Drohneneinsätze "Den Knopf drücken die anderen"

Laut einer neuen Studie verdienen europäische Firmen an US-Drohneneinsätzen. Der Journalist Pratap Chatterjee erklärt die Hintergründe des Geschäfts.
US-Drohne RQ-1 Predator

US-Drohne RQ-1 Predator

Foto: Technical Sgt. James L. Harper J/ dpa
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Foto: Getty Images for Amnesty International USA

Pratap Chatterjee, 53, beschäftigt sich seit mehr als zehn Jahren mit der Frage, welche Unternehmen von den etwa in Afghanistan und im Irak geführten Kriegen profitieren. Er veröffentlichte dazu Artikel in der "New York Times", im "Guardian" und im "Independent". Seine Arbeiten wurden mehrfach ausgezeichnet, etwa von der "National Newspaper Association" oder dem "Project Censored".

SPIEGEL ONLINE: Sie haben Hunderte Studien und Regierungsdokumente zum Drohneneinsatz der Amerikaner studiert, was zeigen die?

Chatterjee: Sie zeigen vor allem, wie sehr sich Unternehmen in diese fragwürdige, milliardenschwere Kriegsführung haben einbinden lassen. Der Drohnenkrieg in Ländern wie Afghanistan wird wohl zu 50 Prozent von privaten Unternehmen bestritten. Allein für das computergestützte Bodensystem, quasi das Hirn der Operation, sind 160 Firmen angeheuert worden. Ihre Namen stehen in der Datenbank der Regierungsaufträge.

SPIEGEL ONLINE: Welche Firmen waren das?

Chatterjee: Normale IT-Firmen. Verträge über Drohnentechnologie werden mit den üblichen Verdächtigen wie General Atomics oder Northrop Grumman abgeschlossen. Aber selbst die Steuerung mancher Drohnen wird ausgelagert.

SPIEGEL ONLINE: Das macht nicht das Militär?

Chatterjee: Die meisten Drohnen werden von Soldaten geflogen, aber viele von denen quittieren ihre Jobs wegen des psychischen Drucks. Deshalb bezahlt die Armee auch private Firmen wie etwa Aviation Unmanned in Texas. Die Firma wird von Militärveteranen geführt und hat Drohnenpiloten im Angebot. Nur wenn es ans Töten geht, müssen diese Auftragnehmer abgelöst werden. Den Knopf drücken die anderen - das muss ein Soldat machen.

SPIEGEL ONLINE: Sind europäische Firmen beteiligt?

Chatterjee: Ja, die britische Firma BAE Systems als einer der größten europäischen Rüstungsproduzenten ist etwa mit Drohnensoftware ebenso beteiligt wie Satellitenfirmen - etwa Intelsat oder SES, die in Luxemburg sitzen.

SPIEGEL ONLINE: Warum die?

Chatterjee: Die Daten der Drohnen werden über Satelliten in die USA geschickt. Die amerikanischen Militärsatelliten sind allerdings überlastet. Deswegen nutzt die US-Armee die europäischen Stationen.

SPIEGEL ONLINE: Könnten die Firmen das verhindern?

Chatterjee: Natürlich, aber sie wollen das offenbar gar nicht, weil dies lukrative Verträge sind. Allerdings gab es bereits Klagen gegen einige Firmen wegen Verstößen gegen OECD-Grundsätze.

SPIEGEL ONLINE: Welche Rolle spielt Deutschland?

Chatterjee: Nach bisherigem Wissen die einer so enannten Relaisstation zur Datenübertragung. Die Drohnendaten werden über US-Stützpunkte in Südkorea, Hawaii, Kalifornien, aber auch über Ramstein in die USA übermittelt, wo dann die Raketen per Knopfdruck ausgelöst werden. Und eben oft Unschuldige treffen.

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