E-Commerce Steuerausfälle von 20 Milliarden Mark

Bundesfinanzminister Hans Eichel entgehen angeblich jährlich 20 Milliarden Mark an Steuern. Schuld seien Internetunternehmen, die ihre Umsätze durch den E-Commerce nicht meldeten.


E-Commerce verursacht Steuerausfälle in Milliardenhöhe
DPA

E-Commerce verursacht Steuerausfälle in Milliardenhöhe

Düsseldorf - Der Chef der Deutschen Steuer-Gewerkschaft, Dieter Ondracek, sagte dem "Handelsblatt", dem Bund entgingen jährlich 20 Milliarden Mark durch nicht erfasste E-Commerce-Geschäfte. Zahlreiche Internetunternehmen meldeten sich erst gar nicht beim Finanzamt an und hinterzögen so Umsatz- und Einkommensteuer. "Da besteht eine große Besteuerungslücke, die sich rasant vergrößert", sagte Ondracek.

Auch der Bundesrechnungshof (BRH) sieht das Internet nach einem Bericht des SPIEGEL als Milliardengrab. Die Prüfer warnten das Bundesfinanzministerium, dass immer mehr Unternehmen "Steuerbelastungen durch die Nutzung des Internet zu umgehen" versuchen. Es werde nur etwa jede zweite im Netz umgesetzte Mark versteuert. Der für Finanzminister Eichel daraus entstehende Schaden belaufe sich auf 18 Milliarden Mark.

Die Vorschläge aus Brüssel zu einer Umsatzsteuer auf Warentransfers im Internet nannte Ondracek unpraktikabel. Danach soll bei E-Commerce-Kunden künftig zwischen Privatpersonen und Unternehmen unterschieden werden. Je nachdem, wer der Kunde ist, würden Steuern in dem Heimatland des Kunden oder des Verkäufers fällig. Da dieses Verfahren nur für die EU-Länder gelten würde, müssten sich ausländische Firmen in einem Mitgliedsland ihrer Wahl registrieren lassen. Auch der Bund der Steuerzahler kritisierte dieses Modell.

Das Bundesfinanzministerium bestätigte nach Angaben der Zeitung unterdessen, dass ein Bund-Länder-Gremium an einer Verbesserung des Besteuerungsverfahrens arbeitet. Die Geschäftstätigkeiten im Netz sollen transparenter gemacht werden.



© SPIEGEL ONLINE 2000
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.