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AFFÄREN Echter Krimi

Eine Ingenieurfirma, die zur Hälfte dem Berliner Senat gehört, versucht mit zweifelhaften Methoden Außenstände in Saudi-Arabien einzutreiben. *
aus DER SPIEGEL 33/1984

Die Manager der BC Berlin-Consult GmbH, einer Ingenieur- und Anlagenbaufirma, sind bei ihrem größten Geschäft um eine wichtige Erfahrung reicher geworden: In den Ölstaaten ist viel Geld zu verdienen - es ist nur schwer daran heranzukommen.

Seit 1981 bemüht sich die Berlin-Consult, die zur Hälfte dem Berliner Senat gehört, bei den Saudis das restliche Entgelt für einen Großauftrag über mehrere hundert Millionen Mark einzutreiben. Bislang vergeblich, und der Ausfall von 140 Millionen Saudi-Rial (116 Millionen Mark) hat die Senatsfirma an den Rand der Pleite gebracht.

Das Geld aus Saudi-Arabien, so Walter Güldner, Vorsitzender des BC-Aufsichtsrats, sei für das Unternehmen »überlebenswichtig«. Fließe nicht bald mindestens die Hälfte davon nach Berlin, sehe es für die Firma »ganz schwarz« aus.

Nicht nur für die. Der Senat des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) müßte sich auf eine Affäre einstellen, die womöglich ärger wäre als der Fall Garski, über den 1980 der sozialdemokratische Regierungschef Dietrich Stobbe gestolpert war. Der Architekt Dietrich Garski hatte sich mit einem Bauprojekt in Saudi-Arabien übernommen, das den Senat schließlich 100 Millionen Mark aus Bürgschaften kostete (SPIEGEL 51/1980).

Gibt die Berlin-Consult auf, wären zunächst die 56,8 Millionen Mark verloren, die der Senat im Juni 1982 in das Unternehmen gesteckt hatte, um den damals schon drohenden Kollaps noch einmal abzuwenden (SPIEGEL 27/ 1982). Überdies würden Bürgschaften aus anderen laufenden Projekten fällig, die ein Vielfaches dieser Summe ausmachen.

Kein Wunder, daß die Beteiligten seit 1981 - damals regierte in Berlin noch der heutige Bundespräsident Richard von Weizsäcker - mit allen Mitteln versuchen, die Außenstände hereinzuholen. Vor Gericht und über politische Kanäle wurden die Saudis unter Druck gesetzt. Provisionen in Millionen-Höhe wurden für erfolgreiches Inkasso versprochen.

»Das ist«, so Aufsichtsrat Güldner über die Bemühungen, an das Saudi-Geld zu kommen, »ein echter Krimi.«

Güldner ist Experte für Entwicklungsländer. Er lehrt als Professor an der Universität Stuttgart-Hohenheim, und ihm gehört das Institut für Strukturforschung und Planung GmbH in Bad Homburg. Güldner hatte 1968 mit dem damaligen Berliner Wirtschaftssenator Karl König (SPD) die Berlin-Consult gegründet und die Hälfte der Unternehmensanteile übernommen. Bei den Bemühungen, die 116 Millionen Mark aus Saudi-Arabien hereinzuholen, spielt Aufsichtsrat Güldner die Hauptrolle. Er wird unterstützt von Werner Heubaum, Senatsdirektor beim Berliner Finanzsenator Gerhard Kunz und damit höchster Vertreter des Landes Berlin im Aufsichtsrat der BC.

Mit von der Partie ist auch Jürgen Möllemann, der heutige Staatsminister im Bonner Auswärtigen Amt, der seit Jahren schon meint, seine politischen Kontakte in den Nahen Osten auch zum Wohle deutscher Firmen nutzen zu müssen (SPIEGEL 25 und 32/1984). Niemand in Berlin hätte 1978, als die halbstaatliche Firma den Großauftrag der Saudis erhielt, auch nur geahnt, daß eines Tages die Hilfe Möllemanns erforderlich werden könnte. Damals sah alles sehr vielversprechend aus.

Die Berlin-Consult sollte zusammen mit der Düsseldorfer Baufirma Carl Brandt in der Oase Al Chardsch, 80 Kilometer südöstlich von Riad, eine Fabrikanlage im Werte von zunächst 360, später 400 Millionen Saudi-Rial bauen. Der Auftrag war hoch willkommen, denn das Geschäft auf den vertrauten Märkten flaute ab.

