E.on-HV Bernotat kann mit Vertragsverlängerung rechnen

Nach der Schlappe im Übernahmekampf um den spanischen Energieversorger Endesa sahen einige Auguren schon das Ende der Ära Bernotat heraufziehen. Doch der E.on-Chef erstickte die öffentliche Diskussion gleich im Keim - die Verlängerung seines Vertrages ist so gut wie besiegelt.

Essen - Aufsichtsratschef Ulrich Hartmann kündigte heute auf der Hauptversammlung des Energieriesen in Essen an, dass das Präsidium dem Kontrollgremium bereits auf der nächsten Sitzung im Frühsommer eine Verlängerung des Vertrages mit Bernotat vorschlagen werde.

Kleiner Wermutstropfen für den erfolgsverwöhnten Manager, der im vergangenen Jahr knapp fünf Millionen Euro verdiente: Sein im April 2008 auslaufender Vertrag soll zunächst "nur" um zwei Jahre verlängert werden. Hintergrund: Bernotat wird im kommenden Jahr bereits 60. In diesem "ehrenwerten Alter" sehe die Geschäftsordnung des Aufsichtsrates nur noch eine Vertragslaufzeit von höchstens zwei Jahren vor, betonte Hartmann.

Bernotat steht seit 2003 an der Spitze des größten deutschen Energieversorgers. Der nüchterne Rechner und kühl kalkulierende Stratege konzentrierte sich zunächst darauf, die teueren Zukäufe seines Vorgängers Hartmann - darunter den größten deutschen Gashändler Ruhrgas und den britischen Versorger Powergen - in den Konzern zu integrieren und die Führungsstruktur zu verbessern.

In den vergangenen Jahren schaltete er dann aber angesichts gutgefüllter Kriegskassen wieder auf Expansion um - allerdings mit deutlich weniger Erfolg, als er seinem Vorgänger beschieden war.

Versüßte Niederlage

Pläne für eine Übernahme des britischen Versorgers Scottish Power   blies Bernotat ab, weil ihm der Kaufpreis von 16,5 Milliarden Euro überhöht erschien. Sein Versuch, den spanischen Strom-Marktführer Endesa   für 42 Milliarden Euro zu übernehmen, scheiterte erst vor wenigen Wochen am trickreichen Widerstand eines italienisch-spanischen Bündnisses der Konkurrenten Enel   und Acciona  . Doch konnte sich E.on die Niederlage immerhin damit versüßen, dass der Konzern für seinen Rückzug aus dem Bietergefecht rund ein Drittel der europäischen Erzeugungskapazitäten von Endesa erhalten wird - zum vergleichsweise günstigen Preis von rund zehn Milliarden Euro.

Bernotat selbst lobte vor den Aktionären das Beteiligungspaket, das sich E.on   sicherte: "Es ermöglicht uns einen ausbaufähigen Eintritt in den spanischen Markt, eine deutliche Verbesserung unserer Position in Italien und den Aufbau einer hochinteressanten Erzeugungsposition in Frankreich." Der Konzern verfüge damit künftig über eine einzigartige europäische Präsenz. Besser als jedes andere Energieunternehmen könne E.on in Zukunft über Ländergrenzen hinweg die Investitionen optimieren und effiziente Strukturen formen. Bis zum Ende dieses Monats will E.on dazu ein umfassendes Maßnahmenpaket präsentieren.

Im Projekt europe.on werde der Konzern festlegen, welche Aufgaben künftig europäisch gesteuert würden, kündigte Bernotat an. Dabei gehe es insbesondere um die europaweite Optimierung der Stromerzeugung und der Klimaschutzaktivitäten.

In die positive Bilanz Bernotats passte auch, dass Deutschlands größter Energieversorger seine Gewinnprognose für 2007 anlässlich der Hauptversammlung spürbar erhöhte. E.on geht nunmehr davon aus, beim bereinigten Betriebsergebnis (adjusted Ebit) das hohe Niveau des Vorjahres übertreffen zu können. Mit dieser Formulierung signalisiert der Konzern erfahrungsgemäß eine Gewinnsteigerung zwischen fünf und zehn Prozent. Zuvor war E.on lediglich von einem Anstieg von bis zu fünf Prozent ausgegangen.

Von Erich Reimann, AP

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.