Dubai-Hotelfonds Auf der Spur eines 107-Millionen-Euro-Phantoms

Ein Traumhotel in Dubai und hohe Renditen für die Anleger - was ein Fondsinitiator aus Hamm einst versprach, klang verheißungsvoll. Inzwischen wird gegen den Ex-Finanzbeamten wegen Betrugsverdachts ermittelt. Der Initiator könnte seinen wichtigsten Anleger mit Sitz in der Karibik schlicht erfunden haben.

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Hamm/Dubai/Dortmund - Es geht um einen geschlossenen Immobilienfonds, mit dessen Geldern einmal das größte Vier-Sterne-Hotel im arabischen Raum entstehen soll, betrieben von der Maritim-Gruppe. Es geht auch um einen jungen Finanzwirt und Steuerexperten aus Hamm in Westfalen, der den Fonds aufgelegt hat, und der Anlegern Ausschüttungen zwischen neun und zwölf Prozent pro Jahr versprach. Vor allem aber geht es um eine mysteriöse Firma in der Karibik, die in diesen Fonds angeblich 107 Millionen Euro eingezahlt hat - Geld, dass aber bislang offenbar kaum jemand zu Gesicht bekam.

Baustellen in Dubai: Kaum erkennbare Fortschritte beim Traumhotel
REUTERS

Baustellen in Dubai: Kaum erkennbare Fortschritte beim Traumhotel

Schon vor Monaten berichtete manager-magazin.de, dass sich in der Wüste Dubais möglicherweise ein neues Anlagedesaster anbahnt. Das Objekt des Hotelfonds "Dubai 1000", ein Luxushotel, ausgestattet mit 1000 Zimmern und 50 sogenannten Ownersuiten, hätte laut Prospekt bereits im Juli 2007 eröffnen sollen. Tatsächlich befand sich aber auf dem angeblichen Bauplatz zu jenem Zeitpunkt lediglich eine riesige Baugrube, umgeben von einigen Baucontainern und einem mehrere hundert Meter langen Zaun.

Selbst wenn unter Hochdruck weitergearbeitet würde, so schätzten Experten seinerzeit, war eine Eröffnung der Nobelherberge frühestens zwei Jahre später zu erwarten. Worauf schon damals wenig hindeutete, erscheint inzwischen noch unwahrscheinlicher. Und das liegt nicht nur daran, dass beim Bau seit Herbst 2007 kaum erkennbare Fortschritte gemacht wurden.

Grund ist vielmehr, dass der Initiator des Fonds, Finanzwirt Georg Recker aus Hamm, nach Informationen von manager-magazin.de das Geld für das Hotelprojekt womöglich nicht einmal annähernd zusammenbekommen hat. Seit Herbst vergangenen Jahres ermittelt zudem die Staatsanwaltschaft Dortmund gegen Recker und dessen Kompagnon Andreas Mautner. "Auslöser der Ermittlungen war eine Geldwäscheverdachtsanzeige seitens einer Bank", bestätigt die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel. "Der Verdacht in dem konkreten Fall hat sich aber inzwischen aufgelöst." Laut Holznagel drehen sich die Ermittlungen inzwischen darum, ob das Geld der Anleger generell seinem Zweck entsprechend verwendet wird, ob also in Dubai tatsächlich ein Hotel gebaut wird. Im Raum stehe inzwischen der Verdacht des Kapitalanlagebetrugs.

Anleger entpuppte sich als wenig solvent

Rund 143 Millionen Euro beträgt das Investitionsvolumen des "Dubai 1000 Fonds" laut Emissionsprospekt. Mindestens die Hälfte musste Recker als Eigenkapital bei Anlegern plazieren, der Rest konnte fremdfinanziert werden. Nach Informationen von manager-magazin.de zeichneten hierzulande aber tatsächlich nur knapp tausend Anleger Anteile im Volumen von rund 24,8 Millionen Euro. Ein Anleger wollte zwar weitere zehn Millionen Euro übernehmen, entpuppte sich aber als wenig solvent - angeblich ist dies der Grund dafür, dass für den Fonds auch nach Schließung noch Geld eingeworben wurde.

