EADS-Führungschaos Deutsche stoppen Monsieur Airbus

Unerwartete Wendung bei der Airbus-Mutter EADS: Die schon vor Monaten festgezurrte Beförderung der Manager Noel Forgeard und Thomas Enders zu neuen Co-Chefs des Konzerns ist nach der Hauptversammlung überraschend verschoben worden. Im Hintergrund tobt ein deutsch-französischer Streit um die Macht.


Manager Forgeard: Aufstieg vorerst blockiert
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Manager Forgeard: Aufstieg vorerst blockiert

Amsterdam - Die Wahl von Enders und Forgeard soll nun bis zum 1. Juni erfolgen, teilte das Unternehmen gestern Abend in Amsterdam nach einer Sitzung des Aufsichtsrates mit. Die deutschen und französischen EADS-Hauptaktionäre streiten seit Monaten über die Neubesetzung der Airbus-Spitze.

Mit der Verschiebung soll offenbar verhindert werden, dass der langjährige Airbus-Chef Forgeard gleichzeitig zum Co-Chef bei EADS aufsteigt und die Regie bei der wichtigsten EADS-Tochter behält. Ein Nachfolger für Forgeard bei Airbus ist immer noch nicht gefunden, da sich Deutsche und Franzosen noch nicht auf einen Nachfolger für den ehrgeizigen Manager einigen konnten. Auch gestern kam der Aufsichtsrat bei der Airbus-Personalie nicht weiter. Die künftige Führungsstruktur anderer EADS-Konzerntöchter blieb ebenfalls ungeregelt.

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Forgeard hatte ursprünglich den Konzern allein führen wollen. Der deutsche Großaktionär DaimlerChrysler Chart zeigen bestand aber auf einer deutsch-französischen Doppelspitze wie bisher. Sowohl Forgeard als auch Enders bleiben nun vorerst in ihren bisherigen Positionen. Dies ist aber nur eine Zwischenlösung: Forgeards Mandat als Airbus-Chef läuft am 11. Juli ab.

Eiertanz vor dem Referendum

Der französische Staat - auch ein EADS-Großaktionär - will die Ernennung eines deutschen Airbus-Chefs zumindest hinauszögern. Im Gespräch ist der Airbus-Manager Gustav Humbert, der auch gute Kontakte zur französischen Seite hat. Paris will aber nach Meinung der meisten Beobachter das kritische Referendum über die EU-Verfassung am 29. Mai abwarten.

Um das deutsch-französische Gleichgewicht im Konzern zu wahren, müsste nach deutscher Lesart entweder Airbus oder die Helikopter-Tochter Eurocopter eine deutsche Spitze bekommen. Der Pariser Wirtschaftsminister Thierry Breton fordert, dass Forgeard "weiterhin sehr eng verfolgt, was bei Airbus passiert".

Die Hauptversammlung hat Forgeard und Enders immerhin plangemäß in den Verwaltungsrat gewählt. Der von DaimlerChrysler gestellte Co-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff und sein französisches Pendat Arnaud Lagardère wurden bestätigt.

Der Streit um die Personalien ist nicht der einzige. Die Franzosen möchten EADS gern mit dem Rüstungselektronik-Konzern Thales verschmelzen. DaimlerChrysler opponiert, weil der Konzern eine Verwässerung seines Anteils an EADS fürchtet. Arnaud Lagardère bekräftigte auf der Hauptversammlung, die Fusion mit Thales bleibe aus seiner Sicht eine Option.

Lagardère und der französische Staat, der ebenfalls die Fusion befürwortet, haben - wie auch DaimlerChrysler - gemeinsam rund 30 Prozent der EADS-Aktien.



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