Edel-Immobilien Millionäre zieht es nach München

Kein Preis scheint zu hoch für Luxusimmobilien in der Münchner Innenstadt. Zusehends leisten sich auch Ölscheichs und reiche Russen ein Penthouse in der City - damit der Weg zum Shoppen nicht so weit ist.

Von , München


Wenn die Sonne scheint, ist der Ausblick auf die Münchner Innenstadtsilhouette von hier aus kaum zu überbieten. An diesem Tag allerdings fällt leichter Nieselregen aus dem grauen Himmel. Stefan Bräuerle ignoriert das Tiefdruckgebiet mit der Attitüde des professionellen Immobilienverkäufers. Der Mann mit Pferdeschwanz blickt entspannt in Richtung Frauenkirche und fängt an zu schwärmen: "Theoretisch kann man auf dieser Terrasse leben – man hat, was man braucht."

Bräuerle verantwortet beim Bauinvestor Wöhr und Bauer die Vermarktung. Gerade steht er nicht auf irgendeinem Hochhausbalkon, sondern im Außenbereich einer Edelwohnung, rund 20 Meter über dem Jakobsplatz in der Münchner City. 7,8 Millionen Euro soll das 400 Quadratmeter große Domizil im sechsten Stock des Angerhofs kosten.

Die drei Meter hohen Räume sind nach außen von der Decke bis zum Boden nahezu vollständig verglast und deshalb stets lichtdurchflutet. Eine integrierte Wasserkühlung verspricht angenehmes Innenklima im Sommer. Die dazugehörige 300 Quadratmeter große Südwest-Terrasse verfügt laut Wöhr und Bauer über eine eigene Küche, WC, Bar und Whirlpool. Auch kann der neue Eigentümer auf einer eigenen Golfanlage samt Sandbunker sein Handicap verbessern.

Noch hämmern hier die Handwerker. Schon bald aber sollen die ersten der insgesamt 26 luxuriösen Wohnungen des Neubaus unweit des Marienplatzes bereit für den Bezug sein. Zwischen 8500 Euro und 15.000 Euro pro Quadratmeter kosten die Nobelbleiben – je nach Ausstattung. Berliner Luxuswohnungen wirken im Vergleich dazu mit Quadratmeterpreisen zwischen 2000 und auch mal 7000 Euro wie Schnäppchen. Doch trotz dieser Rekordwerte hat Bäuerle bereits die Hälfte der Wohnungen im Angerhof verkauft. "Die Wohlhabenden haben schon früher hinter der Stadtmauer gelebt", sagt er.

Anzeichen einer Immobilienkrise sucht man in der Münchner Innenstadt vergebens. Während der Geldadel noch vor einigen Jahren in die Villen im Umland flüchtete, wohnt er heute lieber mitten in der Bayern-Hauptstadt. "Grünwald ist out. Die Reichen haben seit einigen Jahren das Zentrum als Ort für luxuriöses Wohnen entdeckt", sagt Rudolf Stürzer, Vorsitzender des Münchner Haus- und Grundbesitzervereins. Auch Christoph Gernhäuser, Sprecher des Kommunalreferats, spricht von einem "neuen Trend".

Philippe Starck entwirft Luxuswohnungen

Der Boom ist kaum mehr zu übersehen. In innerstädtischen Vierteln wie Maxvorstadt oder Lehel stampfen Baukonzerne neue Luxusquartiere aus dem Boden. Zudem möbeln die Firmen wegen des Flächenmangels immer öfter historische Gebäude auf. So wie im Glockenbachviertel. Dort entstehen bis Ende 2008 in einem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude 65 vom Stardesigner Philippe Starck entworfene Luxuswohnungen. Der Großteil davon ist laut dem Baukonzern Vivacon bereits verkauft.

144 Luxuswohnungen entstanden zudem in den Lenbach-Gärten am Alten Botanischen Garten. 2007 kaufte ein millionenschwerer München-Liebhaber dort für 5,5 Millionen Euro eine 300 Quadratmeter große, zweigeschossige Dachgeschosswohnung. Und auch ein ehemaliger Fernsehmanager soll sich gleich zwei Wohnungen im selben Luxusareal zugelegt haben.

Immobilien-Experte Stürzer geht davon aus, dass es "nach oben keine Grenze gibt". Die Penthäuser würden immer größer und seien zum Teil auch immer luxuriöser ausgestattet. Mitte der neunziger Jahre hätten vier bis fünf Millionen Mark teure Wohnungen als "oberes Segment" gegolten. Jetzt kosteten Wohnungen in dieser Kategorie schon fünf bis sechs Millionen Euro. Er ist überzeugt, dass die Grenze von zehn Millionen Euro bald geknackt wird.

Ferrari auf der Terrasse

Die Wünsche der Superreichen werden dabei immer ausgefallener. So können sich Immobilienkäufer sogar einen eigenen Aufzug für ihren Sportwagen anfertigen lassen. Unter einem Glasverdeck auf der Terrasse kann der Autonarr so seine Nobelkarosse auch vom Wohn- und Schlafzimmer aus betrachten.

Befeuert wird der Boom durch ausländische Interessenten. Bis vor einigen Jahren leisteten sich fast ausschließlich Deutsche eine Zweitwohnung an der Isar. Mittlerweile treten vermehrt Käufer aus der Fremde auf, die Interesse an einem luxuriösen Nebendomizil in München haben. "Vor allem bei Russen und Ölscheichs hat es einen riesigen Zuwachs gegeben", sagt Stürzer.

Auch beim Kommunalreferat bestätigt man, dass es immer mehr "zahlungskräftige, meist internationale" Wohnungskäufer im Spitzensegment gebe. Kein Wunder: Kommen doch aus den Golfstaaten jeden Sommer immer mehr Besucher für einige Wochen die Stadt. Neben dem verhältnismäßig milden Klima und der guten medizinischen Versorgung locken viele die Einkaufsmöglichkeiten auf der Maximilianstraße.

Die Verlierer des Luxus-Booms stehen indes schon fest: Vielen alteingesessenen Münchnern reicht schon der bisherige Preisanstieg. "Der Trend zum luxuriösen Wohnen in der Innenstadt kostet bezahlbaren Wohnraum für die einheimische Bevölkerung", klagt Beatrix Zurek, Vorsitzende des Münchner Mietervereins. Verdrängungsprozesse seien die Folge. Zurek berichtet: "Vor allem Familien können sich das Wohnen in der Innenstadt zunehmend nicht mehr leisten."



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