Nicht einmal die vielfach kolportierten 70 Millionen Euro, die Recker bei einer Markterhebung einmal als Plazierungsstand angegeben hatte, hat er also wirklich zusammenbekommen. Hinzu kommt: Von den knapp 25 Millionen Euro, die bis Mitte 2006 beim Fonds in Deutschland eingingen, wurden nach Informationen von manager-magazin.de lediglich 18,5 Millionen Euro nach Dubai überwiesen.

Damit aber längst nicht genug: Obwohl das Interesse der Anleger in Deutschland deutlich geringer war, als von Initiator Recker erhofft - und auf zahllosen Vertriebstrips nach Dubai vor teils staunendem Publikum vorausgesagt -, wurde der Fonds Mitte 2006 beim Eigenkapitalstand von etwa 143 Millionen Euro geschlossen.

Wer ist Losna Limited?

Wie das? Quasi in letzter Minute fand sich offenbar ein rettender Großanleger. Die Losna Limited, ansässig auf der Karibikinsel Commonwealth of Dominica, soll 107 Millionen Euro in den Fonds gezahlt haben - just die Summe, die noch fehlte. Doch wer oder was ist Losna? Weder Recker noch sonst jemand bei der Unternehmensgruppe in Hamm war zu erreichen, um darauf eine Antwort zu geben.

Auch Andreas Mautner wollte sich nicht äußern. Reckers Anwälte von der Kanzlei Kempf & Dannenfeldt in Frankfurt schweigen ebenso wie Markus Lachs, Treuhänder des "Dubai 1000 Fonds", von der Mainzer Kanzlei Böckel, Graffert, Baur & Lachs. Letzterer enthält sich pflichtgemäß jeder Auskunft zur Anlegerschaft.

Nach Informationen von manager-magazin.de ergaben auch Razzien, die Anfang März in den Geschäftsräumen der Unternehmensgruppe Recker in Hamm sowie in den Privaträumen von Recker und Mautner in Stuttgart und Ense bei Soest durchgeführt wurden, in Sachen Losna nichts. Zu sämtlichen Anlegern konnten dabei Akten sichergestellt werden - nur von der geheimnisvollen Gesellschaft mit Sitz in der Karibik hing kein Hängeregister im Schrank. Wie Oberstaatsanwältin Holznagel bestätigte, wurden allerdings rund eine Million Euro, die sich auf dem Konto des Fonds befanden, zunächst sichergestellt.

Zu Losna und den mysteriösen 107 Millionen Euro wollte Holznagel indes keinen Kommentar abgeben. Klar ist jedoch: Sollte es sich bei den Losna-Millionen um eine Luftnummer handeln, mit denen die Tatsache verschleiert werden soll, dass der Fonds mangels Volumen nicht annähernd in der Lage ist, seinen Geschäftszweck zu erfüllen, dann wäre der Betrug nachgewiesen.

Anwälte raten von Klagen ab

Anleger sollten nach Ansicht von Experten dennoch vorläufig stillhalten. "Solange nicht klar ist, wo das Geld ist und ob eine Zugriffsmöglichkeit darauf besteht, raten wir von übereilten Klagen gegen den Initiator ab", sagt Rechtsanwalt Jens-Peter Gieschen von KWAG in Bremen. Laut Gieschen gibt es auf offiziellem Wege kaum Möglichkeiten, auf Konten beispielsweise in Dubai zuzugreifen.

"Die Investoren sollten zunächst mal die Beteiligung aus wichtigem Grund kündigen und eine Frist für die Rückzahlung setzen", rät er. "Außerdem sollten die Anleger die Einberufung einer außerordentlichen Gesellschafterversammlung verlangen. Im Zweifel müsste hier die Fondsgeschäftsführung ausgewechselt werden."

Ein Wechsel zeichnet sich möglicherweise auch beim Hotelbetreiber ab. Bei Maritim in Bad Salzuflen jedenfalls beobachtet man das Geschehen offenbar aufmerksam.

"Auch Maritim hat Kenntnis von dem staatsanwaltschaftlichen Ermittlungsverfahren, da die Kriminalpolizei diesbezüglich zu uns Kontakt als potenziell Geschädigter aufgenommen hat", schreibt die Maritim-Aufsichtsratsvorsitzende Monika Gommolla in einer Stellungnahme an manager-magazin.de. "Zur Zeit warten wir auf die von uns beantragte Akteneinsicht, um dann über unser weiteres Vorgehen gegen Herrn Georg Recker zu entscheiden."



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