Drogenpolitik Mexiko will Konsum von Cannabis erlauben

Das von Drogenkonflikten zerrissene Mexiko steht vor einer Freigabe von Marihuana für den Freizeitkonsum. Die Regierung hofft, mit der Regelung »Frieden zu schaffen« – und Drogenkartellen das Wasser abzugraben.
Aktivistin raucht Cannabis während eines Marschs für die Legalisierung am 9. März in Mexiko-Stadt

Aktivistin raucht Cannabis während eines Marschs für die Legalisierung am 9. März in Mexiko-Stadt

Foto: Carlos Ramírez / imago images/Agencia EFE

Mexiko ist auf dem Weg, Cannabis für den Freizeitkonsum freizugeben. Die Abgeordnetenkammer stimmte am Mittwoch mit 316 zu 129 Stimmen für einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Es gilt als wahrscheinlich, dass auch der Senat dem Vorhaben zustimmen wird. Dieser hatte das neue Gesetz bereits im November verabschiedet, wegen Änderungen muss er nun erneut darüber abstimmen. Künftig wäre damit der Besitz von 28 Gramm Marihuana und bis zu acht Cannabispflanzen für den Eigengebrauch legal.

Mexiko mit seinen 126 Millionen Einwohnern wäre damit nach Uruguay und Kanada der dritte Staat weltweit, der den Freizeitgebrauch der pflanzlichen Droge legalisiert. »Theoretisch entsteht dadurch der größte legale Markt der Welt, da Mexiko über große Produktionskapazitäten verfügt«, sagte Lisa Sánchez, Leiterin der Organisation »Mexiko vereint gegen das Verbrechen«.

Regelung soll helfen, »Frieden zu schaffen«

Das Gesetzesvorhaben zielt auch darauf ab, die Drogenkriminalität im Land, durch die jedes Jahr Tausende Menschen zu Tode kommen, einzudämmen. Bislang kontrollieren die mächtigen Drogenkartelle den lukrativen illegalen Handel mit Marihuana. 2020 beschlagnahmten die mexikanischen Behörden 244 Tonnen der Droge.

Anhänger der Legalisierung marschieren Anfang März durch Mexiko-Stadt

Anhänger der Legalisierung marschieren Anfang März durch Mexiko-Stadt

Foto: Carlos Ramírez / imago images/Agencia EFE

»Das Gesetz würde dazu beitragen, Frieden zu schaffen«, sagte Rubén Cayetano, Abgeordneter der Regierungspartei Morena. Die Oppositionspartei PRI, die dagegenstimmte, fürchtet hingegen, dass eine Legalisierung zu steigenden Konsumenten- und Suchtzahlen führen würde. Die PRI war bis zum Jahr 2000 über Jahrzehnte die dominierende Partei Mexikos.

Das Oberste Gericht Mexikos hatte bereits 2015 das Verbot der Freizeitnutzung von Marihuana für unrechtmäßig erklärt. In dem Land tobt seit Jahrzehnten ein brutaler Konflikt zwischen Sicherheitskräften und den auch untereinander verfeindeten Drogenkartellen. Auch deshalb gehört Mexiko zu den gefährlichsten Ländern der Welt, im vergangenen Jahr zählten die Behörden etwa 35.000 Morde. Zum Vergleich: In Deutschland waren es 2019 245.

beb/afp

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