Eichel zum Euro "Das ist eine brutale Entwicklung"

Bundesfinanzminister Hans Eichel äußert sich besorgt über die Kursentwicklung des Euro. Er hofft auf gemeinsame Gegenmaßnahmen von Japan, den USA und Europa. Derweil klettert die Gemeinschaftswährung von Rekordniveau zu Rekordniveau.


Hans Eichel: Verhandlungen hinter verschlossenen Türen
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Hans Eichel: Verhandlungen hinter verschlossenen Türen

Berlin - "Das ist, wie EZB-Präsident Jean-Claude Trichet gesagt hat, eine brutale Entwicklung", sagte Eichel am Donnerstagmorgen in der ARD zum Kursanstieg des Euro. "Darüber wird zu reden sein. Aber - wie sich das bei Währungsfragen gehört - hinter verschlossenen Türen. Und dann hoffentlich mit einer gemeinsamen Position von Japan, USA und Europa."

Der Euro hat am Donnerstag seinen Höhenflug fortgesetzt und eine Rekordmarke erreicht. Der Kurs der Gemeinschaftswährung stieg im frühen Handel bis auf 1,3068 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Mittwoch noch auf 1,3026 und am Dienstag bei 1,2971 Dollar festgesetzt.

Eichel hatte bereits am Dienstag erklärt, das Thema Wechselkurse werde bei dem G20-Treffen am Wochenende in Berlin "nicht im Plenum" behandelt. Damit hatte er informelle Gespräche am Rande der eigentlichen Konferenz angedeutet.

Mehrere Finanzminister der Euro-Gruppe hatten zuvor die USA aufgefordert, ihren Ankündigungen einer Politik des starken Dollar Taten folgen zu lassen. Die Aussichten dafür sind allerdings gering.

Keine Impulse aus Washington

US-Finanzminister John Snow hatte jüngst in einer Rede wie üblich betont, die US-Regierung sei zwar "an einem starken Dollar interessiert". Gleichzeitig jedoch müssten die Märkte über die Wechselkurse bestimmen.

Volkswirte werten dies als Zeichen dafür, dass die USA nichts gegen eine weitere Abwertung unternehmen werden. Ein schwacher Dollar hilft der US-Regierung, ihr gigantisches Doppeldefizit herunterzumanagen.

Der Aufwärtstrend für den Euro dürfte sich Experten zufolge in den kommenden Tagen fortsetzen. Amerika habe kein Interesse, der Dollar-Schwäche entgegenzuwirken, sagte Analyst Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus & Burkhardt. Helaba-Devisenhändler Jan Koczwara sieht den Euro bis Jahresende bei 1,32 bis 1,33 Dollar und in den Monaten danach sogar bei 1,35 Dollar.

Risiko für Deutschland

Der teure Euro birgt nach Einschätzung des Sachverständigenrates ein "nicht unerhebliches Risiko" für die exportabhängige Konjunkturerholung in Deutschland. Die fünf "Wirtschaftsweisen" rechnen 2005 mit einem Wirtschaftswachstum von 1,4 Prozent und unterstellen dabei einen Eurokurs von 1,27 Dollar. Eine Aufwertung habe "einen signifikant negativen Effekt auf die gesamtwirtschaftliche Entwicklung", heißt es im Gutachten des Sachverständigenrates.



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