Dresdner Bank Ver.di favorisiert ausländischen Käufer

Die Gewerkschaft Ver.di ist offen für einen ausländischen Investor für die Dresdner Bank. Die Commerzbank als Käufer würde Filialen schließen, so die Sorge. Eine chinesische Bank ohne Zweigstellen in Deutschland ginge dagegen behutsamer mit dem Filialnetz um.


Frankfurt am Main - Die Gewerkschaft Ver.di steht einem Zusammenschluss der Dresdner Bank mit der China Development Bank (CDB) grundsätzlich offen gegenüber. "Wir haben immer gesagt, dass wir nichts gegen einen ausländischen Käufer haben. Es kommt aber immer darauf an, welches Geschäftsmodell dahinter steht", sagte ein Ver.di-Sprecher am Mittwoch. "Uns geht es vor allem um den Erhalt von Arbeitsplätzen. Jedes Konzept, das Arbeitsplätze vernichtet, ist ein schlechtes Konzept."

Banken in Frankfurt: Steigt eine chinesische Bank bei der Dresdner Bank ein?
DPA

Banken in Frankfurt: Steigt eine chinesische Bank bei der Dresdner Bank ein?

Bei einem Zusammenschluss der Dresdner Bank mit der Commerzbank, mit der der Dresdner-Mutterkonzern Allianz ebenfalls verhandelt, stünden nach Ansicht von Ver.di 20 bis 25 Prozent der Arbeitsplätze - also 10.000 bis 12.000 Stellen - auf dem Spiel. Bei einem Verkauf an ein ausländisches Unternehmen wäre das "mit großer Wahrscheinlichkeit" nicht der Fall. Der Ver.di-Sprecher betonte, die Gewerkschaft fordere bei einem Verkauf der Dresdner Bank in jedem Fall weitreichende Beschäftigungsgarantien.

Deutlicher äußerte sich dagegen eine Bankenexpertin der Gewerkschaft gegenüber SPIEGEL ONLINE: Ein ausländischer Käufer ohne Filialnetz in Deutschland habe den Vorteil, dass keine Dresdner-Bank-Geschäftsstellen in Deutschland geschlossen würden, sagte sie. "Erhält dagegen die Commerzbank den Zuschlag, kommt es sicher zu Filialschließungen - jeweils eine Filiale von Commerzbank und Dresdner Bank nahe beieinander machten dann wenig Sinn", sagte sie. Alle anderen "Risikofaktoren wie Stellenstreichungen und Einsparungen" würde es mit jedem Investor geben, egal ob die Commerzbank oder ein ausländisches Kreditinstitut einsteigt.

Eine Entscheidung der Allianz über die Dresdner Bank bahnt sich für dieses Wochenende an. Die Commerzbank gelte zwar als Favorit, die Allianz führe aber auch mit der CDB ernsthafte Gespräche, sagten mehrere Personen aus dem Umfeld des Versicherungskonzerns. Nach einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" sind die Chinesen bereit, einen deutlich höheren Betrag als die Commerzbank auf den Tisch zu legen.

Wie groß das Interesse der Chinesen an der Dresdner Bank tatsächlich ist, ist fraglich. Ein Kauf des seit 2001 zur Allianz gehörenden Geldhauses wäre eine völlige Abkehr von ihrer bisherigen Strategie. Die CDB ist in China der verlängerte Arm der Regierung. Ihre Auslandsinvestitionen müssen von dieser abgesegnet werden. Als das Institut kürzlich seinen Anteil an der britischen Bank Barclays aufstocken wollte, wurde dies von Peking untersagt.

Im Fokus der CDB stehen nach eigenen Angaben die Finanzierung von Entwicklungsprojekten und die Förderung des chinesischen Finanzmarktes. Ende 2007 erzielte das Institut eine Bilanzsumme von umgerechnet 289 Milliarden Euro und ist damit deutlich kleiner als die Dresdner Bank.

kaz/Reuters



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