Drohende Insolvenz Springer und Thiel streiten über Pin

Pin-Chef Thiel macht Druck: Heute soll die Entscheidung zur Zukunft des angeschlagenen Briefzustellers Pin fallen. Die Verhandlungen mit Mehrheitsaktionär Springer laufen bisher allerdings schleppend - weil beide Seiten viel zu verlieren haben.


Berlin - Die Gespräche waren bislang umsonst: Die Vertreter des angeschlagenen Postdienstleisters Pin Group und des Medienkonzerns Springer hätten sich nicht auf ein tragfähiges Übernahmemodell einigen können, sagte Springer-Sprecherin Edda Fels. Die Verhandlungen würden aber weitergeführt. Medienberichte, wonach die Gespräche beendet worden seien, wies sie zurück: "Wir prüfen alle Optionen, die seriös und wirtschaftlich fundiert sind." Zu Details wollte sie sich nicht äußern.

Briefzusteller der Pin Group: Knackpunkt der Verhandlungen ist die Aufteilung künftiger Gewinne
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Briefzusteller der Pin Group: Knackpunkt der Verhandlungen ist die Aufteilung künftiger Gewinne

Pin-Chef und Minderheitsgesellschafter Günter Thiel will dem Axel Springer Verlag die Mehrheit der angeschlagenen Pin-Gruppe zu einem symbolischen Preis abkaufen. Er hatte sein Angebot allerdings bis gestern befristet. Sollten die Verhandlungen scheitern, muss der Postdienstleister mit insgesamt 9000 Angestellten Insolvenz anmelden, weil der Springer-Verlag vergangene Woche beschlossen hat, der Firma kein Geld mehr zur Verfügung zu stellen. Begründet wurde dies mit dem Beschluss des Bundestags, einen Mindestlohn in der Postbranche einzuführen. Bislang hat Springer 620 Millionen Euro in Pin investiert.

Nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" ist der Knackpunkt der Verhandlungen die Höhe eines sogenannten Besserungsscheins, bei dem Springer nach einer Sanierung oder bei einem späteren Verkauf der Pin-Gruppe noch Geld bekommen würde. Der Medienkonzern sei zwischenzeitlich "offenbar bereit" gewesen sein, die Pin-Anteile abzugeben, wenn er dafür bis Ende 2015 30 Prozent der Gewinne oder 60 Prozent eines Verkaufserlöses bekommen würde, berichtet die Zeitung weiter. Thiel hatte der Zeitung zufolge zuletzt von 10 auf 15 Prozent für die jeweiligen Fälle erhöht.

Geldeingang bis Weihnachten

Zuvor hatte Thiel Springer zu einer schnellen Entscheidung zur Zukunft der Pin Group aufgefordert. "Wir brauchen bei Pin bis Weihnachten einen Geldeingang", sagte Thiel der "Süddeutschen Zeitung". Zwischen einer Einigung und einer Überweisung müssten ein paar Dinge organisiert werden. "Spätestens Dienstagmorgen wird man deshalb weißen oder schwarzen Rauch aufsteigen sehen." Heute tagt nach Springer-Angaben der Pin-Verwaltungsrat.

Springer-Sprecherin Fels forderte Thiel auf, statt "öffentlich Ultimaten zu stellen", seine Finanzierungsverpflichtungen zu erfüllen. "Das wäre ein glaubwürdiger Rettungsplan." Thiel sei in den vergangenen Monaten seiner Pflicht als Mitgesellschafter nicht nachgekommen, anteilsmäßig Gelder bereitzustellen, um den laufenden Betrieb sicherzustellen.

Laut "Süddeutscher Zeitung" stehen sowohl Springer-Chef Mathias Döpfner als auch Thiel unter Druck. Döpfner wolle unbedingt eine hohe Erfolgsbeteiligung aushandeln, damit es nicht so aussehe, als habe er sich über den Tisch ziehen lassen, sollte Pin doch saniert werden. Gleichzeitig bedeute die drohende Pleite einen erheblichen Imageschaden für Springer. Thiel könne darauf allerdings nicht eingehen, weil er für die riskante Sanierung neue Geldgeber brauche, die er nur mit künftigen Gewinnen locken könne.

sam/dpa-AFX



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