EADS-Führungkrise Schrempps verwegenes Versprechen

Die Führungskrise bei der EADS ist noch immer nicht gelöst. Nun heißt es, man werde sich erst in der kommenden Woche darauf einigen, wer künftig Chef von Airbus und der Rüstungsparte werden solle. Jürgen Schrempp, Chef des Hauptaktionärs DaimlerChrysler, hatte bisher eine schnellere Lösung in Aussicht gestellt.


Designierte EADS-Chefs Enders und Forgeard mit Präsident Chirac: Fast so schwierig wie internationale Diplomatie
AFP

Designierte EADS-Chefs Enders und Forgeard mit Präsident Chirac: Fast so schwierig wie internationale Diplomatie

Paris/München - Ende der vergangenen Woche hatte Schrempp der Agentur Reuters gesagt: "Wir werden in der nächsten Woche eine Entscheidung haben." Der Führungsstreit um die künftige Doppelspitze bei EADS und die zukünftigen Chefs der Konzerntöchter sei weit weniger dramatisch als er oft dargestellt werde. "Es ist viel relaxter hinter den Kulissen als berichtet wird", so Schrempp damals.

Das Führungshickhack dauert freilich, eine Woche nach dieser Ankündigung, immer noch an. Ein Spitzentreffen der beiden EADS-Co-Chairmen Manfred Bischoff und Arnaud Lagardère gestern habe keine Einigung gebracht, berichten die Nachrichtenagenturen dpa und Reuters. Die deutsche und die französische Seite im Konzern sind unter anderem uneins darüber, wer künftig Airbus-Chef sein soll, wer die weiteren EADS-Töchter führen wird - und ob die geplante neue EADS-Doppelspitze mit den Co-Chefs Thomas Enders und Noël Forgeard wie geplant ernannt werden kann. Als künftiger Airbus-Chef ist der Deutsche Gustav Humbert im Gespräch.

Doppelspitzen überall

"Es gibt immer noch keine Einigung, aber es könnte etwa Mitte nächster Woche dazu kommen", zitierte Reuters einen nicht namentlich genannten Informanten. Eine frühere Entscheidung sei nun sehr unwahrscheinlich, schreibt die dpa.

Die deutsch-französische Machtbalance ist ein kritisches Thema im Konzern. Schon unter der alten EADS-Doppelspitze mit Rainer Hertrich und Philippe Camus gab es auf deutscher Seite Angst vor einem Machtverlust. Diese Sorge ist noch gewachsen, seit beschlossen wurde, dass der frühere Airbus-Chef Forgeard einer der beiden EADS-Co-Chefs werden soll. Forgeard ist im Unternehmen weit besser verdrahtet als sein designiertes deutsches Pendant Enders.

Um das Gleichgewicht zu wahren, soll nun laut "Financial Times Deutschland" neben der EADS-Doppelspitze auch eine binationale Doppelbesetzung auf der Führungsebene direkt darunter eingeführt werden: Künftig solle es auch zwei Chief Operating Officers (COO) bei EADS geben. Die Posten sollen den Angagen zufolge mit Hans Peter Ring (bisher Finanzchef) und Jean-Paul Gut (bisher Vorstand für internationale Beziehungen) besetzt werden.

Strittig ist auch, welchem der beiden Co-Chefs die Hubschraubersparte Eurocopter unterstellt werden soll. Die deutsche Seite will verhindern, dass der Eurocopter-Chef an Forgeard berichtet. Sie fürchtet, dass dieser zuviel Macht erhalten würde, wenn er den Chefs der beiden wichtigsten Sparten Airbus und Eurocopter übergeordnet wäre. Die Deutschen sperren sich zudem dagegen, dass ein Franzose Chef der Rüstungssparte wird - denn zu dieser Sparte gehört auch der Eurofighter, der mit französischen Produkten konkurriert.



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