eBay 100-Millionen-Dollar-Feuerprobe vor Gericht

In den USA beginnt ein Prozess, der für das Auktionshaus eBay so peinlich wie kostspielig werden könnte: Ein früherer CIA-Anwalt behauptet, er halte die Patente für die eBay-Auktionstechnologie. Die Jury könnte das Unternehmen verurteilen, über 100 Millionen Dollar Schadenersatz zu zahlen.


Alles nur geklaut? Dem Internet-Auktionshaus eBay droht der wohl bitterste Prozess der bisherigen Unternehmensgeschichte
DPA

Alles nur geklaut? Dem Internet-Auktionshaus eBay droht der wohl bitterste Prozess der bisherigen Unternehmensgeschichte

Norfolk - Thomas G. Woolston, früher in Diensten des CIA und später Gründer des Unternehmens MercExchange, hat sich bisher unnachgiebig gezeigt. Seit er im September 2001 Klage gegen das Internet-Unternehmen aus San Jose eingereicht hat, wies Woolston alle Initiativen für eine gütliche Einigung zurück. Nun beginnt in Norfolk, Virginia, der Prozess, bei dem es um die Grundlagen des eBay-Erfolgs geht: Die Programme, die der Auktionswebsite zugrunde liegen.

Nachdem am Mittwoch die Geschworenen ausgewählt wurden, sollen am Donnerstag die gegnerischen Anwälte erstmals ihre Argumente vorbringen. Nach US-Medienberichten wird das Verfahren vermutlich rund drei Wochen dauern. Der Bezirksrichter Jerome Friedman, der das Urteil fällen wird, hatte sich bereits nach den ersten Anhörungen frustriert darüber geäußert, dass beide Seiten keinerlei Willen gezeigt hätten, aufeinander zuzugehen. Der Streit sei einer der bittersten, den er in den 20 Jahren seiner Richtertätigkeit erlebt habe.

Woolston wirft eBay vor, ohne Genehmigung und Bezahlung zwei Prozeduren für Internet-Auktionen zu benutzen, die er bereits 1995 patentiert habe. Die Patente betreffen den Vorgang, bei dem im Internet Gebote abgegeben werden, deren Verbindlichkeit durch Angabe einer Kreditkartennummer abgesichert wird. eBay bestreitet die Vorwürfe und argumentiert, die Patente seien ohnehin wertlos, da viele ähnliche Technologien zur selben Zeit auch von anderen Entwicklern patentiert worden seien.

Falls die Jury zu Gunsten Woolstons entscheidet, muss als nächstes ermittelt werden, welche Verluste MercExchange durch den angeblichen Patentmissbrauch entstanden sind. Nach Ansicht von US-Rechtsexperten könnte eBay dann zur Zahlung einer Schadenersatzsumme verurteilt werden, die die Verluste um das Dreifache übersteigt. Die Nachrichtenagentur AP zitiert einen Experten für Patentrecht, der glaubt, auf eBay könne eine Rechnung von mehr als hundert Millionen Dollar zukommen. Das entspräche in etwa dem Gewinn, den das Auktionshaus im vergangenen Quartal verbucht hat.



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