Immobilienkäufe Putin-Vertraute sollen Vermögen in Dubai geparkt haben

Sonne, Strand und Luxushotels: In Dubai entgehen reiche Russen den westlichen Sanktionen. Das gilt einem neuen Datenleck zufolge auch für Vertraute des russischen Präsidenten.
Das Burj al-Arab in Dubai: 5000 Russen unter den Besitzern

Das Burj al-Arab in Dubai: 5000 Russen unter den Besitzern

Foto: Jon Gambrell / AP

Reiche Menschen aus aller Welt, darunter auch sanktionierte Russen, versuchen offenbar, ihr Geld durch Immobilienkäufe in Dubai vor Steuern und Sanktionen in Sicherheit zu bringen. Das zeigt ein Datenleck, dass die »Süddeutsche Zeitung« zusammen mit 20 internationalen Recherchepartnern ausgewertet hat. Die Daten stammen aus dem Grundbuch von Dubai von Anfang 2020. Die Recherchepartner unter Koordination der norwegischen Finanzzeitung »E24« haben den Enthüllungen den Titel »Dubai uncovered« gegeben.

Die Daten waren dem Center for Advanced Defense Studies (C4ADS) in Washington zugespielt worden, einer Organisation, die internationale Kriminalität und Konflikte untersucht. Insgesamt finden sich in den Daten mehr als 5000 Bürger Russlands als Eigentümer von mehr als 9700 Immobilien in Dubai. Dubai hat sich den internationalen Sanktionen gegen vermögende Russen bislang nicht angeschlossen.

Die Journalisten konnten eigenen Angaben zufolge gut hundert Mitglieder der politischen Elite Russlands, Beamte und russische Geschäftsleute identifizieren, denen Luxusapartments und Villen in Dubai gehören. Viele davon stehen demnach dem Kreml und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nahe.

Kadyrow-Vertrauter soll Wohnungen und Villa besitzen

Einer von ihnen ist dem Bericht zufolge Ruslan Baisarow, ein Vertrauter des tschetschenischen Machthabers Ramsan Kadyrow. Kadyrow unterstützt Putins Invasion in der Ukraine militärisch. Baisarow, der bislang auf keiner internationalen Sanktionsliste steht, gehören demnach fünf Wohnungen und eine Strandvilla auf der künstlichen Insel Palm Jumeirah. Der Bericht nennt zudem Roman Lyabikhow, Mitglied der Kommunistischen Partei Russlands, den mehrere westliche Staaten sanktioniert haben.

Eine andere Wohnung auf Palm Jumeirah soll auf den Duma-Abgeordneten Alexander Borodai von Putins Partei Einiges Russland registriert seien. Er wurde kurz nach Russlands Invasion der Ukraine im Jahr 2014 als Regierungschef der selbst ernannten Volksrepublik Donezk bekannt. Die USA, die EU und Großbritannien haben auch ihn sanktioniert.

Insgesamt umfasst das Datenleck etwa 800.000 Eigentumsanteile an Immobilien in Dubai sowie 274.000 Personen und Firmen aus fast 200 Ländern und Territorien. Bürger und Firmen aus Indien und Großbritannien bilden die größten Gruppen, gefolgt von Pakistan und Saudi-Arabien. Mehr als 2000 in dem Datenleck enthaltene Eigentümer wohnen in Deutschland, auf sie entfallen knapp 4500 aufgeführte Immobilien.

In den Daten finden sich der »Süddeutschen Zeitung« zufolge zudem die Namen mehrerer Verdächtiger, gegen die Behörden unter anderem in Deutschland, Dänemark und Belgien wegen steuerschädlicher Cum-ex-Aktiengeschäfte ermitteln. Prominentestes Beispiel sei der Brite Sanjay Shah, der im Verdacht steht, mit seinem Hedgefonds den dänischen Fiskus um umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro erleichtert zu haben – auch unter Ausnutzung deutscher Banken. Shah bestreitet jedes Fehlverhalten.

Die Daten sind offenbar auch den deutschen Steuerbehörden bekannt. Seit rund elf Monaten werten dem Bericht zufolge Finanzbeamte mehrerer Bundesländer einen fast identischen Datensatz aus, den die Bundesregierung im Juni 2021 für etwa zwei Millionen Euro gekauft hatte.

In Bayern gehen Ermittler der SZ zufolge in sechs Fällen dem Verdacht einer Steuerstraftat nach, bei insgesamt 281 Prüffällen. Das Saarland bestätigte der Zeitung Fälle »im niedrigen einstelligen Bereich«; auch Baden-Württemberg nannte eine einstellige Zahl an Ermittlungsverfahren.

jlk/AFP