Dubiose Angebote T-Aktie auf der Schlachtbank

Telekom-Chef Ron Sommer wollte offenbar sechs Investmentbanken dazu überreden, keine großen Pakete der T-Aktie auf den Markt zu werfen. Die Börse reagiert empört, der Telekom-Kurs stürzt ab.


Will Investoren fester an die Deutsche Telekom binden: Ron Sommer
AP

Will Investoren fester an die Deutsche Telekom binden: Ron Sommer

New York - An der Frankfurter Börse fiel die T-Aktie Chart zeigen in der ersten Handelsstunde um mehr als vier Prozent auf 18,27 Euro. Bis zum Mittag ging die Talfahrt in Richtung 18 Euro weiter. Damit markiert der Kurs auf ein neues Drei-Jahres-Tief.

Unter Berufung auf in Frankfurt ansässige Banker, hatte die "Financial Times" berichtet, die Deutsche Telekom habe mit sechs Banken ein gentleman agreement getroffen. Durch Zurückhaltung bei Verkäufen von größeren Aktienpaketen solle der Aktienkurs gestützt werden. Als Gegenleistung bot Sommer den Banken an, sie als "bevorzugte Partner" bei künftigen Aktien- und Bond-Offerten zu behandeln. Solche Verabredungen wurden nach Informationen mit der "Financial Times" mit der Deutschen Bank, der Dresdner Kleinwort Wasserstein, Goldman Sachs, Merrill Lynch, Credit Suisse First Boston und Schroder Salomon Smith Barney getroffen.

Die Telekom hat den Zeitungsbericht bereits dementiert. "Es gibt keine solche Ansinnen von der Telekom", sagte Unternehmenssprecher Ulrich Lissek.

Die Übereinkunft erklärt der "FT" zufolge auch, warum der Telefon-Konzern der Deutschen Bank habe androhen können, künftige keine Geschäfte mit ihr zu machen. Das Bankhaus hatte in der vorigen Woche Telekom-Aktien im Wert von 890 Millionen Dollar für einen nicht genannten Großinvestor verkauft.

Noch nicht ganz klar ist, ob dieses Geschäft noch ein juristisches Nachspiel hat. Nach einem Bericht des "Wall Street Journal Europe" soll nämlich der Auftraggeber der Deutschen Bank mit dem Verkauf der 44 Millionen T-Aktien gegen eine Haltefrist verstoßen haben.

Wie das Wirtschaftsblatt berichtet, habe der Auftraggeber, der eigentlich einer Haltefrist unterlegen habe, die Aktien einem Schwesterunternehmen übertragen, welches keine Halte-Vereinbarung unterzeichnet hatte. Dieses habe dann die Aktien über die Deutsche Bank verkauft. Somit sei die Haltevereinbarung gebrochen worden, hieß es.

Die Telefon-Gesellschaft Hutchison Whampoa aus Hongkong hat unterdessen bekräftigt, nicht der Auftraggeber des Aktienverkaufs gewesen zu sein. Hutchison halte weiterhin die 4,9-prozentige Beteiligung an der Deutschen Telekom und sehe diese als langfristiges Investment an.



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