Drohender Zahlungsstopp Griechischer Finanzminister warnt vor Katastrophe

Er warnt vor schlimmen Folgen: Der griechische Finanzminister Papaconstantinou rechnet mit einer Katastrophe für die Wirtschaft seines Landes, sollte Griechenland keine weiteren Kredite mehr bekommen. Deutschland hatte dem Staat mit einem Zahlungsstopp gedroht.

Finanzminister Papaconstantinou bei einer Rede am 2. Mai: "Heftiges Schrumpfen"
AP

Finanzminister Papaconstantinou bei einer Rede am 2. Mai: "Heftiges Schrumpfen"


Athen/Brüssel - Griechenlands Finanzminister Giorgos Papaconstantinou hat vor einer "Katastrophe" gewarnt, falls die Notkredite an sein Land gestoppt werden. Die Folge wäre ein "sehr heftiges und schnelles Schrumpfen" der griechischen Wirtschaft, sagte Papaconstantinou in einem Interview mit der finnischen Zeitung "Helsingin Sanomatsaid". Er sei sich jedoch sicher, dass in den laufenden Gesprächen eine Lösung gefunden werde.

Experten der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) prüfen derzeit, ob das Land beim vereinbarten Abbau seiner Schulden von rund 350 Milliarden Euro vorankommt. Von der Untersuchung hängt ab, ob die fünfte Tranche über zwölf Milliarden Euro der internationalen Notkredite ausgezahlt wird.

Die Athener Zeitung "To Vima" berichtete unter Berufung auf einen hohen Funktionär des Athener Finanzministeriums, dass die Verhandlungen mit EU, IWF und EZB bereits abgeschlossen seien.

Hoffnung auf Griechenland-Hilfe treibt Dow Jones an

Der Bericht zur Finanzlage Griechenlands werde in "den kommenden Tagen" bekannt gemacht, sagte der Sprecher von EU-Währungskommissar Olli Rehn. Ein EU-Diplomat nannte kommenden Montag als möglichen Termin. Das Ende der Prüfung durch die Troika-Experten wurde bereits mehrfach verschoben. Griechenland hatte im vergangenen Jahr internationale Notkredite über insgesamt 110 Milliarden Euro zugesprochen bekommen.

Inzwischen mehren sich Spekulationen, dass Griechenland trotzdem ab 2012 weitere Kredite benötigen könnte. Eine zweite Nothilfe über rund 60 Milliarden Euro könnte nötig sein. Papaconstantinou sagte, "es ist zu früh, um über eine mögliche weitere Unterstützung zu sprechen". Erst müsse sich zeigen, ob sein Land im kommenden Jahr sich wieder selbst Geld am Finanzmarkt leihen könne.

Anleger rechnen offenbar zunehmend mit einer Rettung Griechenlands. Sowohl der Euro als auch die Rohstoffpreise legten zu. Der Euro lag zu Börsenschluss bei 1,4380 Dollar. Dow Jones, S&P-500 und Nasdaq starteten mit Aufschlägen von rund einem Prozent in die Handelswoche. Der Risikoappetit der Anleger steige wieder, sagte Analyst Peter Cardillo von Avalon Partners.

seh/AFP/Reuters

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xhugo 31.05.2011
1. Hoffentlich
dreht da mal jemand den Geldhahn zu - damit all die Spekulationen gegen das eine oder andere Euroland endlich aufhören. Denn wer nicht mehr zurückzahlen tut, gegen den lohnt auch keine noch so gut verzinste Spekulation! Und Griechenland würde Vorreiter darin zu zeigen, wie eine Wirtschaft ohne Fremdkapitalbelastung funktioniert - dieses Wissen werden wir über kurz oder lang alle brauchen. Vielleicht merken ja dann auch die Kapitalgeber, das sich nur dort Geld verdienen läßt, wo breite Bevölkerungsschichten an der Wertschöpfung beteiligt werden und diese nicht nur zur Zinstilgung zugunsten weniger abgeschöpft wird. Solange wir den Banken die Gewinne finanzieren durch Staatsverschuldung, solange wird die Krise kein Ende nehmen.
xeniabloom 31.05.2011
2. Bitte-bitte,
Zitat von sysopEr warnt vor schlimmsten Folgen: Der griechische Finanzminister Papaconstantinou rechnet mit einer Katastrophe für*die Wirtschaft seines Landes, sollte Griechenland keine weiteren Kredite mehr bekommen. Deutschland hatte dem Staat mit einem Zahlungsstopp gedroht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/0,1518,765997,00.html
Herr Schäuble, geben Sie Ihrem griechischen Kollegen keinen Cent mehr. Er ist durchaus in der Lage sein Land selbst zu retten: Steuerflucht eindämmen, Gold verkaufen, Staatsbesitz veräußern. Junge Griechen campieren am Syntagma-Platz; auch sie wollen selbst dazu beitragen, dass dieses korrupte System fällt und nicht konserviert wird. Jede weitere Geldhilfe an Griechenland ist gegen die Demokratie und gegen das Volk gerichtet. Sie zementiert den status quo. Der Sumpf gehört ausgetrocknet, er ist nicht zu reformieren. Die Griechen müssen selbst das Steuer in die Hand nehmen und nicht die Schuld bei uns suchen.
Dr. Martin Bartonitz 31.05.2011
3. Ist unser Geldsystem nicht eh am Ende?
Haben Sie sich schon mal Gedanken darüber gemacht, was unser Geldsystem mit uns macht, wie es tickt? Dass es wie ein Schneeballsystem wirkt? Jeder weiß, dass man dabei nicht mitmachen sollte, zumindest nicht, wenn es schon länger läuft. Genauso geht das mit unseren Zinsen. Woher soll der geforderte Zins, d.h. das zusätzliche Geld denn kommen. Klar, von neuen Krediten. D.h. von immmer mehr Krediten. Und wenn der Privatmann keinen Kredit mehr zurückzahlen kann, dann springt eben der Staat ein, weil der nich pleite gehen kann. Aber wie wir sehen, ist nun der erste Staat soweit. Und da wir hier alle mit drinstecken, wird die Lawine nun losgehen. Ok, dann stellen wir wieder alles auf Null und fangen von vorne an? Nein, bitte nicht!! Wir sind doch logisch denkende Menschen und sollte es daher besser machen können. Ich habe mich seit einige wochen dafür interessiert, was es mit der Finanzkrise auf sich hat und habe diesen interessanten Artikel gefunden: http://bit.ly/mqimWH Sollten wir besser fließendes Geld benutzen?
freierFranke59 31.05.2011
4. Schulden machen süchtig
es kommt einem vor wie das Betteln eines Junkies um die nächste Dosis. das Ende ist meistens vorhersehbar.
heinz.mann 31.05.2011
5. Das wird früher oder spätert kommen....
die Konjunktur in Griechenland springt nicht an, wird zudem kaputt gespart und der Staat muß immer neue Schulden aufnehmen. Irgendwann ist Schluss. Der Euro wird auseinanderbrechen, spätestens wenn Irland und Spanien sowie Portugal ähnliche Probleme haben. Allein dass die Ratinggenturen amerikanisch sind und für die USA Bestnoten vergeben rettet derzeit übrigens die USA vor Refinanzierungsproblemen.
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