar lag.

Aktienhandel (in Chicago): Kurssturz der Immobilien-Finanzierer geht weiter
REUTERS

Aktienhandel (in Chicago): Kurssturz der Immobilien-Finanzierer geht weiter

Das Unternehmen habe einen letzten Versuch gestartet, um einen Zusammenbruch zu vermeiden, schrieb JPMorgan-Analyst Andrew Wessel. Er rechne damit, dass New Century in der nächsten oder übernächsten Woche Gläubigerschutz nach Chapter 11 anstreben könnte. Andere Experten äußerten sich ähnlich.

New Century hatte am Donnerstag die Ausgabe neuer Kredite gestoppt und sich zunächst frisches Geld gesichert. Mit der Situation vertraute Personen gaben an, die Bank Morgan Stanley habe die Summe von mehreren hundert Millionen Dollar zur Verfügung gestellt. New Century war zunächst nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Das Unternehmen gehört zu den größten auf dem Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen ("subprime mortgages") - das sind Kredite, die an Kreditnehmer mit schlechter Bonität ausgegeben werden. Während des Booms auf dem US-Häusermarkt haben mit derartigen Krediten viele Hauskäufer ihre Eigenheime finanziert.

Viele der neuen Hausbesitzer, die Hypotheken mit variablen Zinsen vereinbart hatten, sollen nun höhere Zinsen zahlen. Die "zweitklassigen" Schuldner sind damit zunehmend überfordert, so wächst die Zahl der Not leidenden Kredite bei den Immobilienfinanzierern. Im vergangenen Jahr sind mehr als 20 dieser Unternehmen aus dem Markt ausgestiegen - manche freiwillig, einige nach einer Insolvenz.

Zusätzlich wird New Century von einem Bilanzskandal erschüttert. In der vergangenen Woche hatte der Konzern mitgeteilt, dass strafrechtliche Ermittlungen gegen ihn eingeleitet worden seien. Die Immobilienfirma räumte zudem ein, das Überleben könne von der Unterstützung der eigenen Gläubiger abhängen.

Die Probleme des US-Hypothekenmarktes haben auch europäische Banken erreicht. Die Schweizer Großbank UBS hat einem Sprecher zufolge einen Kredit an New Century ausgegeben, auch die Bank Barclays soll zu den Gläubigern gehören.

Auch die HSBC Holdings hatte jüngst einen deutlich höheren Abschreibungsbedarf für ihre US-Hypothekentochter gemeldet.

itz/mm.de/dpa/Reuters/Dow Jones



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