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USA Dunkle Mächte

Ein US-Konzern schafft sein altes Firmenzeichen ab - weil es nach Ansicht religiöser Fanatiker dem Teufel dient. *
aus DER SPIEGEL 19/1985

Bei Amerikas Frauen war die Weltfirma Procter & Gamble bislang immer gut angesehen. Kaum ein Haushalt, in dem nicht Produkte des Konzerns benutzt wurden: Waschpulver wie Dash und Ariel etwa, die Seife Camay oder Babywindeln der Marke Pampers galten als erste Wahl.

Doch seit einiger Zeit stockt der Absatz. Plötzlich weigern sich Hausfrauen, die Ware auch nur anzufassen. Procter & Gamble (P & G), eines der ältesten amerikanischen Unternehmen, ist in den Ruf geraten, eine Firma des Satans zu sein.

Der Spuk begann vor fünf Jahren. Zunächst waren es nur ein paar Anrufer täglich, die im P & G-Hauptquartier in Cincinnati (Ohio) nach dem Teufel fragten. Die wurden noch flapsig beschieden, einen »Mitarbeiter namens Satan« gebe es im Hause nicht.

Dann aber tauchten überall im Land anonyme Flugblätter auf. Procter & Gamble, so hieß es da, helfe dem Antichristen, Amerika zu erobern.

Der Beweis war für religiöse Fanatiker schnell erbracht: Das Firmenzeichen auf allen Produkten sei ein Symbol des Satans. Halte man nämlich das auf die Packungen gedruckte Signet in einen Spiegel, zeige sich in der Bartkrause des abgebildeten »Zauberers« deutlich die Zahl 666. Das sei »das Zeichen des Teufels«, das »durch Procter & Gamble in alle amerikanischen Heime gebracht werden soll«.

Das in Verruf geratene, etwas antiquierte Firmenlogo ist bereits mehr als ein Jahrhundert alt: ein Mann im Mond, der auf 13 Sterne am Nachthimmel blickt. Es wurde 1851 - mehr als ein Jahrzehnt nach der Firmengründung durch die beiden Händler William Procter und James Gamble - entworfen und blieb bislang unbeanstandet.

Es half dem Unternehmen wenig, daß es erklärte, die 13 Sterne stünden für die 13 Kolonien, die 1776 die Vereinigten Staaten gegründet hatten. Und der harmlose Mann im Mond sei eine in der Mitte des vergangenen Jahrhunderts beliebte Illustration gewesen.

Immer mehr Flugblätter tauchten auf, in denen »alle Christen« aufgefordert wurden, die Produkte des teuflichen Unternehmens zu meiden. Selbst Geistliche predigten nun hysterisch von der Kanzel, auf Dash und Pampers zu verzichten. Seinen Erfolg nämlich habe der Konzern allein durch den Pakt mit dem Satan erzielt.

Jetzt sah Konzernchef John Gray Smale selbst dunkle Mächte am Werk, die das Unternehmen gefährdeten. Smale beauftragte Privatdetektive, die den Urhebern der Kampagne auf die Spur kommen sollten.

In Zeitungsanzeigen wurden die Amerikaner aufgefordert, unter einer bestimmten Telephonnummer gebührenfrei bei Procter & Gamble in Cincinnati anzurufen. Rund 60 Mitarbeiter der PR-Abteilung versuchten rund um die Uhr, erregten Anrufern das Firmenzeichen zu erklären und die christlichen Tugenden des uramerikanischen Unternehmens - »Ehrlichkeit, Disziplin, Geduld, Beständigkeit« - herauszustreichen.

In ihrer Not ließen sich Spitzenmanager gar von den Pastoren ihrer Kirchengemeinden schriftlich bestätigen, daß sie wirklich gottesfürchtige Christen seien.

Nach einigen Monaten hatten die Detektive Erfolg. Sie überführten sieben Männer als Flugblatt-Schreiber. Einige davon waren Handelsvertreter von Konkurrenzfirmen, die durch die Luzifer-Gerüchte ihre eigene Ware besser verkaufen wollten. Vor Gericht sagten sie aus, die Teufelsstory sei erfunden.

So leicht aber ist der Teufel nicht zu vertreiben, schon gar nicht in Amerika. Weitere Flugblätter und Schmähschriften tauchen immer wieder auf und zeigen bei gottesfürchtigen Hausfrauen, mal im Osten, mal im Westen der Vereinigten Staaten, die gewünschte Wirkung.

Auch christliche Fundamentalisten möchten so schnell nicht von ihrem Feindbild lassen. Eifrig agitieren sie weiter gegen Luzifer und seinen Konzern.

Entnervt versucht Konzernchef Smale jetzt, den Spuk endgültig zu beenden. Der Mann im Mond und die 13 Sterne, verkündete er, sollen künftig nicht mehr auf den Procter & Gamble-Produkten erscheinen, damit das »Satans-Symbol« nicht mehr in die Heime der Amerikaner gelangen könne.

Nur auf den Briefköpfen der Firma und in Werbekampagnen bleibt das Emblem unverändert. »Ich hoffe«, sagt Smale, »das werden uns Amerikas Frauen verzeihen.«

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