Ein Jahrzehnt lang war die Berlin-Consult vor allem in den Ostblockstaaten tätig gewesen. Sie plante technische Großanlagen wie eine Knochen-Extraktionsanlage in Tangermünde, DDR, oder eine Fabrik zur Herstellung von Brillengestellen in Moskau. Die Geschäfte liefen so gut, daß der Berliner Senat und Professor Güldner das Stammkapital von zunächst 20 000 Mark auf 15 Millionen Mark erhöhten.

Als dann Ende der 70er Jahre die Ost-Aufträge spärlicher hereinkamen, setzten auch die Berliner auf die neureichen Staaten im Nahen Osten. Doch in ihrer Freude über den anscheinend geglückten Einstieg in einen neuen Markt sahen die Verantwortlichen der halbstaatlichen Firma offenbar nicht mehr so genau hin.

So scheint ihnen entgangen zu sein, daß es sich bei den »Lager- und Fertigungshallen«, die ihre Firma zusammen mit Carl Brandt in Al Chardsch baute, um eine Munitionsfabrik handelte. Der Export militärischer Anlagen ist Berliner Firmen nach dem alliierten Kontrollratsgesetz verboten.

Geschäftsführung und Aufsichtsrat erkannten offensichtlich auch nicht, daß

der Auftrag für die Baufirma Brandt, für die BC das Projekt-Management machte, ein zu großer Brocken war. Der gesamte Jahresumsatz des Unternehmens machte bislang nicht einmal die Hälfte des Vertragsumfangs von Al Chardsch aus.

So gab es schon bald Ärger. Carl Brandt, alleiniger Vertragspartner des saudischen Verteidigungsministeriums, konnte den vereinbarten Übergabe-Termin im Februar 1980 nicht einhalten, die Saudis stellten die Zahlungen ein. Im Sommer 1981, die Munitionsfabrik war immer noch nicht fertig, gingen die Düsseldorfer in Konkurs.

Da hatte die Berlin-Consult bereits mehr als 40 Millionen Mark vorgestreckt. Wollten die Berliner ihr Geld je wiedersehen, mußten sie in den Vertrag von Carl Brandt einsteigen und darauf vertrauen, von den Saudis doch noch den ausstehenden Betrag von 140 Millionen Rial hereinzuholen.

Doch die Saudis zahlten nicht, auch nicht, als das Bauwerk vollendet war. Sie verweigerten die Überweisung, weil die Deutschen die Termine weit überzogen hatten. Darüber hinaus lehnten sie es ab, daß verschiedene Änderungen, die das Vorhaben verteuert hatten, zu ihren Lasten gehen sollten.

Um möglichst schnell an das Geld zu kommen, wandte sich der Chef der Ingenieurfirma, Dieter Borrmann, zunächst an den damaligen Bonner Wirtschaftsminister Otto Graf Lambsdorff. Als Lambsdorffs saudischer Kollege Scheich Mohammed Ali Aba el-Sheil im November 1981 nach Bonn kam, überreichte ihm der Graf ein Memorandum mit den Ansprüchen der Berlin-Consult.

Doch auf Lambsdorff allein mochte Borrmann nicht setzen. Er spannte als sogenannte Vertragshelfer Leute ein, die - gegen eine stattliche Provision - ihre Verbindung zum saudischen Königshaus nutzen sollten.

Dabei ging Borrmann mit dem Geld des Senatsunternehmens großzügig um. Einem Vertragshelfer versprach er eine Provision von fünf Prozent der Vertragssumme, wenn das Geld erst einmal da sei. Borrmann tat noch mehr, um den Inkasso-Helfer und dessen Kontaktmann, den Saudi-Prinzen Mischal, freundlich zu stimmen: Er ließ sich auf ein Projekt in Saudi-Arabien ein, in das die Berlin-Consult »unter normalen Umständen«, so Aufsichtsrat Heubaum später, »niemals eingewilligt hätte«.

Die BC nämlich baute für den Prinzen eine Weizenfarm, Mischal aber zahlte nicht wie verabredet. Die Berliner müssen ihr Geld jetzt nach und nach durch den Verkauf des auf der Farm produzierten Weizens wieder hereinbekommen. »Wir waren von Anlagenbauern«, so Güldner heute, »plötzlich zu Weizenbauern geworden.«

Doch die intensive und teure Kontaktpflege fruchtete wenig. Mitte 1982 ließ sich nicht mehr verheimlichen, daß die Berlin-Consult praktisch pleite war: Das Vermögen der Firma deckte nicht mehr die Schulden.

