E.on und Munich Re Weitere Dax-Konzerne gehen auf Distanz zu Russland

Die Liste deutscher Großunternehmen, die sich das Russland-Geschäft vorerst sparen, ist beträchtlich. Sie reicht von Airbus über BASF, Mercedes-Benz, SAP und Siemens bis hin zu Volkswagen. Nun kommen E.on und Munich Re hinzu.
Firmensitz von Munich Re in München: »Die Ereignisse der letzten Tage erschüttern uns zutiefst«

Firmensitz von Munich Re in München: »Die Ereignisse der letzten Tage erschüttern uns zutiefst«

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CHRISTOF STACHE / AFP

Zwei weitere im Dax notierte Konzerne lassen wegen des Kriegs in der Ukraine ihre Geschäfte mit russischen Handelspartnern ruhen. So zieht sich der Rückversicherer Munich Re aus dem Geschäft dort zurück. »Bestehende Verträge in Russland und Belarus werden nicht erneuert«, teilte der Münchner Dax-Konzern auf seiner Internetseite mit . Das Neugeschäft sei bereits eingestellt. Mit ihren Kapitalanlagen in der Region werde die Munich Re ebenso verfahren. Ausnahmen solle es nur geben, wenn von der Einstellung des Geschäfts »schützenswerte Personen oder Unternehmen negativ betroffen wären« und es sanktionsrechtlich zulässig ist.

»Die Ereignisse der letzten Tage erschüttern uns alle zutiefst«, sagte Munich-Re-Chef Joachim Wenning laut Mitteilung. »Der Überfall Russlands stellt einen völkerrechtswidrigen Akt dar.« Der Versuch, das Recht des Stärkeren über das Völkerrecht zu stellen, sei völlig inakzeptabel. Die Munich Re unterstütze ausdrücklich die von der westlichen Wertegemeinschaft auf den Weg gebrachten Sanktionen – »auch in dem Wissen, dass diese auch für unsere Volkswirtschaften nicht folgenlos bleiben.«

Auch der Energiekonzern E.on geht wegen der russischen Invasion auf Distanz zu einem Geschäftspartner, in dem Fall dem russischen Gaskonzern Gazprom. Man habe im Portfolio Erdgasmengen, die der Konzern von europäischen Handelsgesellschaften von Gazprom eingekauft habe, sagte E.on-Chef Leonhard Birnbaum am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz in Essen laut Redetext. »Vor dem Hintergrund des Ukrainekriegs haben wir den Einkauf neuer Mengen von diesen Gesellschaften gestoppt.«

Birnbaum warnte Deutschland aber vor einem sofortigen Verzicht auf russisches Gas. Es sei gut, dass die Bundesregierung Rufen standhalte, Gasimporte aus Russland kurzfristig zu stoppen. »Denn das würde Deutschland und Europa schwer treffen.«

3650 deutsche Unternehmen in Russland aktiv

Seit Beginn des russischen Angriffskrieges haben bereits zahlreiche deutsche Unternehmen ihren Rückzug aus dem Russland-Geschäft angekündigt. Die Liste der Konzerne, die bis auf Weiteres keine Geschäfte mehr mit Russland machen, reicht von Airbus, BASF, Mercedes-Benz, SAP und Siemens bis hin zu Volkswagen.

Aktuell sind 3650 deutsche Unternehmen in Russland aktiv , sie haben dort im Lauf der Jahre rund 24 Milliarden Euro investiert und beschäftigen rund 280.000 Mitarbeiter.

sol/dpa/Reuters