Eingefrorener Fonds Sparkassen werben frustrierte Deutsche-Bank-Kunden ab

Mehrere Sparkassen nutzen das Desaster um den eingefrorenen Immobilienfonds Grundbesitz-Invest jetzt für aggressive Kundenwerbung. Sie kaufen Anteile des angeschlagenen Investments mit Abschlag auf. Die Deutsche Bank beginnt unterdessen, Immobilien aus dem Portfolio zu verkaufen.

Frankfurt am Main/ Hamburg - Die Sparkasse Karlsruhe lockt bangende Grundbesitz-Invest-Anleger derzeit mit einem ungewöhnlichen Angebot: Bis Dienstag übernimmt das kommunale Geldinstitut von Privatkunden der Deutschen Bank aus ihrem Geschäftsgebiet die Fondsanteile und zahlt dafür zunächst 90 Prozent des letzten Rücknahmepreises, wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" berichtet. Bedingung ist, dass die Kunden ihr Depot und ihre Bankverbindung auf die Sparkasse übertragen.

Das gleiche Angebot macht der "Financial Times Deutschland" zufolge auch die Sparkasse Hannover. Die Kreissparkasse Köln, die bereits individuelle Lösungen anbietet, erwäge ebenfalls ein systematisches Angebot. Auch die Hamburger Sparkasse (Haspa) denke über eine ähnliche Form der Kundenwerbung nach.

Die Deutsche Bank hatte den rund sechs Milliarden Euro schweren Immobilienfonds im Dezember wegen drohender Illiquidität eingefroren. Die mehr als 300.000 Anleger können damit ihre Anteile an dem Fonds nicht in Geld eintauschen. Experten gehen davon aus, dass es nun zu Wertberichtigungen in dreistelliger Millionenhöhe kommt, bevor der Fonds wieder geöffnet wird.

Das Vorgehen der Bank, dass in der 40-jährigen Geschichte der Immobilienfonds einmalig ist, erntete deshalb harsche Kritik. Offene Immobilienfonds waren stets damit beworben worden, dass Anleger jederzeit risikolos aus ihrem Investment aussteigen können. Erst nach harscher Kritik von Konkurrenten und Anlegern sowie aus der Politik hatte die Deutsche Bank eingewilligt, zumindest jene Investoren zu entschädigen, die sich innerhalb der vergangenen zwei Jahre in dem Fonds engagiert haben.

Immobilien für eine Milliarde Euro verkaufen

Der "Börsen-Zeitung" zufolge startet die Deutsche-Bank-Tocher DB Real Estate jetzt den Verkauf eines milliardenschweren Immobilienpakets aus dem Portfolio des Fonds. Der Wert des Pakets liege bei rund einer Milliarde Euro, schreibt das Blatt unter Berufung auf Kreise von DB Real Estate. Als Interessenten gelten ausländische Investoren, hieß es.

Mit der Bewertung und Vermarktung der überwiegend in Deutschland liegenden Objekte sei Jones Lang LaSalle (JLL) beauftragt worden. Der Verkauf solle wieder flüssiges Geld in den zuletzt in Schwierigkeiten geratenen offenen Immobilienfonds bringen. Neben JLL begleite auch das Investmentbanking der Deutschen Bank die Transaktion.

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