Nachdem der Berliner Senat der BC schon im Februar ein Darlehen von 15 Millionen Mark gewährt hatte, stellte er nun, um den Konkurs des Unternehmens abzuwenden, weitere 42 Millionen Mark zur Verfügung. Geschäftsführer Borrmann mußte gehen.

Mitgesellschafter Güldner, der kein Geld nachschießen konnte oder wollte, mußte seine Anteile abtreten. Inzwischen liegen sie bei der Süddeutschen Industrie-Beteiligungs GmbH, einer Tochter der BC-Hausbank Dresdner Bank. Der Professor blieb allerdings, seiner intimen Kenntnis des Geschäfts wegen, Aufsichtsratschef der Berlin-Consult.

Güldner machte da weiter, wo Borrmann aufgehört hatte, und versucht, die blockierten Millionen für die seit Februar 1982 fertigen Fabrikgebäude aus Saudi-Arabien herauszuholen. Auf den neuen Geschäftsführer Manfred Mach, den er offenbar für zu geradlinig hält ("schneidiger Korpsstudent"), wollte Güldner sich dabei nicht verlassen.

Er setzte lieber weiter auf gute oder vermeintlich gute Beziehungen. Schon im November 1981 hatte die BC den Berliner Geschäftsmann Wolfgang Müller angeheuert, der angeblich Scheich Salman Hethlain, den Chef der Genfer Handelsfirma Hazar S.A., gut kennt. Dessen Vater Mohammed ist Privatsekretär des saudischen Verteidigungsministers Prinz Sultan. Über diese wichtige Schiene, so hoffte Güldner, könnte Müller der Berlin-Consult doch noch zu ihrem Gelde verhelfen.

Güldner war auch ganz angetan, als Müller dann einen weiteren wichtigen Mann kennenlernte, der einen Ruf als Arabien-Kenner besaß - den FDP-Abgeordneten Jürgen Möllemann. Der Freidemokrat ermunterte Müller, in die Bonner Gesellschaft für Internationales Consulting + Marketing mbH (ICM) einzutreten und, so Müller, mit ihm »den Laden in Schwung zu bringen«.

Möllemann wollte, so erinnert sich Müller, als Bundestagsabgeordneter und Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft »Türöffner spielen«. Müller selbst sollte vor Ort, vor allem im arabischen Raum, das Geschäft machen.

Als Präsident der Deutsch-Arabischen Gesellschaft zählt Möllemann viele Araber zu seinen Freunden. Darunter ist auch Scheich Salman Hethlain, Müllers Kontakt zum saudischen Königshaus.

Möllemann zog am 4. Oktober 1982 als Staatsminister ins Auswärtige Amt ein, doch auch danach pflegte er die Beziehung zu Müller. Nach dessen Worten vergeht fast keine Woche, ohne daß er mit Möllemann telephoniert. Die beiden treffen sich auch, wann immer es sich machen läßt, entweder in Bonn oder in Möllemanns Heimatstadt Münster.

Möllemann machte das, was er auch bei der ICM, die er inzwischen verlassen hat, machen wollte: Er öffnete Müller die Türen für dessen Geschäfte. Zuletzt vermittelte er etwa ein Gespräch mit Taha Jassin Ramadan, dem zweiten Mann des Irak nach Staatspräsident Saddam Hussein. Müller nutzte den Draht, um für verschiedene deutsche Firmen vor Ort ein gutes Wort einzulegen.

Als er von den Schwierigkeiten der Berlin-Consult erfuhr, versprach Möllemann

Hilfe. Güldner hatte am 8. November 1982 dem Staatsminister geschrieben, er würde es »sehr hoch zu schätzen wissen«, wenn Möllemann »nochmals« auch das »massive Interesse der Bundesregierung an einem vernünftigen Abgleich zum Ausdruck bringen« könnte.

Möllemanns Hilfeversprechen bedeutete, daß von nun an die Probleme der BC eng mit deutsch-arabischen Waffengeschäften verknüpft wurden.

Am 24. November 1982 besuchte Hethlain den Staatsminister in Bonn. Hethlain war längst die Rolle eines offiziellen Unterhändlers des saudischen Verteidigungsministers zugefallen. Sein wichtigster Gesprächspartner mit einem geneigten Ohr für saudische Waffenwünsche war Möllemann.

