Druck aus USA BP zieht sich aus Iran zurück

Der britische Ölkonzern BP will seine Geschäfte in Iran einfrieren. Die iranische Regierung bezeichnet dies als "unfreundlichen Akt". Auch der deutsche Stahlkonzern ThyssenKrupp hatte auf Druck der USA einen iranischen Vertreter aus dem Aufsichtsrat gedrängt.


Verteilerkreuz der Firma Wintershall: Nicht freundliche Vorgehensweise
DPA

Verteilerkreuz der Firma Wintershall: Nicht freundliche Vorgehensweise

Teheran - Die iranische Regierung hat den Entschluss der Ölfirma BPChart zeigen, seine Geschäfte im islamischen Religionsstaat einzufrieren, als einen "unfreundlichen Akt" bezeichnet. BP-Chef John Browne hatte am Sonntag erklärt, wegen der starken Präsenz in den USA sei es für seine Firma unpraktisch, diese Geschäftsbeziehung weiterhin aufrecht zu erhalten. "Im Augenblick wäre es ein Affront gegen die USA, in Iran Geschäfte zu machen, und daher nicht im Interesse von BP". Der "Sunday Times" sagte Brown: "Politisch läuft das mit dem Iran nicht ... ich hoffe, dass es eines Tages geht."

Entsprechend verschnupft reagierten die Vertreter Irans. "Wir halten das für eine nicht freundliche Vorgehensweise und wir werden sie nicht vergessen", sagte Irans Öl-Minister Bidschan Sanganeh heute. "Wir glauben, dass BP diesen Schritt für die Amerikaner getan hat."

Shell und Total weiter im Iran tätig

US-Sanktionen gegen den Iran erlauben es der Regierung in Washington, Strafen gegen Firmen zu verhängen, die in Iran investieren. Während große US-Ölfirmen nicht in Iran präsent sind, sind europäische Firmen wie Royal Dutch/Shell und Total Chart zeigen an mehreren Projekten beteiligt.

Im Unterschied zu BP sieht Total weiter eine Perspektive in Iran: "Wir haben in der Vergangenheit erfolgreich mit der nationalen iranischen Ölgesellschaft zusammengearbeitet und werden dies auch in Zukunft tun", sagte eine Konzernsprecherin dem "Handelsblatt". Die Nummer drei in Europa ist in Iran unter anderem an der Entwicklung des derzeit größten Gasfeldes der Welt beteiligt.

Auch Royal Dutch/Shell sehe keinen Anlass, sich aus Iran zurückzuziehen. "Wir glauben an das langfristige Geschäftspotenzial dort. Bei Investitionsentscheidungen werden wir aber selbstverständlich die Meinung von Regierungen und von unseren Aktionären berücksichtigen", sagte ein Sprecher gegenüber der Zeitung. Der Konzern gehöre allerdings ohnehin nicht zu den großen Investoren in Iran. Shell entwickele ein Ölfeld und verhandele als Teil eines Konsortiums mit Repsol über den Bau einer Anlage zur Gasverflüssigung.

Halliburton weiterhin im Iran aktiv

Energiekonzerne aus Indien, Japan und China hätten sich dagegen zu Investitionen in Milliarden-Höhe entschlossen - selbst wie im Fall des japanischen Konzerns Inpex gegen starken Druck aus den USA. Aber auch das US- Ölservice-Unternehmen Halliburton sei weiterhin im Iran aktiv.

In der vergangenen Woche hatte der Stahlkonzern ThyssenKrupp Chart zeigen wegen des Drucks der USA darauf verzichtet, Vertreter des Irans für die Neuwahl des Aufsichtsrats vorzuschlagen, und damit einen seiner wichtigsten Investoren brüskiert.

Die USA werfen Iran unter anderem vor, nach Atomwaffen zu streben. Iran hat dies zurückgewiesen. US-Präsident George W. Bush hatte betont, dass ein Angriff eine Option wäre, wenn der Iran sein Atomprogramm nicht offen legt.



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