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INTERVIEW »Ein Scheck für jeden«

Der wirtschaftspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Rainer Brüderle, 56, über die vorgezogene Steuerreform
aus DER SPIEGEL 32/2001

SPIEGEL: Herr Brüderle, Sie fordern, zur Stimulierung der Konjunktur die Steuerreform vorzuziehen. Die Entlastung erreicht die Steuerzahler aber doch erst im nächsten Jahr. Ist das nicht zu spät?

Brüderle: Da haben Sie völlig Recht. Wenn die Bundesregierung die nächsten Stufen der Steuerreform auf Anfang nächsten Jahres vorziehen würde, käme die Entlastung erst in sechs Monaten, unter Umständen noch viel später, nämlich wenn die Bürger ihre Steuererklärung machen. Dann könnte die Konjunktur möglicherweise schon ganz am Boden liegen.

SPIEGEL: Also kann man sich diese kostspielige Operation gleich sparen, oder?

Brüderle: Auf keinen Fall, man muss nur die Entlastungswirkung vorziehen.

SPIEGEL: Wie stellen Sie sich das vor?

Brüderle: Ich schlage vor, dass die Bundesregierung schon in den nächsten Wochen einen Scheck an jeden Steuerzahler über 1500 Mark verschickt, ähnlich wie es gerade in den USA passiert. Das wäre eine Vorauszahlung auf die Entlastung, die die Leute im nächsten Jahr erhalten würden. Schon jetzt könnten sie sich dafür etwas kaufen. Das hebt die Kaufkraft und die Stimmung.

SPIEGEL: Aber auch das Defizit in den öffentlichen Kassen.

Brüderle: Die Maßnahme würde die Steuerzahler ungefähr um 45 Milliarden Mark entlasten und finanziert sich in hohem Umfang von selbst. Die Leute geben mehr Geld aus, die Wirtschaft wächst, das lässt die Kasse klingeln, auch bei den Finanzämtern. Der Bundeskanzler muss jetzt nur endlich handeln.

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