Die Saudis drängten damals die neue Bundesregierung, nun endlich den deutschen Kampfpanzer Leopard zu liefern. In Fällen wie der Berlin-Consult sahen sie offenbar eine Chance, ihren Wünschen Nachdruck zu verleihen.

Das saudische Verteidigungsministerium verwies den Fall Berlin-Consult Anfang Dezember 1982 an das zuständige Beschwerdegericht in Riad. Die Berliner Ingenieurfirma, so ihr Anwalt Hansgeorg Blechschmid, sah sich »unversehens in die Rolle eines Klägers gedrängt, ohne das Gericht angerufen zu haben«.

Von den saudischen Richtern hatte das Unternehmen nicht viel zu erwarten. Gerichtsverfahren bei dem Beschwerdegericht dauern fünf bis sieben Jahre, die Erfolgsquote liegt bei maximal 30 Prozent der verhandelten Forderungen.

Die Gespräche auf der politischen Ebene liefen unterdessen weiter. Am 9. Juni vergangenen Jahres reiste schließlich Scheich Hethlain auf Vermittlung Möllemanns mit einer offiziellen Botschaft von Verteidigungsminister Prinz Sultan zum damaligen Regierenden Bürgermeister Richard von Weizsäcker nach Berlin. Bei dem Gespräch waren auch Wirtschaftssenator Elmar Pieroth und Rechtsanwalt Blechschmid für die Berlin-Consult dabei.

Hethlain versprach im Namen Prinz Sultans, das Problem der Berliner Firma wohlwollend zu prüfen. Gleichzeitig warb er auch um Verständnis für die Sicherheitsbedürfnisse seines Landes.

Doch bei seinem nächsten Besuch in Riad erlebte Anwalt Blechschmid eine böse Überraschung: Die Saudis wollten offenbar den Druck auf die Deutschen noch einmal erhöhen und stellten den 140 Millionen Forderungen der BC nun ihrerseits Ansprüche von 144 Millionen Saudi-Rial entgegen.

Am 28. August 1983 reiste BC-Aufsichtsratschef Güldner erneut zu Möllemann nach Bonn. Der Staatsminister machte dem Besucher Mut. Möllemann, so erinnert sich Güldner, sei »sehr optimistisch« gewesen.

Es war kurz vor dem Besuch Bundeskanzler Kohls in Saudi-Arabien, bei dem eine Entscheidung in der Frage des Waffengeschäfts fallen mußte. Möllemann ging offenbar davon aus, daß Kohl nicht mit leeren Händen nach Riad reisen würde.

Am 23. September - Kohl und Möllemann reisten am 5. Oktober - war BC-Aufsichtsratschef Güldner jedenfalls bereit, aufs Ganze zu gehen. Im Namen der Berlin-Consult schloß er eine erstaunliche Provisionsvereinbarung ab.

Für den Fall, daß der Berlin-Consult bis Ende des Jahres mehr als 100 Millionen Saudi-Rial zuerkannt und gezahlt würden, so die Verabredung, erklärte sich die Firma bereit, »jeden diesen Betrag übersteigenden Betrag«, also bis zu 40 Millionen Saudi-Rial (mehr als 33 Millionen Mark), als Erfolgsprovision auszuschütten. Die sollte an den Zürcher Rechtsanwalt Willi Staehelin überwiesen werden.

Staehelin figurierte, so der Text der Erklärung vom 23. September 1983, als »Treuhänder einer Gruppe von Personen, die BC Berlin-Consult GmbH bei der Durchsetzung ihrer Ansprüche« gegen die Saudis »unterstützt«.

Für diese ungewöhnlich weitreichende Provisionsvereinbarung sicherte sich Güldner die Zustimmung des Berliner Senats: Auch Senatsdirektor Heubaum setzte seine Unterschrift unter das Schriftstück.

Daß Heubaum, den Güldner als »preußischen Beamten« beschreibt, selbst ohne Rückendeckung gearbeitet haben könnte, kann sich der BC-Aufsichtsrat nicht vorstellen. Heubaum selbst will dazu heute »keine Erklärung abgeben«.

