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MANNESMANN-AFFÄRE Druck auf die Justiz

aus DER SPIEGEL 49/2002

Mit gezielten Interventionen bei hochrangigen NRW-Politikern versuchen die Verdächtigen in der Mannesmann-Affäre, eine drohende Anklage durch die Staatsanwaltschaft Düsseldorf doch noch abzuwenden. Förmlich belagert wurde in den vergangenen Tagen der frisch gekürte NRW-Justizminister Wolfgang Gerhards. In einem elfseitigen Schreiben vom 13. November fordert der Strafverteidiger von Ex-Mannesmann-Chef Klaus Esser ihn sogar auf, persönlich einzugreifen und die ermittelnden Staatsanwälte zur Räson zu bringen. Der Vorgänger Gerhards', Jochen Dieckmann, so beschwerte sich Esser-Verteidiger Sven Thomas, habe auf Dienstaufsichtsbeschwerden nicht selbst oder falsch reagiert. Das gesamte Ermittlungsverfahren, behauptet Thomas erneut, sei fehlerhaft und willkürlich. Um das »Ansehen der Justiz« nicht weiter zu schädigen, so der Esser-Verteidiger, sei ein persönliches Gespräch mit dem Justizminister dringend geboten. Doch genau wie sein Vorgänger lehnte Gerhards solch rechtswidrige Eingriffe in ein laufendes Verfahren ab. Schon wenige Tage später versuchten Thomas und später auch Esser selbst, mit persönlichen Anrufen im Ministerbüro Gesprächstermine zu erhalten. Auch bei der Einweihung der NRW-Repräsentanz vergangenen Donnerstag in Berlin ließen Lobbyisten nicht locker. Im NRW-Justizministerium ist man »befremdet« über die Versuche, Druck auf die Staatsanwaltschaft auszuüben: »Auch Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und des öffentlichen Lebens«, so Justizsprecher Dieter Wendorff, »sollten zur Kenntnis nehmen, dass wir uns in einem Rechtsstaat befinden.« Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit 20 Monaten gegen Esser und diverse ehemalige Aufsichtsratsmitglieder des Mannesmann-Konzerns wie Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann, IG-Metall-Chef Klaus Zwickel und Ex-Mannesmann-Aufsichtsratschef Joachim Funk wegen des Verdachts der Untreue. Unmittelbar nach der Übernahme des Mannesmann-Konzerns durch Vodafone hatten Aufsichtsräte und Manager des Konzerns in einer beispiellosen Versorgungsorgie rund 250 Millionen Mark Abfindungen und Prämien an Führungskräfte und Pensionäre verteilt.

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