Düstere Gewinnprognosen Aldi-Lieferant Medion schockt Börse

Die Zeiten zweistelliger Zuwachsraten sind längst vorbei, der Aldi-Lieferant Medion steckt tief in der Krise. Heute schockte der Elektronikhersteller die Börse mit äußerst trüben Gewinnaussichten für 2005 und 2006 - daraufhin brach der Aktienkurs dramatisch ein.

Essen - Das operative Ergebnis (Ebit) werde 2005 von 90 Millionen Euro im Vorjahr auf 19 Millionen Euro sinken, teilte Medion   in Essen mit. Marktteilnehmer hatten mit rund 50 Millionen Euro gerechnet. Der Gewinneinbruch erkläre sich durch die hohen Restrukturierungs- und die gestiegenen Service- und Vertriebskosten, hieß es. Der Umsatz dürfte rund 2,5 Milliarden Euro erreichen, im 2004 hatte er bei 2,62 Milliarden Euro gelegen.

Aufgrund der geplanten Bereinigung des Produktportfolios und der schwierigen konjunkturellen Situation in Deutschland und auf wichtigen Auslandsmärkten werde der Umsatz im laufenden Jahr außerdem noch hinter dem von 2005 zurückbleiben. "Wir verzichten bewusst auf Umsätze, die im Verhältnis zum Ertrag mit zu hohem Transaktionsaufwand verbunden sind und keinen positiven Ergebnisbeitrag liefern", verteidigte Finanzvorstand Christian Eigen die düsteren Aussichten. Ziel sei es, sich auf zukunftsträchtige Produkt- und Geschäftsbereiche zu konzentrieren.

"Medion hat endgültig verspielt"

An der Börse brach die im MDax gelistete Aktie des Unternehmens nach den trüben Prognosen gegen den Trend zunächst um mehr als 20 Prozent auf 9,40 Euro ein und lag später mit 10,11 Euro immer noch um rund 15 Prozent unter dem Vortageskurs. Gleichzeitig stieg der MDax um 0,33 Prozent auf 7521 Punkte.

Vor einem Jahr hatte die Aktie noch bei 17,50 Euro gelegen, zwischenzeitlich hatte das Unternehmen jedoch mehrere Gewinnwarnungen veröffentlicht. "Medion hat endgültig das Vertrauen verspielt", sagte ein Marktteilnehmer. Ein anderer Börsianer sprach von einem "grausamen Schauspiel".

Trotz des Gewinneinbruchs plant der Medion-Vorstand jedoch die Ausschüttung einer Dividende. "Es werden zurzeit Möglichkeiten geprüft, um eine höhere Dividende als rechnerisch aus dem erwarteten Ergebnis ableitbar an die Aktionäre auszuschütten", teilte Medion mit. Bereits 2004 hatte der Konzern einen Gewinnrückgang nach Steuern auf 50,7 Millionen Euro verbucht und den Aktionären eine von 70 auf 55 Cent gekürzte Dividende gezahlt.

Medion vertreibt Elektronik- und Elektroartikel - vom Toaster bis zum Plasmabildschirm - über Einzelhändler wie Aldi, Tchibo, Metro, die britische Tesco   oder die französische Carrefour  . Diese Vertriebsform und der dazugehörige Kundendienst verursachen enorme Kosten. Gleichzeitig spürt Medion den Preisverfall vieler Artikel.

2004 war das Unternehmen in den Sog der Konjunkturschwäche geraten. Hinzu kamen hohe Fixkosten und sinkende Absatzpreise, so dass sich der Überschuss damals auf 50,7 Millionen Euro halbierte. Vor 2004 hatte Medion jährliche Zuwachsraten von 20 Prozent und mehr verbucht. 2003 etwa hatte der Jahresgewinn noch bei 103,1 Millionen Euro erwirtschaftet.

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