Güldner, der dem SPIEGEL gegenüber die Existenz der Provisionsvereinbarung zunächst bestritt, versucht nun ihre Bedeutung herunterzuspielen: Damit hätte er doch lediglich »ein Grundstück auf dem Mond« angeboten. Daß die Saudis jemals mehr als 100 Millionen Rial zahlen würden, sei von Anfang an »sehr, sehr unwahrscheinlich« gewesen.

Überdies, so Güldner, sei die Erklärung bis zum 31. Dezember vergangenen Jahres terminiert gewesen und seither »tot«. BC-Anwalt Blechschmid räumte inzwischen ein, daß die Provisionsvereinbarung bis Ende Januar 1984 verlängert worden sei. Vertragshelfer Müller, auf dessen Initiative die Vereinbarung zurückgeht,

will von einer weiteren Verlängerung wissen.

Wie die »Gruppe von Personen« aussieht, der die hohe Provision zugedacht war oder ist, will niemand präzis sagen. Sicher ist, daß die Möllemann-Bekannten Müller und Scheich Hethlain dazugehören.

In einer von Müller und Rechtsanwalt Staehelin in Zürich hinterlegten Erklärung vom 3. Oktober vergangenen Jahres heißt es, Müller sei »bevollmächtigt«, über die »eingehenden Beträge zu verfügen«. Müller seinerseits erteilt Rechtsanwalt Staehelin die »Instruktion«, das Geld nach Abzug einer Kommission von einem halben Prozent »auf ein noch zu benennendes Konto von Scheich Salman Hethlain zu überweisen«. Zu diesem Konto sollten er und Hethlain, so Müller zum SPIEGEL, nur gemeinsam Zugang haben.

Er kenne die Personen nicht, »die sich hinter Staehelin verstecken«, sagt Güldner. Doch den Treuhänder hatte Müller benannt. BC-Anwalt Blechschmid bestreitet nicht, daß es Müller war, der auf die Provisionsvereinbarung »gedrängt« hatte. Und Müller hat Hethlain als seinen Kontakt zum saudischen Königshaus eingeführt.

Auch die Art und Weise, in der die Provisionsvereinbarung vom 23. September 1983 zustande kam, läßt deutlich erkennen: Die Verantwortlichen der Berlin-Consult wußten mehr, als sie heute gern zugeben möchten.

BC-Anwalt Blechschmid tippte damals die Vereinbarung auf Geschäftspapier des Aufsichtsratschefs Güldner in die Maschine und ließ diesen unterzeichnen. Dann flog der Anwalt nach Berlin, um auch die Unterschrift von Senatsdirektor Heubaum zu holen.

Im Anschluß daran traf sich Blechschmid im Hotel Kempinski am Kurfürstendamm mit Müller und zeigte diesem die Erklärung. Schließlich gingen beide zum nächsten Briefkasten und schickten den Umschlag mit der Erklärung ab. Treuhänder Staehelin wurde in dem Schreiben angewiesen, allein Blechschmid den Eingang zu bestätigen.

Für die Geheimniskrämerei gab es gute Gründe. Zum einen war die in Aussicht gestellte Provision ungewöhnlich großzügig, zumal für ein halbstaatliches Unternehmen. Überdies waren die Provisionsempfänger gute Bekannte des Bonner Staatsministers Möllemann, der sich - von Amts wegen - ebenfalls für die Berlin-Consult stark machte.

Ob all die Mühe lohnen wird, ist noch nicht sicher. Nachdem die Bonner mehrfach ihre Partner in Riad um eine rasche Lösung des BC-Problems gebeten hatten - im Frühjahr hakte sogar das Bundeskanzleramt noch einmal nach -, ließ Scheich Hethlain über Möllemann dem Berliner Senat mitteilen, »das Problem BC solle nun auf höchster politischer Ebene gelöst werden« (Güldner).

Dafür jedoch sollte die BC zunächst die Klage beim Beschwerdegericht in Riad zurückziehen. Dann werde, so Vertragshelfer Müller, ein »von Hethlain handverlesenes Komitee wohlwollend entscheiden«.

Obwohl es unter streitenden Parteien üblich ist, sich zunächst zu vergleichen und dann erst die Klage fallenzulassen, stimmte die Berlin-Consult dem Saudi-Vorschlag zu. Güldner glaubt nun wieder einmal, kurz vor dem Ziel zu sein. »Bis September«, so der Aufsichtsratschef des Senatsunternehmens, »ist das Geld aus Saudi-Arabien da.«

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