Eier ohne Datum Absurde Kennzeichnungspflicht

Zweifel über den Erzeuger kommen hier in Zukunft nicht mehr auf: Jedes EU-Ei, so will es eine neue Verordnung, trägt künftig einen Herkunftsnachweis. Doch ob das Ei frisch ist, kann man leider nicht erkennen.


Kennzeichnung ist Pflicht: Stammt dieses Ei von einem glücklichen Huhn?
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Kennzeichnung ist Pflicht: Stammt dieses Ei von einem glücklichen Huhn?

Hamburg - Ob das Frühstücksei auch tatsächlich von einem glücklichen Huhn stammt, verrät seit Anfang des Jahres ein Blick auf seine Schale: Ein Code soll über Nationalität, Haltung und sogar Betrieb und Stall aufklären - ein Eier-Fingerabdruck also.

"Der Code soll für den Verbraucher nachvollziehbar machen, aus welchem Land das Ei kommt und wie die Henne gehalten wurde, die das Ei gelegt hat", erklärt Albert Hartmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Weser-Ems in Oldenburg. So stehe eine Null am Anfang etwa für ökologische Haltung, Eins bedeute Freiland-, Zwei Boden- und eine Drei Käfighaltung der Legehennen.

Neben Länderkennungen (für Deutschland etwa steht die Abkürzung DE oder NL für die Niederlande) gibt die folgende Ziffer sogar das Bundesland an. 03 beispielsweise steht für Niedersachsen. Wie der Verbraucher die unzähligen Zahlen- und Buchstaben-Kombinationen decodieren soll, vorausgesetzt, er behält sie nicht alle im Kopf, das bleibt Geheimnis der Bürokraten.

Vielleicht werden ja irgendwann Tabellen neben den Verkaufsständen vorgeschrieben, eine Art Legende nach dem Vorbild einer Landkarte. Dann hätte jeder Verbraucher die Möglichkeit, sich seine Lieblingseierfarm auszusuchen.

Aber bis dahin bleibt noch etwas Zeit: Bislang nämlich stehen kaum genug Automaten zur Verfügung, die die empfindlichen Eierschalen mit dem multiinformativen Stempelaufdruck versehen können. Deshalb sind auch noch längst nicht alle Eier im Handel mit dem Ausweis ausgestattet.

Lediglich in einem Punkt bleiben die Verbraucher nach wie vor auf Vertrauen angewiesen: Ob das Ei frisch ist oder nicht, darüber muss auch weiterhin nach hergebrachter Art der Händler informieren. Am Stempel jedenfalls ist das nicht zu erkennen; dieser Hinweis ist nicht vorgeschrieben. Kein Beinbruch sagen die Landwirte. Sie verweisen auf ein altbewährtes Hausfrauenrezept: Alte Eier schwimmen im Wasser, frische sinken.



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