Allianz der Ukraine-Unterstützer Ein Ölpreis gegen Putin

Um die Kriegswirtschaft von Wladimir Putin zu schwächen, hat sich die westliche Staatengemeinschaft auf einen Preisdeckel für russisches Öl verständigt. Allerdings gibt es Zweifel, dass der Plan funktioniert.
Von Michael Sauga, Brüssel
Wladimir Putin

Wladimir Putin

Foto: Alexander Shcherbak / ITAR-TASS / IMAGO

Die Europäische Union hat sich mit den USA und den G7-Staaten auf einen weltweiten Preisdeckel für russisches Öl verständigt. Danach soll der Rohstoff künftig nur noch für maximal 65 bis 70 Dollar je Fass verschifft werden dürfen, so verlautete es aus Kreisen, die mit den Verhandlungen vertraut sind. Der Preisdeckel soll ab Anfang Dezember greifen, zum selben Zeitpunkt, zu dem das bereits beschlossene EU-Embargo gegen russisches Öl in Kraft tritt.

Ziel der Absprache ist es, die russischen Einnahmen aus dem Ölverkauf zu reduzieren. In den Sommermonaten hatte der Preis zeitweise bei über hundert Dollar je Fass gelegen. Das hatte für Milliardenüberschüsse im Moskauer Staatshaushalt gesorgt, mit denen Wladimir Putin seinen Angriffskrieg gegen die Ukraine finanzieren konnte.

Ein Preis von 65 bis 70 Dollar soll die russischen Gewinne nun deutlich reduzieren, so hoffen die Chefverhandler in den westlichen Hauptstädten. Zugleich würde russisches Öl weiter auf die Weltmärkte strömen, sodass es zu keinen Knappheiten und unerwarteten Preissprüngen kommt. Derzeit liegt der Ölpreis bei etwa 70 Dollar je Fass. Die Produktionskosten in Russland schätzen Experten auf etwa 35 bis 40 Dollar.

Missachten die Unternehmen die Vorgabe, drohen Strafen

Um den Preisdeckel durchzusetzen, will ihn die Staatengruppe Versicherungs-, Reederei- und Finanzmarktfirmen vorschreiben, die im Ölhandel tätig sind. Die Unternehmen, deren Sitz überwiegend in westlichen Ländern liegt, dürfen den Transport russischen Öls danach nur noch durchführen, wenn der Ölpreis unter der vereinbarten Obergrenze liegt. Missachten sie die Auflagen, drohen Strafen.

Der Einigung gingen wochenlange Verhandlungen der G7- und EU-Staaten voraus. Während osteuropäische Nachbarn der Ukraine wie Polen, Litauen oder Lettland auf möglichst niedrige Preise drängten, plädierten Länder wie Griechenland, Malta oder Zypern für deutlich höhere Werte. Der Grund: In Ihren Ländern haben zahlreiche Schiffs- und Transportunternehmen ihren Sitz.

Viele Branchenkenner zweifeln, ob die Staatengruppe, zu der auch Länder wie Australien oder Südkorea zählen, die Preisgrenze tatsächlich durchsetzen kann. Als problematisch gelten vor allem Öltransporte, die für Länder wie Indien oder China bestimmt sind. Derzeit gilt die Lage auf den Ölmärkten als entspannt, weil die weltweite Nachfrage unter den Coronalockdowns in China leidet. Sollte die Konjunktur anziehen, so fürchten Experten, werde sich die Preisgrenze indes nur schwer halten lassen. Anfang kommender Woche, so ist zu hören, soll der Höchstpreis endgültig festgelegt werden.

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